Rechnung
Der Gemeinde Wettingen geht das Geld aus

Die Rechnung 2009 der Einwohnergemeinde Wettingen schliesst schlechter als budgetiert. Und der finanzielle Spielraum Wettingens wird immer geringer. Die Gemeinde konnte selbst geringe Investitionen nur noch zu einem Teil selber finanzieren.

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Rechnung Wettingen

Rechnung Wettingen

Dieter Minder

Als «positiven Abschluss mit negativen Vorzeichen» bezeichnet Gemeindeammann Markus Dieth die Verwaltungsrechnung 2009. Konkret heisst dies, bei einem Umsatz von 97,7 Millionen Franken wurde das Budget um 216097 Franken nicht erreicht. Das ist eine Punktlandung. «Das Ergebnis zeigt, dass in der Verwaltung seriös gearbeitet wird», sagt Dieth. Für Finanzverwalter Martin Frey ist das Ergebnis keine Überraschung: «Wir haben schon früh gesehen, dass es knapp wird.» Und folglich zeigen alle Finanzplangrössen, dass es in Wettingen finanziell eng wird.

Mehr sparen oder einnehmen

Das Verhältnis zwischen dem Nettoaufwand und der Belastbarkeitsquote zeigt seit 2006 die gegenläufige, für die Gemeinde ungünstige Entwicklung. Der Nettoaufwand steigt vor allem wegen der immer höheren gebundenen Ausgaben. Das sind Kosten, die die Gemeinde nicht beeinflussen kann, weil es sich um gesetzlich vorgeschriebene Ausgaben handelt. «Um die Lage zu verbessern, müsste die Gemeinde noch mehr sparen oder den Ertrag verbessern», sagt Frey. Letzteres lässt sich in einer Gemeinde fast nur durch eine Erhöhung des Steuerfusses erreichen.

Den Minderertrag bei den Steuern, rund 800 000 Franken, konnte die Finanzverwaltung durch die gezielte Finanzbewirtschaftung auffangen. Sie konnte ihr Geld gut anlegen beziehungsweise Geld zu günstigen Zinsen aufnehmen. Die daraus resultierenden Nettozinsen sind 125 000 Franken tiefer als budgetiert.

Alles hängt am Steuerfuss

Wettingen soll als Wohnort für Steuerzahler attraktiv bleiben, dies ist das oberste Ziel der Wettinger Finanzpolitik. Dass diese Politik Erfolge bringt, zeigt, dass mehr Leute angezogen werden konnten, die höhere Einkommens- und Vermögenssteuern bezahlen. Die Steuerkraft stieg um 1,75% auf 2783 Franken. Der Gemeinderat führt dies auf das gestiegene Volkseinkommen und den Standortvorteil von Wettingen zurück. Zu Letzterem zählt, neben der geografischen Lage, der tiefe Steuerfuss von 87%. Das erkauft sich die Gemeinde aber mit einem relativ geringen Spielraum. Während in den letzten Jahren die Steuereinnahmen immer über dem Budget lagen, hat sich das Blatt nun gewendet. Die Steuereinnahmen sind gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen, während beim Budget noch mit einem ungebremsten Wachstum gerechnet worden war. Letztlich beweist die Zahl, dass auch hier immer genauer budgetiert wird, nur hat sich dies jetzt negativ niedergeschlagen. Wie lange Wettingen den tiefen Steuerfuss noch halten kann, ist offen.

Bescheidene Investitionen

Die Belastbarkeitsquote und die Abschreibungen sinken, die Nettoinvestitionen wurden halbiert und dasselbe gilt für die Selbstfinanzierung (Casflow). Sie blieb um 216 000 Franken hinter dem Budget zurück und beträgt gerade noch 3,7 Millionen Franken. 2008 waren es immerhin noch 6 Millionen gewesen. Die 3,7 Millionen Franken reichten gerade noch, um 63,2% der Investitionen aus der eigenen Rechnung zu finanzieren. Dabei haben die Nettoinvestitionen mit nur 5,8 Millionen Franken wieder einen neuen Tiefstand erreicht. Sie liegen auch deutlich hinter den budgetierten 8 Millionen zurück. Es handelt sich vornehmlich um Unterhaltsinvestitionen. Im Jahre 2008 hat die Gemeinde noch rund 12,6 Millionen investiert.

Die Nettoschulden sind im Berichtsjahr von 11 auf 12,9 Millionen Franken gestiegen. Damit muss jeder Einwohner rund 653 Franken Gemeindeschuld mittragen.
Die konsolidierte Rechnung der Gemeinde, inklusive der Eigenwirtschaftsbetriebe Abwasser, Abfall, Sprachheilkindergarten und Heilpädagogische Schule, weist einen Aufwand von 100,8 Millionen bei einem Ertrag von 98,3 Millionen auf. Daraus resultiert ein Finanzierungsfehlbetrag von 2,5 Millionen Franken. Zum grössten Teil trugen die Abwasserbeseitigung und die Abfallbewirtschaftung dazu bei.

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