Auch der Forstwirtschaft droht ein Fachkräftemangel. In den nächsten 10 bis 15 Jahren geht rund die Hälfte der Förster in Pension. Bei den Forstingenieuren sind es etwas mehr. Dies zeigt eine Umfrage der Fachstelle Codoc unter den Kantonen. Diese kümmert sich im Auftrag der Kantone und des Bundes um die Aus- und Weiterbildung bei den Waldberufen. Nachwuchs wird also benötigt. Laut Codoc-Geschäftsführer Rolf Dürig gilt es zwei Aspekte zu beachten: Lehre und Weiterbildung. «Bislang schlossen in der Schweiz pro Jahr rund 300 Forstwartanwärter ihre Lehre ab. Über Jahre hinweg war es eigentlich ein beliebter Beruf bei den Jugendlichen», so Dürig. In diesem Frühjahr habe sich nun aber in Regionen wie Bern und Zürich gezeigt, dass die Nachfrage nach den Lehrstellen zurückging. Dieser Entwicklung gelte es entgegenzuwirken. Die Fachstelle will deshalb die Berufswerbung verstärken.

In einem zweiten Schritt muss die Branche dafür sorgen, dass gute Forstwarte in der Branche bleiben und sich weiterbilden. Heute wechselt rund die Hälfte den Beruf: «Lehrabgänger wechseln meist in Branchen, wo man mehr verdient, etwa auf dem Bau oder bei der Polizei.» Auch wegen gesundheitlicher Probleme würden viele in andere Branche abwandern. Denn die Arbeit im Wald sei körperlich anstrengend. Dazu komme, dass Forstwarte auf dem Arbeitsmarkt begehrt sind: «Sie werden mit Handkuss genommen, weil sie gewohnt sind, anzupacken, und das bei jedem Wetter.»

Es braucht 31 Stellen jährlich

Beat Philipp, Fachvorsteher Wald an der IbW Höhere Fachschule Südostschweiz, sagt es so: «Der Förster ist an sich kein schlecht bezahlter Beruf. Die Alternativen haben aber die komfortableren Arbeitssituationen.» Damit man Förster werden könne, müsse man als Forstwart bei jedem Wetter draussen sein und in jedem Gelände strenge körperliche Arbeit verrichten. «Das ist vielleicht in jungen Jahren kein Problem, aber als Perspektive für ein ganzes Berufsleben nicht so attraktiv», sagt Philipp. Beide sind sich einig, dass Interessierten schon früh aufgezeigt werden muss, welche Möglichkeiten sie in der Waldwirtschaft haben – vom Forstwart über den Förster bis zum Forstingenieur.

Wie der Landwirtschaftliche Informationsdienst (LID) kürzlich zur Codoc-Studie schrieb, zeichnet sich insbesondere bei den Förstern HF ein grosser Mangel ab. Im Schnitt müssen künftig jährlich 31 Stellen neu besetzt werden. In den letzten Jahren haben aber jeweils nur 23 Personen die zweijährige Weiterbildung an einer der beiden höheren Fachschulen in Lyss BE oder Maienfeld GR absolviert. Für den nächsten Försterlehrgang, der im Januar startet, werden laut Philipp sogar gegen 30 Kandidaten erwartet. Das könne sich aber schon bald wieder ändern: «Wir müssen schon jetzt für die Zukunft schauen, damit wir nicht in ein paar Jahren ohne Förster dastehen.»

Scheinbar besser siehts bei den Hochschulen aus. Die ETH und die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) bilden derzeit genügend Leute aus, um den Bedarf an Forstingenieuren zu decken. In der Praxis sieht es aber anders aus. «Die Kantone haben Mühe, Forstingenieure zu finden», sagte Ueli Meier, Präsident der Konferenz der Kantonsförster, gegenüber dem LID. Vor allem Bewerbungen von ETH-Absolventen seien rar. ETH-Professor Harald Bugmann schätzt, dass lediglich 20 Prozent der Masterabsolventen in den Forstdienst wechseln. «Offenbar reizt die Tätigkeit in einem Ingenieurbüro oder bei einer NGO mehr», sagte Bugmann gegenüber einem Branchenmagazin.

Fokus auch auf Frauen legen

Um den drohenden Fachkräftemangel zu beheben, fordert Meier, mehr Frauen und Quereinsteiger anzuwerben: «Wir müssen den Fokus auf die Frauen legen», sagt auch Dürig. Laut Philipp dürfte es aber schwierig werden, Förster als Frauenberuf zu etablieren, wie es etwa die Maler geschafft haben. Geht es nach Dürig, sollte die Branche im Allgemeinen in der Öffentlichkeit mehr Präsenz zeigen und über die Waldberufe informieren. «Das wird dann auch sicherlich Quereinsteiger ‹anziehen›», ist Dürig überzeugt.