Was halten Sie von der Wahl Ruedi Matters zum neuen Radio- und Fernsehdirektor?

Kurt W. Zimmermann: Das war zu erwarten. Bei der SRG entscheiden nicht professionelle, sondern politische Kriterien. Nachdem nun mit Roger de Weck ein eher links Positionierter neuer SRG-Generaldirektor wurde, war klar, dass nun ein Bürgerlicher wie Ruedi Matter Superdirektor wird. Hier wird nach vermuteter Parteizugehörigkeit entschieden.

Sie würden also Herrn Matter die Qualifikation für den Job absprechen.

Zimmermann: Nein. Er ist sicher eine gute Wahl. Matter hat Fernseh- und Radioerfahrung. FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger wäre auch ein valabler Kandidat gewesen. Aber als Parteipolitiker hat man in einem politischen Gremium wie der SRG wenig Chancen.

Welche Baustellen warten auf den neuen Direktor?

Zimmermann: Die SRG ist in einem sehr schlechten finanziellen Zustand. Grund dafür ist der viel zu hohe Personalbestand. Hier muss der neue Direktor ansetzen: Er sollte 10 bis 15 Prozent der Stellen abbauen. Das ist seine Hauptaufgabe, die er allerdings nur zusammen mit Roger de Weck bewerkstelligen kann.

Wie soll er das machen: Einzelne Sender schliessen oder linear sparen?

Zimmermann: Ich würde beim bürokratischen Apparat ansetzen, der 280 Millionen Franken verschlingt. Das ist völlig absurd. Beim Programm ist auch noch Luft drin. Dort liessen sich 50 bis 100 Millionen Franken sparen.

Hier setzt das Konvergenz-Projekt der SRG an: Radio und Fernsehen werden fusioniert.

Zimmermann: Das ist sehr positiv. SRG-Generadirektor Armin Walpen hat am Schluss seiner Amtszeit noch etwas Gutes gemacht. Es gibt keinen Grund, zwei parallele Organisationen beim Personal, bei der Informatik und im Backoffice zu führen.

Der neue Direktor ist nicht nur für Finanzen, sondern auch für Programminhalte zuständig. Wo sollte er etwas ändern?

Zimmermann: Er sollte zuerst versuchen, die SRG zu sanieren. Losgelöst von seiner Person: Das Problem liegt nicht beim Radio, sondern beim Fernsehen. Das Schweizer Fernsehen hat keine populären Formate mehr. Was vor zehn Jahren beliebt war, etwa «Benissimo» oder «Music Star», verliert stark an Einschaltquoten. Es braucht jemand, der wieder Massenkultur auf den Sender bringt. Fernsehen ist ein Massenmedium.

Hat das Schweizer Fernsehen genügend Mittel, um solche grossen Kisten zu produzieren?

Zimmermann: Die SRG ist im europäischen Vergleich ein grosser Sender. Sie hat beispielsweise dreimal so viel Geld wie das ZDF, relativ zum Publikum gesehen. Aus dieser Position der Stärke könnte die SRG ziemlich Gas geben.

Sind Sendungen für die grosse Masse überhaupt noch gefragt heute?

Zimmermann: Ja, natürlich. Das Fernsehen ist das Boulevard-Medium par excellence. Ziel muss es sein, Sendungen für möglichst viele Leute zu machen. Fernsehen muss nicht differenziert sein. (for)