Sicherheitskriterien
Der Schwingfest-Chef zieht Lehren aus dem Bieler Turnfest-Sturm

Die erschreckenden Bilder sind immer noch präsent: Das Eidgenössische Turnfest in Biel wurde gleich zweimal von heftigen Unwettern heimgesucht. Damit dies beim bevorstehenden Schwingfest nicht passiert, wurden die Sicherheitskriterien verschärft.

Marcel Kuchta und Daniel Fuchs
Drucken
Teilen
Aebi Andreas und der Siegermuni mit dem etwas sperrigen Namen «Fors vo dr Lueg»

Aebi Andreas und der Siegermuni mit dem etwas sperrigen Namen «Fors vo dr Lueg»

Emanuel Freudiger

Die gleichermassen eindrücklichen wie erschreckenden Bilder sind immer noch präsent: Das Eidgenössische Turnfest in Biel wurde im Juni gleich zweimal von heftigen Unwettern heimgesucht. Beim zweiten Mal entgingen Tausende von Turnern und Zuschauern einer Katastrophe nur um Haaresbreite, als ein Gewittersturm ganze Festzelte zerstörte.

Dennoch wurden 95 Menschen teilweise schwer verletzt. Die Folge waren kontrovers geführte Diskussionen um die Schuldfrage, die darin gipfelten, dass die Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland gegen Turnfest-OK-Präsident Fränk Hofer eine Untersuchung wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung eröffnete.

Kommentar: Die Launen der Natur

Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest ist nicht mehr das Ereignis der Sennen, das es ursprünglich war. Wenn sich heuer die «Bösen» das Sägemehl gegenseitig abwischen, zieht das längst auch Städter in seinen Bann.

Insgesamt 250 000 Besucher während dreier Tage auf einem 90 Hektaren grossen Gelände bei Burgdorf - das die eindrücklichen Dimensionen. So wundert es nicht, dass die Organisatoren im Juni aufschreckten, als zwei heftige Unwetter über dem Gelände des Eidgenössischen Turnfests in Biel massive Schäden anrichteten. 95 zum Teil Schwerverletzte, Verwüstung und viel Glück - Biel schrammte nur knapp an der ganz grossen Katastrophe vorbei. Nun läuft eine Untersuchung wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen den Chef-Organisator.

Es ist richtig, wenn man in Burgdorf die Lehren von Biel gezogen und sämtliche Sicherheitsvorkehrungen erhöht hat. Trotz aller Vorsicht darf man aber nicht vergessen: Das Fest steigt in der freien Natur. Eine zerstörerische Gewitterzelle, ein Jahrhunderthochwasser der nahen Emme - die Natur ist unberechenbar. Die Organisatoren sind deshalb gut beraten, gewappnet zu sein. Wir aber tun gut daran, zu akzeptieren, dass es eine hundertprozentige Sicherheit nicht gibt. Und wir tun ebenso gut daran, anzuerkennen, dass ohne freiwilliges Engagement ein «Eidgenössisches» kaum möglich wäre.

Die Strafuntersuchung wird zeigen, ob in Biel fahrlässig gehandelt wurde. Egal was herauskommt - sie birgt das Risiko, dass aus Furcht vor den Launen der Natur dereinst niemand mehr ein «Eidgenössisches» organisieren mag.

Daniel Fuchs

In knapp zwei Wochen findet in Burgdorf der nächste sportliche Grossanlass unter freiem Himmel statt. Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Burgdorf (ESAF) dürfte gegen eine Viertelmillion Zuschauer anlocken. Durch die Ereignisse von Biel wurden auch die Burgdorfer Organisatoren um ihren Chef Andreas Aebi aufgeschreckt. Der SVP-Nationalrat sagt im Interview mit der «Nordwestschweiz»: «Was in Biel geschah, ging mir unter die Haut.

Auch der Personenschutz ist mit der Prominenz zentral

Biel hat dazu geführt, dass wir die Sicherheitskriterien in sämtlichen Bereichen verschärft haben. Nach diesen Erfahrungen will niemand die Verantwortung übernehmen, etwas ausgelassen zu haben.» Zu den möglichen Katastrophen-Szenarien gehören Blitzschlag im Stadion, Hochwasser der Emme oder Sturmwind. Aebi betont aber: «Wir sind in der Natur, die macht, was sie will. Wir haben nicht alles in unseren Händen, wir können nur optimal vorsorgen.»

Während das Turnfest in der Öffentlichkeit primär als Breitensport-Anlass wahrgenommen wurde, kommt in Burgdorf eine weitere Sicherheitsdimension dazu: Das Schwingfest erfreut sich einer riesigen Popularität und wirkt auch für die Politprominenz wie ein Magnet. Eine ganze Reihe von Bundes-, National- und Ständeräten haben ihr Kommen angekündigt. Auch dem Personenschutz wird somit eine nicht unwesentliche Bedeutung zuteil.

Aktuelle Nachrichten