Samuel Misteli

«Die Gemeindevertreter empfinden die Migros als eine nicht verlässliche Partnerin», heisst es im Beschwerdeschreiben, mit dem sich der Gemeinderat gegen den Abbruch des Migros-Hochhauses wehrt. Der Gemeinderat hiess das Schreiben in seiner Sitzung vom Montagabend gut, es geht nun an das Bau- und Justizdepartement des Kantons, das über die Beschwerde befindet.

Als die Migros Ende Mai überraschend bekanntgab, dass sie das 1955 erbaute Hochhaus abreissen lassen will, weil eine Sanierung zu teuer wäre, zog sie endgültig den Unmut des Langendörfer Gemeinderates auf sich. Bereits zuvor hatte sich die Grossverteiler Sympathien verscherzt, weil sie im Verlauf des Ladendorf-Umbaus wiederholt Änderungen des Gestaltungsplans durchsetzte.

«An der Grenze des Zumutbaren»

Die gemäss den Sonderbauvorschriften erlaubten (und von der Baukommission genehmigten) «geringfügigen Planänderungen» bewegten sich nach Ansicht des Gemeinderates an der Grenze des Zumutbaren. Für den Rat am stossendsten: Während ursprünglich von einer teilweisen Überdeckung des Kundenparkplatzes zwecks Witterungsschutz die Rede war, steht nun ein Doppelparkdeck zur Diskussion.

Zudem wird die Migrol-Tankstelle vorläufig weiterbetrieben, obwohl in den Sonderbauvorschriften mit der Umorganisation der Erschliessung ihre Aufhebung vorgesehen ist. Dem Rat geht es bei seiner Beschwerde gegen den Abbruch in erster Linie um die Planungsbeständigkeit: Wieso, so die Frage, wird ein Gestaltungsplan für rund 100 000 Franken aufgesetzt, wenn die Bauherrin diesen dann weitgehend nach Belieben verändern kann? «Die Summe der geringfügigen Änderungen ist ausgereizt», sagt Gemeindepräsident Hans-Peter Berger.

Etwas weniger diplomatisch formuliert findet sich die Kritik des Gemeinderates in der Beschwerdeschrift: «Der Gemeinderat ist es aufgrund der bereits massiven Abänderungen des Gestaltungsplans leid, nacheilend reagieren zu müssen.» Er fordert deshalb, dass das Verfahren zur Änderung des Gestaltungsplans vor dem Hochhaus-Abbruch durchgeführt wird. So will der Rat verhindern, dass er nach dem Rückbau mit vollendeten Tatsachen konfrontiert wird und die Folgenutzung nurmehr abnicken kann.

Baukommission: Abbruch erlaubt

Die Beschwerde des Gemeinderates richtet sich gegen den Entscheid der Baukommission, welche die ursprüngliche Einsprache des Rates vor drei Wochen abgewiesen hatte. Weder aus dem Gestaltungsplan noch aus den Sonderbauvorschriften, so die Kommission, würde sich ein Verbot des Abbruchs ergeben. Zudem sei die Autorität des Gemeinderates als Planungsbehörde für die Folgenutzung durch den Abbruch nicht in Frage gestellt.

Der Rat argumentiert dagegen, dass gemäss den Sonderbauvorschriften Umbauten nur innerhalb des bestehenden Gebäudevolumens zulässig seien - wodurch ein Rückbau ausgeschlossen sei. Zudem sei bereits ein Brachliegen der im Gestaltungsplan als «Baubereich Hochhaus» deklarierten Fläche eine andere als die vorgesehene Nutzung.

Ball liegt beim Kanton

Es ist nun am Kanton, die Sonderbauvorschriften zu interpretieren und zu prüfen, ob der bestehende Gestaltungsplan den Abriss des Hochhauses zulässt. So wie sich die Stimmungslage im Gemeinderat präsentiert, dürfte die Migros bei der anstehenden Änderung des Plans, ob sie nun vor oder nach dem Abbruch des Hochhauses stattfindet, für ihre Anliegen nicht mehr mit allzu viel Goodwill rechnen.