Hans Rudolf Gysin
«Der Mensch Steinbrück ist ganz anders»

Der Baselbieter FDP-Nationalrat Hans-Rudolf Gysin beurteilt seinen Besuch bei Peer Steinbrück mit einer Schweizer Delegation in Berlin als sehr wertvoll und hat auch ein neues Bild des deutschen Finanzministers gewonnen.

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Hans Rudolf Gysin

Hans Rudolf Gysin

bz Basellandschaftliche Zeitung

Jürg Gohl

Der Baselbieter FDP-Nationalrat Hans Rudolf Gysin hat gemeinsam mit dem Aargauer SVP-Ständerat Maximilian Reimann und der Basler SP-Ständerätin Anita Fetz in Berlin beim heftig kritisierten deutschen Finanzminister Peer Steinbrück versucht, die Schweizer Positionen darzulegen.

Herr Gysin, ist es Zufall, dass ausgerechnet drei Nordwestschweizer die Steinbrück-Mission unternahmen?
Hans Rudolf Gysin: Diese Zusammensetzung ist eher zufällig. Doch es ist unbestreitbar, dass die Grenzkantone Baselland, Basel-Stadt und Aargau noch stärker an einer funktionierenden Zusammenarbeit mit den Deutschen interessiert sind. Ich habe mich in Berlin auch mit dem FDP-Bundestags-Abgeordneten Hartfrid Wolff unterhalten. Dabei stellten wir fest, dass wir innerhalb von 500 Metern Luftlinie aufgewachsen sind.

Wie erlebten Sie die Person Steinbrück? Sein Name ist hier fast ein Schimpfwort.
Gysin: Ich erlebte ihn ganz anders, als ich das aufgrund des Bildes von ihm, das ich ja vor allem aus den Medien gewonnen habe, erwartet hätte. Ich lernte ihn als knallhart agierenden Politiker kennen, aber er ist ein Bundesminister, der zuhören kann und sich bemüht, klare, keine ausweichenden Antworten zu geben. In der Sache, über die wir stritten, bestehen weiterhin harte Differenzen, aber der Mensch Steinbrück ist ganz anders, als ich ihn bisher geschildert erhalten habe. Er stellt sich dem verbalen Streit. Ich fragte ihn, ob er der Meinung sei, dass jeder Bürger seine Bankkonti gegenüber dem Staat offenlegen müsse. Er signalisierte darauf, dass dies nicht seine Auffassung sei.

Wie verlief eigentlich Ihr Zusammenspiel mit Anita Fetz? Sie vertreten beim Bankgeheimnis ungleiche Meinungen.
Gysin: Da wir eine Palamentarier-Delegation waren, spielten Parteifarben keine grosse Rolle, auch wenn Anita Fetz mit ihrer Meinung nicht zurückhielt. Sie unterstützte die Hauptbotschaft, dass wir uns nicht mehr alles bieten lassen wollen. Sie hat aber als Genossin dem Genossen Steinbrück sehr klar gesagt, dass sie seine verbalen Attacken auch nicht goutiere.