Hammer
Der Gerichtspräsident mit dem Holzhammer

Daniel Aeschbach, seit rund 100 Tagen Gerichtspräsident I am Bezirksgericht Lenzburg, gefällt der neue Arbeitsort: «Es ist einer der interessantesten Berufe, die es im juristischen Bereich gibt.»

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Aeschbach

Aeschbach

Aargauer Zeitung

Fritz Thut

Der in Oberentfelden aufgewachsene und nun in Schafisheim wohnhafte Daniel Aeschbach amtet seit gut 100 Tagen als neuer Lenzburger Gerichtspräsident. Es ist also Zeit für eine erste Bilanz - und die fällt rundum positiv aus. Auch nach längerem Nachdenken fällt dem 39-jährigen Juristen kein Punkt ein, der ihn am neuen Arbeitsplatz negativ überrascht hätte.

«Viel mit Menschen zu tun»

Aeschbach, der sich SVP-intern bei der Nomination gegen eine Mitkandidatin durchsetzte und anschliessend in stiller Wahl zum Gerichtspräsidenten I gekürt wurde, wusste auch genau, worauf er sich einliess. Vor elf Jahren absolvierte er hier sein Praktikum als Gerichtsschreiber. Zudem stimmten ihn Gespräche mit seinem Vorgänger Albert Suter im Umfeld der Kandidatur auf die Aufgabe ein.

Nach sechs Jahren auf dem kantonalen Steueramt und drei Jahren als Anwalt in einem Büro reizte Aeschbach, der bisher auch als Ersatzrichter am Obergericht agierte, die vollamtliche Richtertätigkeit. Und nach gut drei Monaten findet er bestätigt, was er sich von diesem Wechsel erhofft: «Bezirksgerichtspräsident ist sicherlich einer der interessantesten Berufe, die es im juristischen Bereich gibt.»

«Mir gefällt dieses Abwägen und auf dieser Stufe der Justiz hat man noch sehr viel mit Menschen zu tun. Dies ist sehr wichtig für mich», schildert er seinen Antrieb.

Ein eingespieltes Team

Auf seinem Schreibtisch türmen sich die Aktenberge. «Es ist manchmal hektisch; zum Teil muss alles schnell gehen», korrigiert Aeschbach das oft kolportierte Bild von den gemächlich mahlenden Mühlen der Justiz. Zeitlich dringende Untersuchungshaftfälle oder Verjährungsfristen fordern die Bezirksrichter. Die Strafgerichtsfälle, die es ab und zu in die Zeitungsspalten schaffen, bilden nur die Spitze des Eisbergs. Aktenstudium («bei Verhandlungsbeginn müssen alle Details bekannt sein», so Aeschbach) und die - menschlich oft belastenderen - Zivilfälle nehmen viel Zeit in Anspruch.

«Ich kann hier in Lenzburg auf ein hoch motiviertes Team von meist langjährigen Mitarbeitenden zählen und erlebe mit ihnen eine intensive Zusammenarbeit», lobt der neue Gerichtspräsident sein Umfeld. Jedes dritte Dossier geht im Übrigen an Eva Lüscher-Suter, die als Gerichtspräsidentin II ein 50-Prozent-Pensum besetzt.

Die Sache mit dem Hammer

In seinen ersten 100 Tagen hat Daniel Aeschbach auch schon Erfahrungen gemacht, die er selbst als «Lehrplätz» bezeichnet: Eine Verhandlung mit 5 Angeklagten, gleich vielen Verteidigern und einer Dolmetscherin zog sich von viertel nach zwei bis gegen halb zehn Uhr abends hin. «Auch wenn sich das Ganze in die Länge zieht, muss darauf geachtet werden, den Betroffenen zu jeder Zeit die ihnen zustehenden Verfahrensrechte zu gewähren. Das Urteil wurde hier erst kurz nach Mitternacht gefällt.

Meistens geht es aber schneller. Manchmal findet man in Zivilfällen statt eines Urteils einen Vergleich. Und da kommt der Holzhammer ins Spiel, der auf Aeschbachs persönlichem Bürotisch liegt. Obwohl das aus den einschlägigen Fernsehsendungen bekannte Utensil in schweizerischen Gerichtssälen eigentlich nichts verloren hat, liess Aeschbach das Fundstück aus einer Brockenstube nach einer entsprechenden Bemerkung der Beteiligten nach einem unverhofft zustande gekommenen Vergleich zur Auflockerung der angespannten Atmosphäre niedersausen: «Seither ist das mein ‹Vergleichshammer›. Einen echten Verwendungszweck hat der Hammer aber nicht.»