Landwirtschaft
Der Röstigraben in der Landwirtschaft: Die Traktorendichte steigt nur in einem Teil der Schweiz

Während in der Deutschschweiz die Traktorendichte munter ansteigt, nimmt sie in allen Westschweizer Kantonen laufend ab.

Henry Habegger
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In der Westschweiz häufiger anzutreffen: Grosse Traktoren wie dieser John Deere 5100 R auf einem Feld in der Waadt.

In der Westschweiz häufiger anzutreffen: Grosse Traktoren wie dieser John Deere 5100 R auf einem Feld in der Waadt.

imago/imagebroker

Es gibt zwar immer weniger Bauernbetriebe, aber immer mehr Traktoren: Diese Feststellung ist seit Jahren immer wieder zu lesen, das besagen die Statistiken. Auch im letzten Jahr bestätigte sich der Trend: 140'545 Traktoren waren gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) im Jahr 2017 in der Schweiz zugelassen. Im Vorjahr waren es noch 139'693 gewesen, also gegen 900 Stück weniger.

In der gleichen Zeit zählte das BFS eine Abnahme der Landwirtschaftsbetriebe: 51'620 waren es im Jahr 2017 noch, gut 600 Betriebe weniger als im Vorjahr.

Weniger Bauernbetriebe also und mehr Traktoren. Allerdings stimmt das nicht für die ganze Schweiz. Unser Land wird von einem Traktoren-Röstigraben zweigeteilt. In den Kantonen der Romandie nimmt die Anzahl der Traktoren Jahr für Jahr ab.

Sämtliche welschen Kantone inklusive das Wallis verzeichnen in der Periode von 1990 bis 2017 nämlich einen Traktorenschwund. In der Waadt etwa sank die Traktorenzahl von 12'287 (1990) auf 11'307. Mit acht Prozent ging die Traktorenzahl hier schweizweit am stärksten zurück.

Bergkantone holen auf

Ein ganz anderes Bild in der Deutschschweiz. Im Kanton Bern etwa wurden im Jahr 1990 noch 21'938 zum Strassenverkehr zugelassene Traktoren gezählt. Letztes Jahr waren es bereits 26'594. Eine Zunahme von 15 Prozent. Fast identisch die Entwicklung im Aargau. Hier nahm die Traktorenzahl von 9921 auf 11'294 zu. Macht plus 14 Prozent. Noch steiler war die Kurve in Zürich: die Anzahl der Traktoren stieg von 11'685 (1990) auf 13'393 im letzten Jahr, das sind 21 Prozent mehr. Einzige Ausnahme in der Deutschschweiz: In Basel-Stadt, wo es kaum Bauernhöfe gibt, nahm die Traktorenzahl in den letzten 27 Jahren von 115 auf 90 Stück ab.

Umgekehrt ist klar: Die Welschen haben prozentual viel mehr grosse Traktoren als die Deutschschweizer, wie aus den Hubraum-Werten der in den Kantonen immatrikulierten Fahrzeuge hervorgeht.

Und den grössten Traktorenzuwachs hatten Bergkantone: Uri und Glarus haben ihren Traktorenbestand seit 1990 mehr als verdoppelt. Ob- und Nidwalden, Graubünden und Appenzell Innerrhoden legten je um mehr als 80 Prozent zu.

Fachleute haben keine eindeutige Erklärung für den Traktoren-Röstigraben. Sandra Helfenstein, Sprecherin des Schweizerischen Bauernverbands, sagt, es gebe in der Westschweiz mehr reine Ackerbaubetriebe ohne Tierhaltung. «Um ohne Tiere überleben zu können, braucht ein Betrieb eine grössere Fläche. Entsprechend sind die Betriebe in der Westschweiz grösser. Wenn sich zwei Betriebe zusammenschliessen, dann wird meist ein Teil des bisherigen Maschinenparks verkauft oder nicht mehr ersetzt.» Eine weitere Erklärung könnte sein, so die Bauern- Sprecherin, «dass die Bauern alte Traktoren in der Deutschschweiz eher behalten oder es generell in der Deutschschweiz mehr Fans und Nostalgiker gibt, welche Oldtimer-Traktoren eingelöst haben.»

Roman Engeler, Chefredaktor der Fachzeitschrift «Schweizer Landtechnik», vermutet spontan: «Da in der Westschweiz die Betriebe im Schnitt eher grösser sind, könnte ich mir vorstellen, dass die alten Traktoren eher ganz ausgemustert und verkauft werden, dafür neuere, grössere und dementsprechend teurere Technik zum Einsatz kommt.» Die Tatsache, dass kleine Gebirgskantone ein besonders starkes Traktorenwachstum aufweisen, habe wohl «mit der Bergmechanisierung zu tun», sagt Engeler. Dort wurden in den letzten Jahren, gefördert durch erhöhte Direktzahlungen, zunehmend motorisierte Vehikel angeschafft.

Sagenhafte Traktorendichte

Setzt man die Anzahl Traktoren mit der ständigen Wohnbevölkerung in Relation, so ergibt sich: Der Kanton Appenzell Innerrhoden hat die grösste Traktorendichte. Auf 19 Einwohner kommt hier eines dieser Zugvehikel. Nicht viel weniger Traktoren pro Kopf weisen Jura und Thurgau auf. Am anderen Ende des Spektrums steht mit grossem Abstand Basel-Stadt: Auf 2145 Einwohner kommt hier einer der 90 immatrikulierten Traktoren.