Ständerat

«Der politische Betrieb ist sehr viel schneller geworden»

Konrad Graber. (Bild: KEY/Peter Schneider).

Konrad Graber. (Bild: KEY/Peter Schneider).

Konrad Graber, 61 Jahre, CVP/LU. Der Betriebsökonom sass seit 2007 für den Kanton Luzern im Ständerat. Von 1997 bis 2005 war er zudem Vorstandsmitglied der CVP Schweiz.

«Ich habe meinen Rücktritt bereits vor über einem Jahr angekündigt. Seither geniesse ich eine grosse Unabhängigkeit. Niemand kann sagen, ich würde etwas nur tun, um wiedergewählt zu werden. Vermissen werde ich wohl die Möglichkeit, Einfluss nehmen zu können. Dieses Gefühl hatte ich nun während 40 Jahren. So lange war ich in verschiedenen Ämtern politisch tätig. Nicht vermissen werde ich die Situationen, in denen in einer Kommission während einer Stunde über eine Detailfrage diskutiert wird.

Der politische Betrieb ist in den zwölf Jahren, in denen ich Ständerat war, sehr viel schneller geworden. Es wird erwartet, dass man sich sofort zu einer Vorlage äussert, noch vor der Vernehmlassung. Und wer dann seine Meinung ändert, wird als Wendehals betitelt. Und nicht als jemand, der für das Landesinteresse den Kompromiss sucht.

Im Ständerat spielt die Parteipolitik zum Glück immer noch eine kleinere Rolle als im Nationalrat. Auch weil die Parteien bei uns nicht blockweise zusammensitzen und weil alle von ihrem Platz aus sprechen. Das fühlt sich an wie in einer Stube. Als der Ständeratssaal renoviert wurde und es im Provisorium vorne ein Rednerpult gab, da war die Atmosphäre plötzlich anders, konfrontativer.

Worauf ich stolz bin? Man ist geneigt, das Grosse zu sehen. Ich hatte aber auch grosse Freude an kleinen Erfolgen wie der Abschaffung der Velovignette, bei der ich beteiligt war. Ich habe 50 Prozent der Wochentage, der Abende und der Wochenenden für die Politik aufgewendet. Im Dezember besuche ich nun erst einmal einen Klassisch Langlauf-Kurs im Engadin.

Neben meiner beruflichen Tätigkeit mache ich vielleicht noch etwas im Nonprofit-Bereich und etwas im Wirtschaftsbereich. Ich will aber einen Unterschied in der Belastung feststellen. Ich habe die Sitzungsdaten der nächsten Legislatur eingetragen. So weiss ich: Die anderen sind nun in der Wintersession, während ich am Langlaufen bin.Es gibt solche, die Mühe haben, sich zu verabschieden. Die auch nach Jahren noch im Bundeshaus herumgeistern. Das wird mir, trotz etwas Wehmut, nicht passieren.»

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Autor

Dominic Wirth

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