Tiere

Der Mensch zerstört die kulturelle Vielfalt der Schimpansen

Das Verhaltensrepertoire der Schimpansen schrumpft durch den Einfluss des Menschen. Nicht nur ihr Lebensraum, sondern auch ihre Kultur sind in Gefahr, warnen Forschende.

Das Verhaltensrepertoire der Schimpansen schrumpft durch den Einfluss des Menschen. Nicht nur ihr Lebensraum, sondern auch ihre Kultur sind in Gefahr, warnen Forschende.

Schimpansen haben sehr vielfältige und komplexe Verhaltensweisen, die sich von Gruppe zu Gruppe unterscheiden können. Diese kulturellen Eigenheiten schwinden jedoch aufgrund menschlicher Aktivitäten, wie eine Studie mit Neuenburger Beteiligung zeigt.

Menschliche Aktivitäten zerstören nicht nur ihren Lebensraum, sie schaden unseren nächsten Verwandten, den Schimpansen, auch auf subtilere Weise. Einer neuen Studie zufolge geht nicht nur ihr Bestand zurück, sondern auch ihre kulturelle Vielfalt. Das berichtet ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Universität Neuenburg im Fachblatt "Science".

Kulturelle Verhaltensweisen, wie beispielsweise der Gebrauch von Werkzeugen, um an schwer erreichbares Futter zu kommen, werden bei Schimpansen innerhalb der sozialen Gruppen weitergegeben und erlernt. Wie Traditionen können sie sich von Gemeinschaft zu Gemeinschaft unterscheiden.

Das internationale Forschungsteam sammelte neun Jahre lang Daten über 144 Schimpansen-Gemeinschaften quer durch Afrika. Dieser einzigartige Datensatz umfasst Beobachtungen zu den Lebensraumbedingungen - insbesondere menschlichen Einflüssen-, sowie zu 31 Verhaltensweisen der Affengruppen. Dazu zählten beispielsweise Techniken, um an Termiten, Ameisen, Algen, Nüsse oder Honig zu kommen, wie die Uni Neuenburg mitteilte.

Verlust an Vielfalt

Wie die Analyse dieses Datensatzes zeigte, hinterliess menschlicher Einfluss auf den Lebensraum auch deutliche Spuren in der Kultur der Tiere: Alle in die Untersuchung eingeschlossenen Verhaltensweisen tauchten bei Gruppen in vom Mensch geprägten Regionen sehr viel seltener auf als in unberührten Gegenden. Kulturelle Verhaltensweisen waren demnach durch menschliche Einflüsse um bis zu 88 Prozent reduziert.

Dies bestätigt eine in Fachkreisen diskutierte Hypothese, dass nicht nur der blosse Bestand der Schimpansen verletzlich ist durch menschliche Einflüsse, sondern auch ihre Kultur. Indem der Mensch den Tieren direkt oder indirekt Ressourcen und Gelegenheiten nimmt, einzigartige Verhaltensweisen innerhalb der Gruppe weiterzugeben, gehen kulturelle Traditionen der Schimpansen verloren.

Das internationale Forschungsteam und Leitung des Max Planck Instituts für Evolutionäre Anthropologie und des Deutschen Zentrums für Integrative Biodiversitätsforschung ruft daher zu grösseren Anstrengungen bei Schutzprogrammen auf. Es gelte, nicht nur den Bestand der Tiere zu schützen, sondern auch ihre kulturellen Einzigartigkeiten.

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