Bezirksgericht Zürich

Der Knie-Clown und die 14-Jährige: Worum es bei der Anklage geht

Fertig lustig: Artist David Larible.HO

Fertig lustig: Artist David Larible.HO

Die Geschichte des Zirkus-Stars und des Zirkus-Fans kommt vor Gericht. Die junge Frau erzählt die Fortsetzung auf Instagram.

Die Instagram-Bilder waren von Anfang an ein Teil ihrer Beziehung. Eine 14-Jährige postete auf der Online-Plattform ein Bild von sich und ihrem Idol, dem Knie-Clown David Larible (60). Danach entwickelte sich ein Chat zwischen dem Fan und dem Star, und sie vereinbarten im Oktober 2016 ein Treffen an einem Montagnachmittag am Zürcher Hauptbahnhof. Von dort gingen sie ins Hotel Central Plaza, wo der Clown logierte. Sie sprachen über die Liebe, und es kam zu einem Kuss.

Umstritten ist, um was für einen Kuss es sich gehandelt hat. Larible kann sich nur an «einen Abschiedskuss auf die Stirn oder die Wange» erinnern, wie er in einem «Blick»-Interview beteuerte. Die Jugendliche hingegen berichtete ihrer Mutter von Zungenküssen. Die beiden reichten Anzeige ein. Die Staatsanwältin Françoise Stadelmann erhob darauf Anklage wegen sexueller Handlungen mit Kindern.

Laribles Tat beschreibt sie in der Anklageschrift wie folgt: «Er steckte unmittelbar hintereinander zwei Mal seine Zunge in den Mund der Privatklägerin, küsste sie auf diese Weise und knabberte mit seinen Zähnen an der Lippe des Mädchens. Schliesslich kam es bei der Verabschiedung zu einem weiteren Zungenkuss.» Am 15. August wird der Fall nun vor dem Zürcher Bezirksgericht verhandelt.

Das Leben als Zirkus-Show

Auf Instagram ist die Jugendliche nach dem Vorfall aktiv geblieben, wie Recherchen zeigen. Ihre Bilder erzählen die Geschichte einer jungen Frau, die ohne Vater aufgewachsen ist, auf der Suche nach Liebe und Anerkennung. Auf einem Selfie im Bikini bezeichnet sie sich als «Tussi».

Zu einem Bild von sich im Handstand mit lackierten Finger- und Zehennägeln postet sie ein Zitat der Modedesignerin Coco Chanel: «Every day is a fashion show and the world is the runway.» Jeder Tag sei eine Modeschau, und die Welt sei der Laufsteg. Die 14-Jährige hat schon eine Ahnung, wie man sich darauf bewegt. Es gelingt ihr weiterhin, in die Nähe von Promis zu kommen. Der Online-Welt teilt sie dies durch ein Instagram-Bild mit Fernsehmoderator Röbi Koller mit.

Auch der Circus Knie verliert für sie seine Anziehungskraft trotz des mutmasslichen Clown-Übergriffs nicht. Sie veröffentlicht ein Foto des Circus-Knie-Zelts und schreibt dazu auf Englisch: «Das Leben ist ein Ticket zur grössten Show der Welt.» Die Grenzen verschwimmen: Was ist Show, was ist echt?

Vor Gericht wird die Jugendliche von Anwalt Sven Gretler vertreten. Auf Anfrage äussert er sich erstmals und sagt, man dürfe nicht zu viel in die Instagram-Posts interpretieren: «Sie ist immer noch ein Fan des Circus Knie. Das Bild lässt keinerlei Rückschlüsse auf ihre Verarbeitung zu. Sie wurde ja nicht im Zirkuszelt missbraucht, sondern im Hotelzimmer.» Er beschreibt ihren Zustand: «Sie ist bis heute sehr belastet durch die Vorfälle. Die Zungenküsse erlebte sie als Missbrauch ihres Vertrauens.» Er wird vor Gericht wohl auch Entschädigung und Genugtuung fordern.

Der Zirkus der Juristen

Die Anwälte der beiden Parteien haben ebenfalls ein ambivalentes Verhältnis zueinander. Bis vor drei Jahren arbeitete Gretler in der Kanzlei von Valentin Landmann, der den Clown verteidigt. Politisch unterscheiden sie sich: Landmann steht rechts, Gretler links. Dass sie nun gegeneinander arbeiten, sehen die beiden nicht als Problem. Die Juristenwelt ist schliesslich ein kleiner Zirkus.

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