Der Gemeinderat richtet nicht über andere

Die Emotionen gingen hoch am Montag in der Seoner Turnhalle, als die Harvest Network International ihr Sport- und Kongresszentrum-Projekt vorstellte. Mittendrin und stets um neutrale Sachlichkeit bemüht Gemeindeammann Heinz Bürki. Die AZ stellte ihm darauf einige Fragen.

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Heinz Bürki

Heinz Bürki

Stimmt es, dass die Gemeinde Seon sich bei der Freikirche auf ein Inserat gemeldet hat?

Heinz Bürki: Ja, so war es. Dieses Inserat war relativ offen gehalten und wir haben zuerst gedacht, dass dies etwas für unser Industriegebiet Birren sein könnte. Wir haben aber schnell gemerkt, dass das geplante Projekt dort nicht realisiert werden kann.

Nun steht ein neuer Standort zur Diskussion. Hatte der Gemeinderat nie Bedenken,wegen der religiösen Ausrichtung der Investoren?

Bürki: Der Gemeinderat masst sich nicht an, über andere zu richten. Es handelt sich hier ja schliesslich nicht um eine kriminelle Organisation. Für uns sind andere Punkte entscheidend: Der mögliche Nutzen für unsere Gemeinde und die finanzielle Sicherheit. Nochmals: Wir verhielten uns hier neutral; der Gemeinderat kann ein solches Projekt nicht einfach von sich aus ablehnen, sonst müssten wir uns anschliessend, wenn es finanziell wieder mal, etwa bei Steuerfussdiskussionen, «spitz» wird, die Vorwürfe anhören, wir hätten da eine Chance verpasst, ohne das Volk zu fragen.

Nun hat sich das Volk erstmals gemeldet. Und gleich ziemlich derb.

Bürki: Wir haben den Initianten von Anfang die Risiken aufgezeigt. Und sie vor dem Orientierungsabend vor möglichen groben Reaktionen gewarnt. Den Harvest-Leuten war also bewusst, was auf sie zukommt.

Der von Harvest präsentierte Zeitplan mit Baubeginn im Sommer 2011 ist reichlich illusorisch?

Bürki: Das sehe ich auch so. Es ist absolut unrealistisch die Umzonungsvorlage an die Sommer-Gmeind dieses Jahres zu bringen; schon für die Herbst-Gmeind wird es sehr knapp, rechne ich doch schon im Mitwirkungsverfahren mit einer Flut von Eingaben.

Noch ist das politische Verfahren nicht gestartet. Nun ist der Gemeinderat am Drücker: Wann wird entschieden?

Bürki: An der Gemeinderatssitzung vom nächsten Montag werden wir eine Nachlese zum Info-Abend machen. Wir werden darüber debattieren und vielleicht auch schon einen Entscheid fällen. Wenn wir erkennen, dass die Sache aussichtslos ist, kann es sein, dass wir bereits einen Schlussstrich ziehen. (tf)

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