«Der Kies ist unsere Existenzgrundlage»

Weil die Abbaureserven bald ausgeschöpft sind, will die Fischer Kies und Beton AG, Staffelbach, ein neues Kiesvorkommen erschliessen. Das Bewilligungsverfahren ist angelaufen. Der Weg ist steinig.

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Kies

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Aargauer Zeitung

Toni Widmer

1962 hat Felix Fischer in Staffelbach mit dem Abbau von Kies begonnen. Am 1. Januar 2006 hat sein Sohn Beat die Firma übernommen, per 1. Januar 2008 wurde sie als Fischer Kies und Beton AG als Aktiengesellschaft eingetragen. Das Unternehmen ist in den Bereichen Kies, Beton, Aushub und Transporte tätig, beliefert unter anderem Belagswerke mit Split, Betonwerke mit Rohstoffen und beschäftigt heute 30 Angestellte.

Um diese Arbeitsplätze längerfristig zu sichern, sollen neue Abbaugebiete erschlossen werden. «Wenn uns das nicht gelingt, müssen wir entweder den Rohstoff für die Kies- und Betonproduktion von auswärts beschaffen und zuführen oder unser Werk in Staffelbach schliessen. Eine andere Alternative sehe ich nicht», umschreibt Beat Fischer die Ausgangslage.

Im Richtplan festgesetzt

Damit ein Kiesvorkommen überhaupt ausgeschöpft werden kann, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. Die erste Hürde bildet die Festsetzung im Kantonalen Richtplan. Das ist bereits passiert. Der Kanton Aargau hat in den 90er-Jahren in Zusammenarbeit mit dem Abbaugewerbe ein Rohstoffversorgungskonzept (RVK) erarbeitet. Dieses bildete die Basis für die Festsetzung der zukünftigen Kiesabbaugebiete im Kantonalen Richtplan von 1996.

Update

Anfang 2009 hat die Fischer Kies und Beton AG das Mitwirkungsverfahren und die Planauflage für den Abbau von 2 Mio. Kubikmeter Kies in den Gebieten Stolten, Längacker-Nackbünten und Staffelbacherstrasse der Gemeinden Staffelbach und Kirchleerau lanciert. Dem Projekt ist starke Opposition erwachsen. Die Gegner, welche sich in einer Interessengemeinschaft (Kiesleerau.ch) formiert haben, bezeichneten die koordinierte Auflage als Verfahrensfehler und verlangten, die zwei Verfahren seien getrennt durchzuführen. Die Bauherrschaft hat sich in der Folge für eine Neuaufnahme des Verfahrens entschieden. Als Erstes ist nun vom 3. November bis 2. Dezember das Mitwirkungsverfahren öffentlich aufgelegen. (to)

Für die Region Staffelbach-Kirchleerau-Schöftland sind mehrere potenzielle Abbaugebiete in diesem Richtplan vermerkt. Einige davon jedoch nur als Vororientierung, das heisst als Standorte für die langfristige Versorgung der Region. Im Richtplan 1996 als Abbaugebiet zur kurz- und mittelfristigen Versorgung festgesetzt, ist eine knapp 11 Hektaren grosse Fläche östlich des heutigen bald ausgeschöpften Abbaugebietes der Firma Fischer.

Die neue Abbaufläche erstreckt sich ab der Einmündung Staffelbacherstrasse weitgehend parallel zur Kantonsstrasse in Richtung Schöftland. Das Kiesvolumen von geschätzten 2 Mio. Kubikmetern liegt zum grössten Teil in Staffelbach, der Standortgemeinde des Kieswerks. Lediglich rund 0,3 Mio. Kubikmeter sollen in der Nachbargemeinde Kirchleerau abgebaut werden.

Mitwirkung im Gang

Die Festsetzung im Richtplan ist nur der erste Schritt auf dem Weg zu einer Abbaugenehmigung. Das Bewilligungsverfahren zur Erschliessung eines neuen Vorkommens ist lang und kann mitunter steinig sein. Das hat auch Beat Fischer erfahren müssen. Anfang Jahr hat die Firma das vorgeschriebene Mitwirkungsverfahren gestartet und gleichzeitig die Nutzungplanänderung öffentlich aufgelegt. Diese Kombination ist nach dem kantonalen Baugesetz statthaft. Die Opposition dagegen war jedoch so stark, dass sich Fischer dazu entschlossen hat, die beiden Verfahren zu trennen und separat durchzuführen.

Im November hat nun vorerst das Mitwirkungsverfahren stattgefunden. Erst in einem zweiten Schritt ist dann die öffentliche Auflage geplant. Damit kombiniert ist eine Anpassung des kommunalen Nutzungsplanes, in dem die neue Abbauzone als solche ausgeschieden werden muss. Für die Projektbewilligung ist der Gemeinderat zuständig. Über die Änderung der Nutzungsplanung befinden vorerst die Gemeindeversammlungen der beiden betroffenen Gemeinden und danach der Regierungsrat oder, in umstrittenen Fällen, das Kantonsparlament.

Klare gesetzliche Vorgaben

Für den Kiesabbau gibt es klare gesetzliche Vorgaben, welche die Firma in jedem Falle einhalten muss. So ist im Bewilligungsverfahren eine Umweltverträglichkeitsprüfung eingeschlossen und vom Abbauunternehmer werden verschiedene ökologische Begleitmassnahmen verlangt, die in einem speziellen Bericht zum Projekt detailliert aufzulisten sind.

Beat Fischer ist überzeugt, dass er die gesetzlichen Anforderungen in jeder Beziehung erfüllt: «Wir halten uns an die Vorschriften und versuchen, unser Projekt wo immer möglich so zu optimieren, dass sich die Lärm- und Verkehrsbelastung in Grenzen hält. Diesbezüglich weist Fischer darauf hin, dass der Transport des Abbaumaterials zum Kieswerk nicht mit Dumpern (grossen Lastwagen), sondern über ein Förderband geplant ist. Damit könnten Lärmimmissionen und Verkehrsbelastung auf ein Minimum reduziert werden. Mit Mehrverkehr, erklärt Fischer, sei ohnehin nicht zu rechnen: «Wir machen mit den gleichen Leuten und den gleichen Fahrzeugen das Gleiche wie heute. Wir bauen lediglich den Rohstoff nicht mehr am selben Ort ab wie bisher.»

Kies, hält der Unternehmer fest, sei nun mal die Existenzgrundlage seines Betriebes. Und es mache sicher mehr Sinn, den Rohstoff vor Ort abzubauen, als ihn mit langen und umweltbelastenden Transporten von weit her in die Region zu karren.