Stadtpolizei
Der Freund und Helfer steht unter gesellschaftlichem Druck

Die Stadtpolizei Dietikon im Spannungsfeld von Sicherheitsbedürfnis und generellem Personalmangel Polizeiarbeit ist eine Gratwanderung: Die einen fordern vermehrte Kontrollen, die anderen kritisieren dies.

Merken
Drucken
Teilen

Von Jürg Krebs und Bettina Hamilton-Irvine

Der Ruf nach mehr Sicherheit ist zunehmend lauter geworden in der Schweiz. Doch kontrastiert er deutlich mit dem Mangel an Polizeipersonal. In diesem aktuellen Spannungsfeld bewegt sich die Stadtpolizei Dietikon.

Dietikon: Bezirkshauptort nahe der grössten Schweizer Stadt, Wirtschaftsstandort, 22 000 Einwohner, davon rund 40 Prozent Ausländeranteil, ehemalige Industriestadt. Die Frage drängt sich auf: Ist Dietikon ein hartes Pflaster, ein Fall für die Polizei gar? «Die Stadt ist kein übles Pflaster, wie man aufgrund der Bevölkerungsstruktur vermuten könnte», sagt der örtliche Polizeichef Rolf Wohlgemuth. Und: «Dietikon ist nicht besser und nicht schlechter als jede andere Agglomerationsgemeinde.» Er kann dies vergleichen, hat er doch lange Jahre in Olten gearbeitet.

Und was sagt die Statistik über Dietikon aus? Die von der Kriminalpolizei erfassten und im Februar präsentierten Zahlen weisen Dietikon nicht separat aus, sondern als Teil des ganzen Bezirks. Festgehalten ist eine um 1,6 Prozent leicht gestiegene Zahl an Straftaten. Der Chef der Kriminalpolizei des Kantons Zürich sprach davon, dass der Bezirk Dietikon «mehrheitlich im grünen Bereich» liege. Die Stadtpolizei Dietikon trägt mit einem Corps von aktuell 9 Männern und einer Frau ihren Teil zu diesem Ergebnis bei, denn sie ist zusammen mit der Kantonspolizei für Sicherheit, Ruhe und Ordnung in der Stadt zuständig.

Wie sicher ist Dietikon? Diese Frage ist nicht nur eine statistische. «Entscheidend für die öffentliche Meinung in der Stadt», so Polizeichef Wohlgemuth, «ist vielmehr das persönliche Sicherheitsempfinden der Bürgerinnen und Bürger.» Dieses versuche die Stadtpolizei mit möglichst häufigem Patrouillieren zu stärken. 1443-mal waren Dietikons Polizisten 2008 auf Streife oder Fusspatrouille, wie die städtische Sicherheitsabteilung angibt. Das sind 189 Einsätze weniger als im Jahr davor - der Grund liegt im kleineren Personalbestand.

Patrouillen mit Streifenwagen und zu Fuss sind nicht die einzigen Aufgaben der Polizei. Dazu zählen im Speziellen auch Verkehrs- und Personenkontrollen, Geschwindigkeitsmessungen, Parkraumkontrollen, Verkehrsunterricht, Abklärungen und Vorführungen für andere Amtsstellen und das Führen des Fundbüros. 836-mal leistete sie für Amtsstellen Rechtshilfe, 941 Vorführungsaufträge und Anzeigen beim Betreibungsamt waren zu bewältigen. 898-mal wurden Verzeigungen an den Stadtrat, das Statthalteramt und die Staats- oder Jugendanwaltschaft geschrieben.

Wie einige andere Gemeinden leidet auch das Polizeikorps in Dietikon an Unterbestand. Personal ist schwer zu finden, zwei weitere Polizisten werden seit längerem gesucht. «Der Markt ist ausgetrocknet», sagt Sicherheitsvorstand Heinz Illi. Doch wolle er das Thema nicht forcieren, da es ihm wichtig sei, die richtigen Personen für den Job zu finden. Illi: «Wir tun uns keinen Gefallen, wenn wir einfach Leute einstellen, damit jemand eingestellt ist.»

Dass weitere Polizisten gebraucht werden, ist unumstritten. Deshalb überlegt sich die Stadtpolizei nun, neue Wege zu gehen: Illi erachtet Jobsharing oder einen polizeilichen Assistenzdienst als «Modelle, die durchaus funktionieren». Er kann sich deshalb in Dietikon eine neue Struktur für gewisse Aufgaben vorstellen. «Die Bereiche Bussenwesen, Nachtparkieren oder Fusspatrouillen im Zentrum könnten durch einen Assistenzdienst abgedeckt werden», sagt Illi: «So kann man die ausgebildeten Polizisten für andere Aufgaben freihalten.» Vereidigt werden demnächst zwei zivile Sachbearbeiterinnen, weil das Polizeisekretariat auf 1. April in den Polizeiposten integriert wurde. Diese Massnahme soll Synergien schaffen und kundenfreundlicher wirken.

Kundenfreundlichkeit ist fundamental für die Polizei, die sich nach wie vor als «Freund und Helfer» versteht, wie Illi sagt. Doch so wichtig der Kontakt mit der Bevölkerung ist, so schnell gerät die Polizei in ein Spannungsfeld der Erwartungen. Illi: «Einerseits soll die Polizei Kontrolle ausüben und einschreiten. Andererseits wird sie, wenn sie das macht, oftmals genau dafür kritisiert.»