Mauerfall
Der grosse Kommunikator

Er war einer der populärsten Präsidenten des 20. Jahrhunderts. Ronald Reagan, der "grosse Kommunikator" hat Amerika innen- und aussepolitisch radikal verändert und den Kurs der Welt verändert. In Europa hat man Hollywood-Schauspieler zuerst unterschätzt und als politisches Leichtgewicht verachtet, danach für seine massive Wiederaufrüstung und die Rückkehr zu einem konfrontativen Kurs mit Moskau kritisiert. Tatsächlich ist Ronald Reagan aber eine äusserst komplexe Persönlichkeit - und das Klischee vom dummen, naiven Schauspieler ist so falsch wie dasjenige vom unnachgiebigen Kommunistenhasse. Heute wissen wir, dass Reagan von 1985 bis 1988 Gorbatschows kongenialer Partner war in der Beendigung des Kalten Krieges in Europa.

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Ronald Reagan

Ronald Reagan

Keystone

Reagan war fast 70 Jahre alt, als er 1981 ins Weisse Haus einzog. Nach dem Vietnam-Trauma gab er Amerika aussenpolitisch ein neues Selbstbewusstsein und leitete eine Renaissance der "Politik der Stärke" ein. Die Sowjetunion bezeichnete er 1983 als "Imperium des Bösen", worauf ihn Sowjetführer Andropow als "geisteskrank" und einen "Lügner" bezeichnete.

Buch- und Webtipps Romesh Ratnesar: Tear Down This Wall (Simon&Schuster, 2009). Das neueste Buch über Reagans sich verändernde Haltung zur Sowjetunion. The Reyjkjavik File. Amerikanische und sowjetische Dokumente über den Gipfel von Reyjkjavik vom Oktober 1986.Hier klicken zum Link

Buch- und Webtipps Romesh Ratnesar: Tear Down This Wall (Simon&Schuster, 2009). Das neueste Buch über Reagans sich verändernde Haltung zur Sowjetunion. The Reyjkjavik File. Amerikanische und sowjetische Dokumente über den Gipfel von Reyjkjavik vom Oktober 1986.Hier klicken zum Link

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Im November 1983 kam es beinahe zu einem Atomkrieg, als KGB-Agenten die Nato-Militärübung "Able Archer" für den Auftakt eines atomaren Enthauptungsschlages interpretierten. Reagan war schockiert, als er erfuhr, wie knapp die Welt dem Dritten Weltkrieg entgangen war. Er mässigte daraufhin seine antikommunistische Rhetorik und wurde zu einem glühenden Verfechter von nuklearer Abrüstung.

Beim Gipfel in Reykjavik träumten Gorbatschow und Reagan im Oktober 1986 davon, alle Atomwaffen zu zerstören - Reagans Berater waren schockiert. Doch die "Revolution von Reykjavik" (Henry Kissinger) war einer der ganz grossen Wendepunkte im Kalten Krieg.

Von diesem Moment an vertrauten Reagan und Gorbatschow einander fast blind. Als Reagan bei seinem ersten Besuch in Moskau im Juni 1988 gefragt wurde, ob er die Sowjetunion immer noch als "Evil Empire" betrachte, antwortete er lächelnd: "Nein, das war in einer anderen Zeit, in einer anderen Ära." Der Kalte Krieg war vorbei. Die Zeit war reif für die Umsetzung von Reagans Forderung vom 12. Juni 1987 in Berlin: "Mr. Gorbatschow, reissen Sie diese Mauer nieder!"

Wir erinnern mit einer 15-teiligen Artikelserie an das "andere 9/11" - an den 9.11.1989 und stellen 15 Wegbereiter des Wende- und Wunderjahrs 1989 vor - politische Akteure, die unserer Meinung nach einen zentralen Beitrag geleistet haben, dass der Kalte Krieg nach 45 Jahren zu Ende ging - und zwar auf die Art und Weise zu Ende ging, wie er zu Ende ging, nämlich weitgehend friedlich und ohne Blutvergiessen.

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