Schweiz

«Der Druck ist zu gross»: Darum fliessen am Klimastreik-Gipfel in Lausanne die Tränen

Emotionale und hitzige Diskussionen gehören zum Klimastreik-Gipfel in Lausanne.

Emotionale und hitzige Diskussionen gehören zum Klimastreik-Gipfel in Lausanne.

Seit Tagen diskutieren 450 Jugendliche aus ganz Europa über die Zukunft der «Fridays for Future»-Bewegung. Die Emotionen kochen bei manchen Teilnehmern über.

Wie weiter mit der europäischen Klimastreik-Bewegung? Seit Montag zerbrechen sich am Gipfel in Lausanne Greta Thunberg sowie 449 weitere Jugendliche aus 38 Ländern den Kopf, wie sie «Fridays for Future» weiterbringen und den Klimawandel stoppen können.

Viele Auseinandersetzungen

Doch am Veranstaltungsort an der Uni Lausanne kochen die Emotionen über. Ein Workshop von Strategiegruppen ist am Mittwoch aus dem Ruder gelaufen: «Einigen Leuten sind Diskussionen zu nahe gegangen. Sie mussten heulen, weil ihnen die Klimastreik-Bewegung so wichtig ist», sagt die Zürcher Teilnehmerin Fanny Wissler zu watson.

Die Klimaaktivistin Fanny Wissler (links) ist Teil des Gipfeltreffens in Lausanne.

Die Klimaaktivistin Fanny Wissler (links) ist Teil des Gipfeltreffens in Lausanne.

Auch das Organisationskomitee des Gipfels hat die Spannungen mitgekriegt. «Es gab diverse Auseinandersetzungen», sagt Sprecherin Hannah Otto. Grund dafür seien unterschiedliche Erwartungen und Hoffnungen an das Klimatreffen gewesen. Gewisse Teilnehmer seien traurig gewesen, weil sie nicht so viel reden konnten, wie sie wollten. Andere hätten sich missverstanden gefühlt.

Bei einigen Workshops in Lausanne ging es drunter und drüber.

Bei einigen Workshops in Lausanne ging es drunter und drüber.

Deshalb versuchten die jungen Klimaaktivisten am Nachmittag bei einer «Krisensitzung» die Wogen zu glätten. «Danach war's wieder besser und wir haben uns als Gruppe gestärkt gefühlt», so Otto weiter.

Manchen Klimastreikenden ist die Sache dennoch zu bunt geworden: Von der Schweizer Delegation haben einige Leute die Konferenz zumindest vorübergehend verlassen. «Auch ich habe eine Pause gebraucht», so der Ostschweizer Jann Kessler.

Der Klimaaktivist Jonas Kampus war bei den Streiks vorne mit dabei.

Der Klimaaktivist Jonas Kampus war bei den Streiks vorne mit dabei.

Jonas Kampus von Klimastreik Schweiz hat in Lausanne ebenfalls aufreibende Momente erlebt. Es überrasche ihn nicht, dass es beim Gipfel zu grösseren Auseinandersetzungen gekommen sei. «Das war bei den ersten grossen Treffen der Schweizer Klimastreik-Bewegung nicht anders und liegt in der Natur der Sache.»

Sein Ziel sei dennoch erreicht worden: Man habe Leute aus ganz Europa zusammengebracht. «Wir alle spüren aber einen unglaublichen Druck auf unseren Schultern. Die Klimastreikenden sind die einzigen, die ernsthaft etwas gegen den Klimawandel tun. Wir kämpfen für nichts weniger als das Überleben der Menschheit. Dieser Druck wird manchmal einfach zu gross für uns.»

Die Bündnis-Frage

Straffe Klimastreik-Organisation oder loses Bündnis: In den 38 Länder-Delegationen gibt es ganz unterschiedliche Vorstellungen, wie die «Fridays for Future»-Bewegung organisiert sein soll. «Es gibt Leute, die andere Teilnehmer in Diskussionen unter Druck setzen und denen es egal ist, wenn diese auf der Strecke bleiben», versucht Kessler einen weiteren Reibungspunkt zu erklären. Einige Länder-Delegationen hätten sich wenig kompromissbereit gezeigt.

450 Jugendliche versammeln sich seit Montag am Genfersee.

450 Jugendliche versammeln sich seit Montag am Genfersee.

In der Schweizer Klimastreik-Bewegung herrsche hingegen eher das Motto «Leben und Leben lassen», so Wissler. Für sie sei aber sowieso klar, dass die verschiedenen europäischen Klimastreik-Bewegungen auch künftig ihre Eigenheiten bewahren sollten. Wichtig sei einfach, dass alle die gleichen Werte verfolgen. «Wir sind sicher keine Öko-Faschisten und agieren gewaltlos».

Bevor die 450 Klimastreikenden wieder mit dem Zug in alle Himmelsrichtungen verschwinden, wartet am Freitag mit der grossen Klima-Demo in Lausanne ein Highlight auf die Gipfel-Teilnehmer. Das OK erwartet mindestens 1000 Teilnehmer.

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