Grenchen
Der Durchgang soll nicht verbaut werden

Endlich wird der Bahnhof Süd umgebaut und modernisiert. Die Kunden erhalten mehr Platz, um ihre Geschäfte an den Schaltern zu tätigen. Dennoch knausern die SBB. Sie versuchen, möglichst viel Raum für Drittnutzungen abzugeben. Deshalb wollen sie den Durchgang im Hauptgebäude verbauen.

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Der Durchgang soll nicht verbaut werden

Der Durchgang soll nicht verbaut werden

UBY

Urs Byland

Grenchens Bahnhof Süd ist kein berühmter Bau. Aber je mehr er in die Jahre kommt, umso reizvoller wirkt das Ensemble mit den beiden lang gezogenen Gebäuden. Das Hauptgebäude stammt aus den Fünfzigerjahren und ist somit ein - wenn auch schlichter - steinerner Zeuge, der im letzten Jahr mit dem Wakkerpreis eine Würdigung fand und national für Aufsehen sorgte.

Nun wollen die SBB aber Hand anlegen am Gebäude. Auf der Baudirektion liegt die entsprechende Baupublikation auf. Mit der Schliessung des Bahnhofs Nord konzentrieren sich die Schalterdienste am Bahnhof Süd. Entsprechend planen die SBB dort eine Vergrösserung und Modernisierung der Infrastruktur. Die bisher engen Platzverhältnisse, seit längerer Zeit ein Ärgernis für die Grenchner Kunden, sollen ein Ende finden. Aber der Vorschlag der SBB sorgt bei Stadtbaumeister Claude Barbey für einen roten Kopf.
Kantonaler Denkmalschutz hilft

Die SBB planen, wie die Baupublikation zeigt, den Durchgang im nördlichen Teil des Hauptgebäudes zu verbauen. Die Kundschaft müsste dann den Raum mit den Billett- und Reiseschaltern grundsätzlich von Osten her betreten. Der Westen des Hauptgebäudes soll für eingemietete Firmen reserviert sein. Der Durchgang würde verschwinden. Ebendies passt dem Stadtbaumeister überhaupt nicht. «Wir werden dieses Baugesuch so sicher nicht bewilligen», betont er.

Um seinem Anliegen Gewicht zu verleihen, hat Claude Barbey sich an den kantonalen Denkmalschützer Samuel Rutishauser gewandt. «Wir unterstützen die Stadt Grenchen in der Sache», erklärt dieser. Der Bahnhof Süd passe ins Bild von Grenchen. «Er ist ein Element aus der Zeit, für die Grenchen den Wakkerpreis erhielt.»

Rutishauser spricht nicht von einem Musterbeispiel, «aber es ist ein einfaches, gutes, funktionales Gebäude». Mit dem Bahnhof Süd sollte man pfleglich umgehen und die Charakteristik des Gebäudes erhalten.
Dazu gehört der grosszügige Durchgang im Innern des Hauses. Er unterstütze die übrigen Umbaupläne der SBB beim Bahnhof Süd. Bloss mit der Sperrung des Durchgangs kann er sich nicht einverstanden erklären. «Im südlichen Teil des Hauptgebäudes haben die SBB genügend Flächen, um eine grosszügige Infrastruktur für ihr Dienstleistungsangebot einzurichten.»

Kein Interesse an Alternativen

Besonders erbost ist Rutishauser über die Haltung der SBB. «Die SBB sind nicht gewillt, eine andere Situation zu prüfen. Das bin ich mir nicht gewohnt.» Möglichkeiten, Druck auszuüben, hat er nicht viele, aber
eine, die ausschlaggebend sein könnte. «Wir könnten das Gebäude unter Denkmalschutz stellen.» Diese Möglichkeit lasse er sich offen, auch wenn er nicht sicher ist, ob der Regierungsrat ein solches Begehren unterstützen würde. Bei der zuständigen Immobilienstelle der SBB war gestern niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Opfern wollen die SBB übrigens auch den Raum des früheren Stellwerks, im Süden des Hauptgebäudes. Mit diesem Abbruch kann Rutishauser leben.