«Es herrscht allgemein ein Personalmangel», schreibt Grossrätin Irène Marti (SP/Bern) in einer Motion zur Pflegequalität im Kanton Bern. Es gebe nur wenige diplomierte Pflegende. Im Langzeitbereich sei der Personalmangel sehr akut, so Marti. «Die Qualität der Pflegeleistungen ist deshalb bedroht.» In Pflegeheimen und Spitälern, in der Spitex und der Psychiatrie müsse aber weiterhin gute Qualität geboten werden können. Unter anderem verlangt sie, dass die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Eine gute Ausbildung genüge nicht. «Für die Pflegenden muss ein breites, attraktives Angebot an Weiterbildungen zur Verfügung stehen.» Sie schlägt beispielsweise ein neues Lohnsystem, bessere Weiterbildungsmöglichkeiten und den unkomplizierten nachträglichen Titelerwerb für diplomierte Pflegefachleute vor.

Für den Regierungsrat sind die Löhne in der Pflege jedoch konkurrenzfähig. Im Rahmen seiner Möglichkeiten, schreibt der Regierungsrat in der Antwort, sei er jedoch bereit, Einfluss auf die Arbeitsbedingungen zu nehmen. Die Massnahmen lägen aber nicht in seiner Kompetenz.

Marti, selbst Pflegefachfrau und Lehrerin für Krankenpflege, möchte zudem, dass an Berufseinsteiger mehr Förderbeiträge ausgerichtet werden. Statt 20 sollen es neu mindestens 60 sein, wobei Arbeitslose und Kurzarbeitende zu bevorzugen seien.

An jährlich 20 Erwachsene richtet die Gesundheits- und Fürsorgedirektion für die Jahre 2008 bis 2011 eine Entschädigung von insgesamt 5,4 Millionen Franken aus. Die Regierung hat eine Aufstockung um 40 Plätze geprüft. Sie würde 10,8 Millionen Franken kosten, und dafür hat die Regierung «aufgrund der Wirschaftskrise» und der Notwendigkeit, die Ausgaben zu senken, kein Geld. Sie sei aber bereit zu prüfen, ob «künftige Spielräume im Budget» für die Nachwuchssicherung genutzt werden könnten. Sie empfiehlt dem Grossen Rat, diesen Punkt wie auch jenen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen als Postulat anzunehmen.

Institutionen sollen entscheiden

Hingegen lehnt es die Regierung ab, die Stellenberechnung in den einzelnen Institutionen zu überprüfen und das diplomierte Pflegepersonal im Langzeitbereich sofort aufzustocken. Es sei bereits heute schwierig, diplomiertes Personal zu finden. Längerfristig soll die Ausbildung zu Fachangestellten Gesundheit dazu beitragen, die Personalprobleme zu lösen. Nicht dreinreden möchte die Regierung dagegen den Institutionen bei der Dotierung und Zusammenstellung der Pflegeteams. (joh)