Aktuell fahren noch 49 Schiffe unter Schweizer Flagge auf den Weltmeeren (Containerschiffe, Mehrzweckfrachter, Tankschiffe). Das sagt der Präsident der Sektion Aargau des Schweizer Seemanns-Clubs, Arno Pellanda.

Mit dieser Zahl bleibt die Schweiz jene Binnennation mit der grössten Hochseeflotte. Weltweit leisten sich nur noch eine Handvoll Binnenländer solche Flotten, unter ihnen die Mongolei und Kasachstan. Rund 120 seefahrende Nationen werden gezählt. Die Schiffe unter Schweizer Flagge sind registriert im Seeschifffahrtsamt Basel, weil da auch deren «Heimathafen» liegt. Der Schiffs-TÜV, die Kontrolle ihrer Verkehrssicherheit, wird freilich in Hamburg durchgeführt.

Angefangen hat es im Zweiten Weltkrieg, aus Sorge über die Versorgung. Am 19. April 1941 wurde die «Calanda» als erstes Schiff unter Schweizer Flagge gebracht. Die Deutschen blockierten den Rhein; der Bundesrat suchte nach Alternativen. Jene sechs Reedereien, welche die Flotte heute zu kommerziellem Zweck betreiben, müssen Bundesbern versichern, im «Ernstfall» ausschliesslich wieder Fracht für die Schweiz zu transportieren.

Die Reedereien profitieren von Bundeskrediten. Nach Angaben des «Tages-Anzeigers» hat der Bundesrat das Wirtschaftsdepartement beauftragt, bis Ende 2016 eine Auslegeordnung zu erarbeiten. Zur Debatte steht die Frage: Braucht es eigentlich noch immer eine Flotte von rund 50 Schiffen?

Um Ausgleich der Löhne bemüht

Anders als bei den Schiffen ist die Zahl der Matrosen mit Schweizer Pass erheblich geschrumpft. Fachleute reden von lediglich noch einem halben Dutzend Schweizern auf See. 1967, als sich der Bund noch um Ausgleich der unterschiedlichen Löhne auf dem Land und auf See bemühte und sich an den Ausgleichskosten beteiligte, waren es noch über sechshundert gewesen, darunter zwölf Kapitäne.

In einem alten «Migros-Magazin» entdeckten wir eine kleine Annonce, worin ein gewisser José Luis Schaefli gesucht wurde. Genau den Mann hätten wir auch gern gefunden. Umso mehr, als es ein zweites Lebenszeichen von ihm gab: In einem Vereinsblatt hiess es, in Bezug auf die Bündner Gemeinde Jenaz: «Wir lernten einen Gewährsmann kennen, der beredte Auskunft gab über jenen Frachter, der den Gemeindenamen Jenaz trägt: ‹Maersk Jenaz›. Von Auckland herkommend, schipperte der Frachter im September 2014 nach Balboa am Panama-Kanal und Ecuador, südlich an den Galapagos vorbei. Mit 1089 Containern, 21 Mann an Bord, zwei Kadetten und dem Kapitän José Luis Schaefli, geboren 1960, Schweizer, wohnhaft in Argentinien.»

Da freilich suchten wir ihn vergebens, via Internet natürlich. Den angeblich letzten noch aktiven Schweizer Kapitän. Sie genossen einen guten Ruf: «Talent, solide Ausbildung, harte Arbeit». Es gab Offiziere, die vierzig Jahre lang für die Schweizer Marine tätig waren. Und selbstredend unzählige Geschichten – man muss wirklich nicht ewig die ollen Robinson- und Piraten-Schinken der Angelsachsen lesen.

Ihr Schicksal war die «Eiger»

Man kann sich zum Beispiel an die Geschichte der Schweizer Reeder halten (siehe Hinweis links) und faszinierende Kapitel darin aufschlagen. Dinge, die man mit Schweizer Handel und Wandel nicht per se in Zusammenhang bringen würde – Stoff für einen Seegarn-Spinner wie Alex Capus.

Oder das wunderliche Schicksal der «Eiger», ein Frachtdampfer ...

Er lief 1928 in England von Stapel, wurde nach Griechenland geliefert und segelte fortan als «Hadiotis» auf dem Meer. Bis er nach einem Sturm im portugiesischen Hafen Leixoes strandete, überdies gerammt vom brasilianischen Dampfer «Cuyaba». Danach wurde er zum Totalverlust erklärt.

Und was machten hier die Schweizer? Sie kauften 1941 das Wrack und richteten es innerhalb dreier Monate seetüchtig wieder her. Erst 1963 wurde das Schiff in Osaka verschrottet. Globalisierung avant la lettre, maritim.