Josef Hochstrasser
Der Pfarrer, der mit 27 die Liebe entdeckte

Sein Ruhestand ist ein Unruhestand. Josef Hochstrasser (62) ist reformierter Pfarrer und Religionslehrer aus Luzern. Er ist einer der schärfsten Kritiker der katholischen Kirche. Und er plädiert wie kein zweiter für die Aufhebung des Zölibats. Aus eigener Erfahrung: Er konvertierte der Liebe wegen zur reformierten Kirche.

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Claudia Landolt

«Die Kirche ist nicht sinnlich«: Das ist Josef Hochstrassers tiefstes Credo. Der frisch pensionierte Religionslehrer ist ein schmächtiger, drahtiger Mann. aber einer, dem man zuhören muss: Jedes Wort aus seinem Mund sitzt. Sein Körper bebt, wenn er spricht, als ob er mühsam die darin brodelnde Energie versucht unter dem Deckel zu halten. Vielleicht ist es aber auch nur die seit Wochen entbrannte Diskussion um die katholische Kirche, die in ihm einen Sturm der Entrüstung hervorruft.

Zur Person Josef Hochstrasser, Jahrgang 1947, ist in Ebikon aufgewachsen. Nach der Matur studierte er Theologie. 1971 war er Schweizergardist in Rom, 1973 wurde er zum katholischen Priester geweiht. Ein Jahr später lernte er die Katechetin Elisabeth kennen. 1985 wurde er vom Bischof mit einem Berufsverbot belegt. Er trat aus der katholischen Kirche aus und studierte in Bern evangelische Theologie. Seit 1989 ist er reformierter Pfarrer. Bis vor einem Jahr arbeitete Josef Hochstrasser als Religionslehrer an der Kantonsschule Zug und wohnt in Oberentfelden. Seine Erfahrungen mit der katholischen Kirche hat er im Buch «Der Kopfstand auf der Kirchturmspitze» (Zytglogge-Verlag) verarbeitet.

Zur Person Josef Hochstrasser, Jahrgang 1947, ist in Ebikon aufgewachsen. Nach der Matur studierte er Theologie. 1971 war er Schweizergardist in Rom, 1973 wurde er zum katholischen Priester geweiht. Ein Jahr später lernte er die Katechetin Elisabeth kennen. 1985 wurde er vom Bischof mit einem Berufsverbot belegt. Er trat aus der katholischen Kirche aus und studierte in Bern evangelische Theologie. Seit 1989 ist er reformierter Pfarrer. Bis vor einem Jahr arbeitete Josef Hochstrasser als Religionslehrer an der Kantonsschule Zug und wohnt in Oberentfelden. Seine Erfahrungen mit der katholischen Kirche hat er im Buch «Der Kopfstand auf der Kirchturmspitze» (Zytglogge-Verlag) verarbeitet.

Keystone

Fussballfan, Priester, Provokateur

Denn Hochstrasser hat einen bewegten Lebenslauf. Aufgewachsen im luzernischen Ebikon, besuchte der Pfarrer und leidenschaftlicher YB-Fan das Priesterseminar und absolvierte eine theologische Ausbildung. In Bümpliz BE wurde er katholischer Priester und Vikar. Dort lernte er seine spätere Frau kennen. Sich von ihr zu trennen, kam Hochstrasser aber nicht in den Sinn. Er wurde beim Bischof vorstellig, und wollte heiraten. bevor er in Steinhausen ZG schliesslich reformierter Pfarrer wurde. Heute bezeichnet er sich als Agnostiker. Denn an der Kirche besonders anstössig findet er das Zölibat. Er sagt. «Das Pflichtzölibat ist unmenschlich.»

Er selbst gibt freimütig zu: «Ich hatte erst Sex, als ich 27 wurde. Kompensiert habe ich meine Triebe mit Arbeit. Ich war ein Workaholic. Meine spätere Frau hat mich erlöst.» Hochstrasser sagt: «Seit 1139 gibt es das Zölibat-Gesetz, und seit über 800 Jahren werden Priester, die heiraten wollen, vertröstet. Der Bischof hat auch mir gesagt, doch noch ein bisschen zu warten. Ich habe ihm geantwortet, dass ich jetzt heiraten wolle. Wenn es in 50 oder 100 Jahren erlaubt sei, hätte ich nichts mehr davon.»

Angezeigt von einem Spitzel

Hochstrasser hat sich durchgesetzt und geheiratet. In Entfelden war er ein sogenannt laisierter Pfarrer, ein Hilfspfarrer, hat auch gepredigt, war beliebt und akzpetiert. «Dann kam ein Spitzel in den Gottesdienst, der alles nach Solothurn gemeldet hat. Das ging zu wie im Mittelalter zur Inquisitionszeit. Der Bischof musste reagieren, wobei ich ihm zugute halte, dass er mich relativ lange in der Grauzone arbeiten liess. Man muss sich vorstellen: Das Zölibat war aufgehoben, ich habe die Messe gelesen. Aber schliesslich, 1985, wurde ich des Amtes enthoben.»

Hochstrasser hat dies nicht mürbe gemacht, im Gegenteil. Er sagt. «Ich habe damals in Bümpliz viele Briefe bekommen, von Frauen, die erzählen, dass sie nicht die Kraft haben, ihre Liebe öffentlich zu machen. Da hat mich schockiert. Die Kirche verliert so so viele gute Männer, macht sie schuldig und provoziert so viele traurige Schicksale.»

Fussball, die zweite Liebe

Hochstrasser wechselte schliesslich die Konfession, und studierte reformierte Theologie. Fussballbegeistert blieb er. So schrieb er die Biografie seines Freundes Ottmar Hitzfeld. Und unzählige Male reiste er nach Dortmund, um dort die Matches zu sehen; er war ein treuer Fan, so dass im Ruhrpott bald die Devise galt: «Der Pfarrer ist da, also gewinnen wir.» Auch reiste er einmal persönlich nach München, wo er den damaligen Bayern-Mittelfeldspieler Zé Ronaldo treffen wollte. Nicht, weil er wissen wollte, wie sich der Brasilianer auf das Pokalspiel in Stuttgart vorbereitet hat, sondern um mit ihm über die Zukunft zu diskutieren. Denn Zé Roberto will nach seiner Karriere als Fussballer in seine Heimat zurückkehren und Pfarrer werden.

In der Sendung «Duell aktuell» debattiert er mit Pfarrer Sylwester Kwiatkowski über das Zölibat. Kwiatkowski ist Pfarrer in Bremgarten, der überraschend seinen Rücktritt angekündigt hat und ein spirituelles Sabbatical plant.

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