«Der neue Nationalrat ist männlich, über 50 und Jurist»: So fasst das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) nach den Wahlen auf seiner Website den durchschnittlichen neuen Nationalrat zusammen – illustriert mit einem Bild von Jean-Luc Addor.

Der 51-jährige Walliser gehört mit der SVP zur grossen Wahlgewinnerin. Addor, der personifizierte Rechtsrutsch, könnte man meinen. Im Falle Addors vielleicht etwas zu kurz gegriffen.

Addors Ansichten sind am rechten Rand der SVP angesiedelt – und ragen in manchen Fällen auch darüber hinaus. Vor zwei Jahren machte er von sich reden, als er nach der Ermordung einer Genfer Sozialtherapeutin die Facebook-Seite «Todesstrafe für gefährliche Wiederholungstäter» aufschaltete.

«Ooohh … wieder einmal die Sache mit der Todesstrafe», tönt es beim Gespräch mit der «Nordwestschweiz» etwas genervt durch den Telefonhörer.

Menschenverachtung, «Ironie»?

Für noch mehr Aufsehen sorgte ein Tweet des Wallisers im August vergangenen Jahres: Eine Meldung zu einer Schiesserei mit einem Toten in einer St. Galler Moschee kommentierte er mit den Worten «On en redemande!» (Wir wollen mehr davon).

Der Tweet brachte Addor mehr Favorisierungen und Retweets ein als alle seine anderen Meldungen – und auch eine Anzeige des Islamischen Zentralrats.

Seither ist bei der Staatsanwaltschaft Wallis ein Strafverfahren hängig wegen Rassendiskriminierung im Sinne von Aufruf zu Hass und Herabsetzen einer Gruppe aufgrund ihrer Religion, wie Staatsanwalt Jean-Pierre Greter bestätigt.

«Das war Ironie», erklärt der Anwalt und ehemalige Richter Addor. Wer ihn kenne, wisse, dass er den Tweet nicht ernst gemeint habe. Er habe nur darauf hinweisen wollen, «dass einmal mehr einige Ausländer ihre Probleme in die Schweiz importieren».

Und: «Ich sage nur, was auch andere denken, aber nicht zu sagen wagen.» Gut 15 000 Walliser gaben ihm am Wahlsonntag ihre Stimme.

In Bern wolle er sich für eine bessere Stellung der Opfer im Strafrecht einsetzen, sagt Jean-Luc Addor weiter. Engagieren will er sich auch in der Raumplanung, gegen die Via Sicura und für die Souveränität des Landes.

Und natürlich gegen die «Masseneinwanderung». Die Wiedereinführung der Todesstrafe sei aktuell aber «kein Thema», so der Walliser. Es sei derzeit «nicht der Moment» für dieses Anliegen.