René Schmid
Der Erfolg eines umsichtigen Gestalters

Die verbesserte Zusammenarbeit der regionalen Ärzte mit dem Spital Limmattal, das Managed-Care-Angebot LimmiMed, die neue Notfallpraxis am «Limmi» – es gab in den letzten Jahren keine Veränderung, die der Dietiker Hausarzt René Schmid nicht beeinflusst hätte.

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René Schmid

René Schmid

Schweiz am Sonntag

Jürg Krebs

René Schmid ist nicht nur sympathisch, er spricht auch mit sanfter Stimme - und doch hat er Durchsetzungskraft bewiesen. Der Dietiker Hausarzt hatte als Präsident des Ärztenetzwerks Zürich West massgeblichen Anteil daran, dass die regionale Gesundheitspolitik auf eine neue Basis gestellt werden konnte.

Die Liste der Erfolge während seiner achtjährigen Ägide kann sich sehen lassen: Die Zusammenarbeit unter den Ärzten und mit dem Spital Limmattal wurde neu verhandelt und intensiviert; der ärztliche Notfalldienst reorganisiert und mit LimmiMed eine Managed-Care-Organisation gegründet, die Patienten bis zu 20 Prozent Rabatt auf Krankenkassenprämien bietet. Zudem startet im Mai 2010 am Spital Limmattal eine von Hausärzten geführte Notfallpraxis.

Nun hat René Schmid seine gesundheitspolitische Führungsrolle in neue Hände gegeben. Er will kürzertreten und sich seiner zentralen Rolle entledigen. Er habe zuletzt so viele Fäden in der Hand gehalten, dass es ihm «unwohl geworden» sei. Er wollte nicht, dass alles von ihm abhängt. An der AZW-Versammlung vom Donnerstag ist er von all seinen Ämtern zurückgetreten. Er bleibt der Organisation als Mitglied verbunden.

Zu seinem Nachfolger wurde Christopher Meerwein, Allgemeinmediziner in Urdorf, gewählt. Im AZW sind ein Grossteil der rund 100 Limmattaler Hausärzte und Spezialisten sowie das Spital Limmattal vereint. Das Verwaltungsratspräsidium von LimmiMed hat Schmid an Hausarzt Walter Schweizer aus Oberengstringen abgetreten.

Auf die Gründe für den Erfolg angesprochen, nennt René Schmid beim Gespräch in seiner Arztpraxis die «sehr gute Zusammenarbeit» im AZW-Vorstand und mit dem «Limmi». Natürlich hat der Erfolg viele Väter, und natürlich ist die Zeit für Kooperationen im Gesundheitswesen reif.

Es ist aber Schmids Verdienst, dass er als Präsident seine Ärztekolleginnen und -kollegen überzeugen konnte, Partikularinteressen beiseitezuschieben. Bildlich ausgedrückt: Regisseur Schmid überzeugte Primadonnen vom Cancan - das brauchte oft viel Geduld, zahlte sich aber aus.

René Schmid übernahm das AZW-Präsidium 2001 mit der Absicht, etwas zu verändern. Ihm wurde schnell klar: Das geht nur gemeinsam. Gemeinsam wurden also Probleme analysiert und Lösungen erarbeitet, mit bekanntem Resultat. Hinzu kommt: Der Ruf der Hausärzte sei damals jener der geldgierigen Individualisten gewesen. Das habe ihn geärgert und zum Einschreiten veranlasst.

Er wurde nicht müde, die Vorteile der Hausarztmedizin zu loben: «Sie ist günstig und gut.» Tatsächlich hat Schmid gute Argumente. Eine eigentliche Kostenexplosion verzeichnen mit plus 14 Prozent Spitalambulatorien. Im Vergleich: Bei Hausärzten sind es etwa 3 Prozent. Zudem: Sie kennen ihre Patienten am besten, können deshalb effizienter behandeln.

Den Streit um die Gesundheitskosten bezeichnet René Schmid als Zeitgeist. Dabei ist ihm klar, dass die Kostenexplosion ein gewaltiges Problem darstellt, aber eben typisch ist für eine Gesellschaft, die als Ganzes kaum mehr Existenzängste kenne und sich deshalb zusehends auf das nächstwichtige Gut konzentriere: die Gesundheit. Wer krank ist, dem nutze aller Wohlstand nichts. Kaum verwunderlich, dass die Schweizer Gesundheitsbranche Hochkonjunktur habe.

Dahinter steckt laut Schmid aber auch ein Lebensstil: Der 24-Stunden-Verfügbarkeits-Anspruch der Gesellschaft sei kostentreibend. Wer Lust dazu verspüre, der suche eben nachts um 2 Uhr nach dem Tanzen mit einer Bagatelle den Spitalnotfall auf. Dabei kostet eine Behandlung dort bis zu zehnmal mehr als beim Hausarzt.

Ein Zauberwort bei der Problemlösung heisst laut Schmid Prävention. Damit liessen sich in der Schweiz entscheidend Kosten senken. Jedoch: Für die gewinnorientierte Pharmaindustrie sei dies zu wenig interessant. Und die Politik ist skeptisch, weil sie mit einem auf Langfristigkeit basierenden Projekt erst nach Jahren bei der Wählerschaft punkten kann.

Die Erfolge im Limmattal zeigen Schmid: Gesundheitspolitik ist zwar Bundessache, doch es lässt sich regional durchaus positiven Einfluss nehmen. Mit der Notfallpraxis, in der Hausärzte ab Mai direkt am Spital Bagatellfälle behandeln, die somit nicht den teureren, weil spezialisierteren Notfall belasten, können Kosten gespart werden.

Im Rahmen von LimmiMed verpflichten sich die beteiligten Ärzte zu Standards und Budgettreue und erhalten so für ihre Patienten von den Krankenkassen Rabatt, wodurch alle profitieren. Damit zeigen diese Ärzte, dass sie bereit sind, Verantwortung zu tragen.

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