Schaffhausen
Der Rheinfall droht zu einem Mini-Wasserfall zu werden

Europas grösster Wasserfall soll in der Nacht bald auf Mini-Grösse schrumpfen. Die Rheinkraftwerke Neuhausen AG planen am Rheinfall ein neues Kraftwerk und will dafür einen Fünftel des Wassers abzapfen. Umweltschützer laufen bereits Sturm.

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Wird der Rheinfall bald ein Rinnsal?
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Sieht der Rheinfall schon bald so aus wie im Jahr 2006, als es wegen Trockenheit an Wasser mangelte?
Der Rheinfall am Tag, wenn das Wasser nur so sprudelt.
Oder wenn dass Wasser eben nich sprudelt, wie 2006

Wird der Rheinfall bald ein Rinnsal?

Keystone

An Europas grösstem Wasserfall ist ein neues Wasserkraftwerk geplant: «Der Rheinfall ist ein einmalig attraktiver Standort für ein Wasserkraftwerk», sagte Martin Steiger, Verwaltungsratspräsident der Rheinkraftwerke Neuhausen AG, in der TV-Sendung «10vor10».

Eine wichtige Weichenstellung hat das Projekt auch bereits genommen. Die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) hat grünes Licht gegeben für eine gewisse Mehrnutzung des Rheinfalls.

«Nicht trockenlegen»

Er wolle den Rheinfall aber auf «keinen Fall trockenlegen», macht Steiger klar. Die entnommene Wassermenge dürfe den touristischen Wert nicht zu stark schmälern.
«Wir können uns auch vorstellen, bei Nacht mehr Strom zu produzieren», sagt Steiger weiter. Dies könne aber einen Mini-Rheinfall bei Nacht zur Folge haben, wie er einräumt. «Bei Nacht gibt es aber auch kaum Touristen am Rheinfall.»

Stefan Kunz von der Gewässerschutzorganisation Aqua Viva-Rheinaubund ist empört über die Pläne: «Für uns ist der Rheinfall absolut unantastbar, es handelt sich um ein einmaliges Naturdenkmal», sagt Kunz gegenüber «10vor10».

«Erlebniswert nicht geschmälert»

«Wir müssen uns wirklich fragen, ob wir den Rheinfall für die Stromproduktion opfern wollen.» Den grössten Wasserfall Europas anzuzapfen sei ein «absoluter Tabubruch», so der Gewässerschützer.

Diese Bedenken teilt die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) nicht. Sie befürwortet das Projekt. «Die Kommission geht davon aus, dass eine vertretbare gesamthafte Entnahmemenge von 20 Prozent des Mittelwasserabflusses nicht übersteigen sollte, damit der Erlebniswert nicht geschmälert wird.»

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