Gleichstellung
Der hartnäckige Kampf der SP-Frauen für die Quote

Zahlreiche Vorstösse zur Gleichberechtigung blieben bislang erfolglos, doch an Hartnäckigkeit fehlt es nicht: Heute reicht Anita Fetz einen weiteren Vorstoss ein.

Anna Wanner
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Yvonne Feri

Yvonne Feri

Emanuel Freudiger

Die Basler SP-Ständerätin Anita Fetz ringt um Worte, um ihr Unverständnis dafür auszudrücken, dass die Schweiz sich so schwer tut, qualifizierte Frauen zu fördern. «Es ist ein Witz. Nein, es ist tragisch; es ist einfach blöd.» Das brachliegende Potenzial werde von vielen Firmen nicht genutzt. Stattdessen würden die Führungspositionen von Ausländern besetzt. Gegen ausländische Kaderleute habe sie eigentlich nichts einzuwenden. Doch volkswirtschaftlich sei das ein Unsinn: «Wir bilden Frauen aus und halten sie dann unten.» Nur: Die Zeit sei nicht reif, per Quoten Druck auf die Privatwirtschaft auszuüben.

In Lauerstellung für Mehrheiten

Parteikollegin Susanne Leutenegger Oberholzer engagiert sich zwar für das gleiche Ziel, sieht die Lage aber etwas anders. Die Baselbieter Nationalrätin sagt, man könne in der Politik nie wissen, wann die Zeit reif ist. Deshalb sei sie bereit, ein Anliegen einzubringen. «Manchmal öffnet sich ein ‹window of opportunity›, eine Gelegenheit, und dann muss man zuschlagen. Sonst schliesst sich das Fenster wieder.»

Diplomaten: Quote aufgehoben

Alt Bundesrätin Micheline Calmy-Rey wird sich ärgern: Unter den 22 Kandidaten, welche heuer den Cours Diplomatique absolvieren dürfen, wurden nur gerade vier Frauen ausgewählt. Die Genfer Tageszeitung «Tribune de Genève» spricht von einem «Blutbad». Calmy-Rey hatte sich während ihrer Zeit als Bundesrätin bei der Diplomaten-Ausbildung für eine strikte Frauen-Männer-Parität eingesetzt. Egal wie viele Bewerberinnen und Bewerber sich für den Concours anmeldeten, aufgenommen wurden mindestens so viele Frauen wie Männer. Jetzt sinkt der Frauenanteil auf 18 Prozent. Letztes Jahr gab Calmy-Rey ihr Bundesratsmandat ab, Didier Burkhalter übernahm das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA). Viele junge Männer witterten ihre Chance und bewarben sich. Das zeigen auch die Zahlen: 2011 meldeten sich rund 30 Männer an, heuer waren es rund 170 - fast sechsmal mehr. (wan)

Leutenegger Oberholzer hat nach zahlreichen Vorstössen im September zwei parlamentarische Initiativen eingereicht, die eine Frauenquote von 40 Prozent für Verwaltungsräte von bundesnahen und börsenkotierten Betrieben verlangen. Sie sei lange genug dabei, um zu wissen, dass sich irgendwann eine Mehrheit finde, sagt Leutenegger Oberholzer. Zurzeit ist ihre Initiative zur Vorberatung in der Kommission. Rückendeckung erhält sie von SP-Nationalrätinnen wie Yvonne Feri (AG) oder Maria Roth-Bernasconi (GE), von Ständerätin Liliane Maury Pasquier (GE), aber auch vom Parteikollegen Andy Tschümperlin (SZ). Sie alle reichten mindestens einen Quoten-Vorstoss ein. Bisher zeigten diese Bemühungen allerdings wenig Wirkung. Im Mai setzte der Bundesrat die Gleichstellung von Mann und Frau als Legislaturziel fest. Darin sieht Leutenegger Oberholzer eine Chance, die Gleichstellung per Quote in der Verwaltung und in den bundesnahen Betrieben durchzusetzen.

An Hartnäckigkeit fehlt es den Damen nicht: Heute reicht Anita Fetz einen weiteren Vorstoss ein. Sie beauftragt den Bundesrat, regelmässig Bericht über die «Vertretung von Sprachregionen und Geschlechtern in Verwaltungsräten, bei denen der Bundesrat Wahlkörper ist», zu erstatten. Fetz sagt, sie wisse, dass ihr Postulat keine hohen Wellen werfe. «Aber steter Tropfen höhlt den Stein.» Und anfangen müsse man in der Verwaltung, obwohl dort der Frauenanteil (25 Prozent) im Vergleich zu den 100 grössten Schweizer Firmen (rund 11 Prozent) relativ hoch sei. Der Bund hat heute keine zahlenmässigen Vorgaben. Er muss aber stets prüfen, ob er bei gleichen Qualifikationen jenen Bewerbern den Vorzug geben soll, die in Bezug auf Sprache oder Geschlecht im Gremium untervertreten sind.

Gegner in der Überzahl

Quotengegner sind nicht schwer zu finden. Mehrheitlich kritisiert wird die Wahl einer Person aufgrund des Geschlechts anstatt der Qualifikation. Ausserdem könnten sich beförderte Frauen als Quotenfrauen verstehen - eine Herabwürdigung der Fähigkeiten. Der Bundesrat zeigte bisher wenig Bereitschaft, die heutige Philosophie der Ermunterung und Unterstützung zu ändern. Trotzdem bleibt Fetz optimistisch. Wenn die Gesellschaft in zehn Jahren durch den demografischen Wandel und die Grenzen der Zuwanderung weiter Führungskräfte suche, können die Frauen nicht mehr ausgeschlossen werden, sagt sie. Nur müsse das heute vorbereitet werden - wenn nötig eben durch Zwang.

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