Im Montagsinterview mit der «Nordwestschweiz» plädiert der Chef der drittgrössten Schweizer Bank nun für eine Öffnung des Horizonts: «Ich bin gegen Denkverbote und halte überhaupt nichts davon, wenn gewisse Modelle gar nicht erst diskutiert werden.» Und: «Es ist unsinnig zu sagen: die Abgeltungssteuer – und sonst nichts.»

Damit stellt sich Vincenz gegen die offizielle Haltung der Bankiervereinigung, die jede Diskussion als «Kakofonie» abwürgt – insbesondere jene über einen automatischen Informationsaustausch, wonach sämtliche Bankdaten an die Steuerbehörden geliefert würden. Vincenz sagt dazu: «Viele malen diesbezüglich Schreckensszenarien an die Wand. Dabei wäre erst auszuhandeln, was das in der Praxis genau bedeuten würde.»

Für Vincenz sind vier Dinge entscheidend: Erstens müssten alle OECD-Länder bei diesem Datenaustausch mitmachen. Zweitens müssten damit die Probleme der Vergangenheit gelöst, das heisst, die unversteuerten Gelder aus früherer Zeit legalisiert werden. Drittens bräuchte es eine lange Übergangsfrist. Viertens müssten die Schweizer Banken freien Marktzugang in Europa erhalten.

Diese Woche wird Deutschland nochmals über das Steuerabkommen mit der Schweiz befinden – und es höchstwahrscheinlich endgültig ablehnen. Gemäss Vincenz kann das Konzept der Abgeltungssteuer aber nur dann funktionieren, wenn die grossen Nachbarländer Deutschland, Frankreich und Italien mitmachen. «Sonst ist das chancenlos», so der Chef der drittgrössten Schweizer Bank.