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Der Dorfpolizist hat vorerst ausgedient

Freund und Helfer Kantonspolizei bietet Gemeinden Leistungen an. (Archiv/niz)

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Freund und Helfer Kantonspolizei bietet Gemeinden Leistungen an. (Archiv/niz)

Lausen macht es Liestal sowie Oberwil nach und lagert die Polizeidienste im Rahmen eines Pilotprojekts aus.

Alessandra Paone

Anders als viele Baselbieter Gemeinden beharrt Lausen nicht auf einer autonomen Gemeindepolizei. Nach dem Weggang des Gemeindepolizisten John Brunner hat sich die Gemeinde intensiv mit der Frage einer eigenen Gemeindepolizei auseinander gesetzt. «Wir sind dabei zum Schluss gekommen, dass wir mit rund 4900 Einwohnern zu klein sind, um die Gemeindepolizeistelle mit einem Pensum von 100 Prozent zu führen», sagt Gemeinderat Paul Tschudin.

Brunner hatte die Stelle Anfang Jahr angetreten. Er arbeitete 50 Prozent als Gemeindepolizist, die restliche Zeit leistete er zugunsten der Einwohnerdiensten. Weil Brunner wieder gänzlich in den Polizeidienst einsteigen wollte, kündigte er seine Stelle in Lausen bereits wieder per Ende Juni.

Der Gemeinderat hat darauf entschieden, im Rahmen eines Pilotprojekts die Dienstleistungen für den Bereich Sicherheits- und Ordnungspolizei bei der Baselbieter Polizei einzukaufen. Zuständig für Lausen ist der Stützpunkt Liestal. Da dieser das ganze Jahr rund um die Uhr besetzt sei, könnten die Bedürfnisse der Gemeinde Lausen optimal abgedeckt werden, ist Tschudin überzeugt. Mit der Kantonspolizei wird eine entsprechende Leistungsvereinbarung abgeschlossen. Lausen kauft im Rahmen von 500 Jahresstunden Leistungen beim Kanton ein. Der Vertrag läuft ab dem 1. Januar 2010.

Leistungen nach Bedarf einkaufen

Ob der Leistungseinkauf beim Kanton die richtige und vor allem die definitive Lösung ist, kann Paul Tschudin noch nicht sagen. Es könne durchaus sein, dass der Gemeinderat nach Ablauf der Pilotphase entscheidet, wieder einen Dorfpolizisten einzustellen. «Wir wollen es jetzt einfach mal testen», sagt Tschudin. Vorteile bei der Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei sieht der Lausner Gemeinderat vor allem darin, dass die Leistungen situationsbedingt und je nach Bedarf bezogen werden können. Ausserdem verfüge die Kantonspolizei über mehr Personal und Fahrzeuge. Nachteile? Vielleicht, dass die Kantonspolizei im Gegensatz zur Gemeindepolizei nicht vor Ort sei, sagt Tschudin. Wobei: «Liestal ist ja nur einen Katzensprung von Lausen entfernt.»

Vor Lausen hat sich die Stadt Liestal im Rahmen des Pilotprojekts bereit erklärt, polizeiliche Dienstleistungen beim Kanton einzukaufen (siehe bz vom 27. Mai). Ein entsprechender Vertrag besteht schon seit Jahren mit Oberwil. Weitere Gemeinden hätten Interesse bekundet, sagt der Sprecher der Baselbieter Polizei, Meinrad Stöcklin. «Gespräche sind im Gang, wir möchten und können diesen aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorgreifen.» Was nach der Pilotphase geschieht, lasse sich noch nicht abschätzen, so Stöcklin. Im Einzelfall könne ein Pilotprojekt entweder in ein Definitivum überführt oder aufgelöst werden.

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