Chefbeamtin Andrea Lenggenhager
«Der Sache eine Struktur geben»

Mit Andrea Lenggenhager hat die Stadt Solothurn ihre zweite Chefbeamtin: Die Zürcherin wurde am Dienstag vom Gemeinderat praktisch einstimmig zur neuen Leiterin Stadtbauamt gewählt. Sie tritt die Nachfolge von Werner Stebler an, der Ende November in Pension geht.

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Solothurner Zeitung

Christian Fluri

Es gab nichts zu diskutieren im Gemeinderat: Die 42-jährige Andrea Lenggenhager war praktisch von Anfang an für alle vorberatenden und auswählenden Gremien die Idealbesetzung für den Posten der Leiterin Stadtbauamt. Die gelernte Hochbauzeichnerin entspricht genau dem, was man sich bei der Stadt erhofft hatte: Eine ausgewiesene Führungspersönlichkeit, die dazu auch fachlich weiss, wovon sie spricht.

Oder um es mit den Worten von Gaston Barth, Leiter Rechts- und Personaldienst, zu formulieren: «Wir haben eine Person mit grossen Führungsfähigkeiten zur Leitung mehrerer Abteilungen gesucht. Aufgrund der Ausbildung, der Zusatz- und Weiterbildung sowie ihrer Erfahrung eignet sich Andrea Lenggenhager am besten für diese Funktion.» Dem entsprechenden Protokoll der Gemeinderatskommission GRK können gar noch deutlichere Worte entnommen werden. Hier ist von einer «taffen Führungsfrau» die Rede.

Weitläufige Aus- und Weiterbildung

Lenggenhagers Leistungsausweis kann sich sehen lassen. Sie hat das Handwerk von der Pike auf gelernt. Nach der Ausbildung zur Hochbauzeichnerin Mitte der 1980-er Jahre erlangte sie 1996 das Diplom als Architektin HTL. Ihre Stationen der Weiterbildung schliessen unter anderem einen Fachhochschulabschluss als Wirtschafsingenieurin mit Vertiefungsrichtung Unternehmensführung oder einen Ende Jahr abzuschliessenden Master of Advanced Studies in «Human Systems Engineering» mit ein.

Momentan arbeitet Andrea Lenggenhager noch bei den Schweizerischen Bundesbahnen als Leiterin Architektur. Sie wird voraussichtlich anfangs Dezember ihre Stelle in Solothurn antreten. Die Übergangsmodalitäten seien geregelt, so Gaston Barth. Werner Stebler werde seine Nachfolgerin einarbeiten und selbstverständlich in der Übergangsphase noch zur Verfügung stehen.

Führen - einer Sache Struktur geben

«Die Stelle ist natürlich eine grosse Chance für mich, meine Führungsverantwortung auszubauen», sagt Lenggenhager und macht deutlich, was ihr in ihrem neuen Job besonders am Herzen liegt: «Ich will für die Öffentlichkeit etwas bauen - etwas bewirken. Meine Aufgabe ist Führen, der Sache eine Struktur zu geben.» Dabei gehe es natürlich nicht darum, ausschliesslich auf Franken und Millimeter zu schauen. «Führen hat nicht nur mit Zahlen zu tun.» Eine Botschaft, die bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Stadtbauamts sicherlich auf Gegenliebe stossen dürfte.

Die Arbeit auf politischer Ebene ist für Andrea Lenggenhager Neuland. «Ich fühle mich hier in Solothurn sehr willkommen und bin zuversichtlich, dass wir sowohl in fachlicher als auch politischer Hinsicht gut zusammenarbeiten werden», sagte sie zu ihrem Wahlgremium, dem Gemeinderat. Dieser hatte sie praktisch einstimmig gewählt - abgesehen von einer ungültigen Stimme.

Rückzug in letzter Minute

Dass die Wahl von Lenggenhager geklappt hat, freut einen ganz besonders: Den städtischen Personalchef Gaston Barth. Nach den Querelen im Stadtbauamt darf er sich getrost Hoffnungen machen, dass dort bald Ruhe einkehrt. Trotz aller Freude gab es für Barth im Zusammenhang mit dem Stadtbauamt allerdings eine personalpolitische Niederlage einzustecken: Der potenzielle Nachfolger für die Chefin Hochbau, Astrid Peissard, ist kurzfristig abgesprungen.

Zur Erinnerung: Peissard hat auf Ende Mai dieses Jahres gekündigt, weil sie in den bestehenden Strukturen des Stadtbauamtes keine beruflichen Perspektiven sieht. Ihr war von Stadtpräsident Kurt Fluri zudem im letzten Jahr nahegelegt worden, nicht zur Wahl zur Nachfolgerin des damaligen Stadtplaners Bernhard Straub anzutreten. Fluri damals: «Eine Änderung der Organisation kann man nicht über eine solche Neuwahl erreichen.»

Mit dem Rückzug «der qualifizierten Person» geht die Suche für die Stadt nach einer Nachfolge für Peissard von vorne los. «Eigentlich wollte die GRK die Wahl diese Woche über die Bühne bringen», so Barth. Peissard müsste eigentlich Ende dieses Monats gehen. «Sie hat aber zugesichert, eine noch zu definierende Dauer im Amt zu bleiben. Auf jeden Fall wollen wir den Posten so schnell wie möglich besetzen», so Barth.

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