Basel

Der Morgestraich – Eine dunkle Stunde voller Licht

ie erste Stunde blieb es am Morgestraich trocken. Und jene, die den Weg in die Stadt gefunden hatten, erlebten magische Momente. Ob unter der Larve oder ganz zivil.

Irgend jemand hatte die Uhr nicht im Griff am oberen Spalenberg. Die «Psschschscht»-Zischer waren bereits gute 90 Sekunden vor dem grossen Moment so aktiv, dass sich die Fasnächtler kaum mehr getrauten, sich beim Vordermann die übliche Rückversicherung einzuholen: «Marco, brennt mi Kopfladäärnli?».

Mit dem Morgenstreich taucht Basel in die Fasnacht 2017

Sofort war es wieder da, das vielstimmige «Pschschscht». Totenstille. Warten. Ein schüchternes Husten. «Pschschscht». Am Morgestraich wird auch nicht gehustet. Diese stillen Sekunden vor der 72-stündigen Glückseligkeit, sie dürfen nicht gestört werden, bloss weil jemand ein wenig Schleim auf der Glottis hat. Oder von vorfasnächtlicher Rührung übermannt wird. Die soll sich in lautlosen Tränlein äussern.

Der Ruf in der Stille

Dann schallt das lange geübte: «Morgestraich, Vorwärts, Marsch!» durch die Gassen. Mehr oder weniger zeitgleich mit dem IWB-gewollten Einbruch der totalen Dunkelheit erklingt es, das hohe D, mit dem der «Morgestraich» anfängt. Für die Erststimmenpfeifer zumindest. Und auch für sie nicht wirklich, denn der lange Marsch aus dem warmen Bett in die kalte Stadt, er hatte schon lange zuvor begonnen.

So begannen «Die drey scheenschte Dääg» in Basel

  

Einmal mehr war es eine müd-fröhliche Völkerwanderung auf allen Einfallstrassen. Kostümierte und in Winterjacken Gepackte gähnten sich gemeinsam in Richtung Innerstadt. Um gemeinsam dieses «Pschschscht» zu zischen und zusammen diesen Moment zu erleben, der des wahren Baslers liebster ist.

Um sich gemeinsam darüber zu ärgern, dass irgendwo eben doch wieder ein Lichtlein brannte, dass es zu Viele gibt, die immer noch nicht wissen, wo man am Handy den Blitz deaktiviert.
Und um die alljährlichen Diskussionen darüber zu führen, ob es nun ein halbes Grad wämer sei als im letzten Jahr, welches denn der kälteste aller Morgenstraiche gewesen sei, und darüber, ob es mehr oder weniger Leute in der Stadt habe.

Obwohl, diese Diskussion war heuer eine kurze. Offensichtich hatten sich einige davon abschrecken lassen, dass es am Sonntagabend noch mal so richtig schüttete und stürmte. Da blieb wohl der eine oder andere lieber im warmen Bettli in der Agglo, anstatt in die Innerstadt zu reisen.

So verpassten sie das vielstimmige Anrufen der fasnächtlichen Götter. Verschliefen die Kääswaje danach. Und den Regenguss, der nach gut einer Stunde die ersten Fasnachtshungrigen wieder zurück zu ihren Kissen und Duvets trieb.

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