Sabine Kuster

Schon bevor das Ladenschlussgesetz abgeschafft wurde, war es im Aargau möglich, einen Laden bis 21 Uhr offen zu halten - allerdings nur mit Bewilligung. In den vier Jahren ohne das Gesetz hat sich auf den ersten Blick nicht viel verändert: Die meisten Filialen von Coop, Migros, Denner, Manor oder Volg im Kanton schliessen ihre Türen auch heute noch spätestens um 19 Uhr. Die Aargauer sind keine Mitternachts-Shopper geworden.

Die Detailhändler strecken sich nach dem Bedürfnis ihrer Kunden - freiwillig bezahlen sie den Personalaufwand, den die längeren Öffnungszeiten mit sich bringen, nicht. «Niemand kann es sich leisten, aus purer Freude zu öffnen», sagt der Sprecher der Migros Aare, Thomas Bornhauser. «Nicht die Migros bestimmt die Ladenöffnungszeiten, sondern die Kundschaft.»

Volg ist Pionier in Sachen Öffnungszeit

Ein Blick auf die Öffnungszeiten im Aargau zeigt: Kleinere Lebensmittelgeschäfte mit weniger Personal können sich das eher leisten. Ein Pionier ist die Volg-Filiale in Seon der Landi Unteres Seetal: Seit 1999 ist der Laden wochentags bis 21 Uhr und auch am Sonntag geöffnet. Die Folge waren sonntags lange Schlangen vor der Kasse und Gedränge auf dem Parkplatz. Doch die Anwohner waren längst nicht so begeistert wie die Kunden; es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit wegen Lärmbelästigung, den das Bundesgericht schliesslich im Februar 2007 zugunsten des Landi-Shops entschied.

«Für uns waren die langen Öffnungszeiten eine Chance», sagt Edi Schmid, seit 33 Jahren Geschäftsführer der Landi Unteres Seetal. Fünf der sechs Filialen haben heute wochentags bis 21 Uhr geöffnet. Auch auffallend viele andere Volg-Läden wie Beinwil, Schinznach oder Wohlen haben täglich immerhin bis 20 Uhr offen - an guter Lage versteht sich, wo die Läden meist vom Durchgangsverkehr profitieren und die Kundschaft nicht nur aus dem Ort selbst kommt.

Das Geschäft am Abend wird härter

Inzwischen ist der Konkurrenzkampf härter geworden - vor allem wegen der Tankstellenshops. Sie haben das Bedürfnis der Kunden, auch nach 19 Uhr noch einkaufen zu können, zuerst für sich entdeckt. Elsi Rupp, Filialleiterin des Volgs Seon stellt fest: «Das Geschäft stagniert.»

Um nicht allzu viele Kunden zu verlieren, gibt es bei Coop und Migros nach und nach mehr Filialen im Kanton, die täglich wenigstens bis 20 Uhr geöffnet haben. Eine davon ist der neu eröffnete Coop in Lenzburg. Doch besonders zu Beginn der Woche hat die Filiale die gewünschte Anzahl Kunden noch nicht erreicht. «Die Leute müssen sich zuerst umgewöhnen», sagt Geschäftsführerin Denise Christen. Zudem wäre es besser, wenn auch die Migros bis 20 Uhr offen hätte: «Wenn der Kunde unsicher ist, welcher Laden noch offen ist, dann geht er gar nicht erst», sagt Christen.

Länger offen zu halten scheint ein zweischneidiges Schwert zu sein: Für die Detailhändler verteilt sich am Schluss lediglich der Arbeitsaufwand. Denn der Umsatz wird nicht wesentlich gesteigert, wenn die umliegenden Läden ebenfalls länger offen sind.

Edi Schmid, Geschäftsleiter Landi Unteres Seetal, kann sich auch eine Rückkehr zu kürzeren Öffnungszeiten der Detailhändler vorstellen, wenn fast alle länger offen hätten und es deswegen nicht mehr rentieren würde. Er glaubt ausserdem nicht, dass die Kunden in Zukunft noch später einkaufen wollen. «Schon ab 20 Uhr geht die Kundenfrequenz zurück. Nach 21 Uhr offen zu haben, wäre für uns nichts», sagt Schmid. Gjon Kapsolli, Leiter des Migros-Metroshop in Baden sagt: «Baden ist nicht Bern oder Zürich. Für noch längere Öffnungszeiten gibt es kein Bedürfnis.»

Abendarbeit ist nicht beliebt

Trotzdem: Die Verkäuferinnen müssen länger arbeiten. Sonntagsarbeit ist zwar nicht zuletzt wegen dem 50 Prozent-Zuschlag beliebt, speziell bei Müttern, wenn sonntags der Vater auf die Kinder aufpassen kann. Abendarbeit ist weniger attraktiv. Nesrin Kaplan, Verkäuferin im Migros-Metroshop in Baden, arbeitet lieber Frühschicht und Kapsolli sagt: «Eine ganze Woche Spätschicht ist nicht beliebt - Abwechslung hingegen schon.»

Lange Arbeitstage bei Coop Lenzburg

Im Migros-Metroshop in Baden wie auch in den Volg-Filialen der Landi Unteres Seetal wird in zwei Schichten gearbeitet. Im Coop in Lenzburg hat das Personal stattdessen drei oder vier Stunden Mittagspause. «Viele sind froh darum und gehen heim», sagt Geschäftsführerin Christen, den anderen versucht sie, nur eine Stunde Mittag und früher Feierabend zu geben. Widerstand habe es beim Personal vor der Umstellung keine gegeben, aber sie weiss: «Niemand reisst sich darum. Jeder hätte gern um 17 Uhr Feierabend wie die Banker.» Es sei halt wie an Weihnachten: «Wir haben offen, wenn es die Kunden wollen.»