Der deutsche Bestseller-Autor Thilo Sarrazin sagt, er habe sich gegenüber Fuchs noch gar nicht geäussert. «Das war ein Bluff, und ich bin nicht gern Objekt eines Bluffs. Da muss er (Fuchs) schon ein wenig seriöser mit mir umgehen. Ich lasse mich nicht vor den Karren der SVP spannen. Ich würde mich auch nie zur Ausschaffungsinitiative äussern», sagt Sarrazin im «Sonntag». Der Schweiz empfiehlt er, in der Immigrationspolitik mit «materiellen Anreizen» zu arbeiten.

Wenn muslimische Schüler in der Schule nicht mitmachen, seien die Eltern verantwortlich. «Und wenn die Eltern ihre Verantwortung nicht wahrnehmen, sollte man ihnen die Sozialhilfe streichen oder - wenn sie arbeiten - empfindliche Geldbussen auferlegen. Man wird staunen, wie integrationswillig diese Leute auf einmal werden. Jeder Mensch wird in hohem Mass auch von materiellen Anreizen gesteuert.» Die nächsten grossen Einwanderungsprobleme ortet Sarrazin bei den Immigranten aus Afrika. «Es gibt Politiker, die glauben, mit der Einwanderung von Afrikanern liessen sich die demografischen Probleme in Deutschland oder auch in der Schweiz lösen. Das wäre völlig falsch, denn es kommen dann schwarzafrikanische Wanderarbeiter - zu einem Teil muslimischen Glaubens.»

«Es sollen die Besten unterrichten»

Kein Problem für die Schweiz seien die hoch qualifizierten Einwanderer aus Deutschland. Sarrazin: «Die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ist für den Einzelnen hart, für die Volkswirtschaft als Ganzes ist sie aber nur positiv. An der ETH gibt es mehr und mehr deutsche Professoren. Es wäre für die Qualität dieser Hochschule schlecht, wenn sie eine Quote von zum Beispiel 25 Prozent Schweizern einführen würde. Dann würde das Niveau sinken. Es sollen doch die Besten unterrichten - davon profitieren die Studenten.»

Weiter äussert sich Sarrazin, bis vor kurzem Mitglied im Vorstand der deutschen Bundesbank, zur Währungspolitik der Schweiz. Er rät der Nationalbank, den Franken- an den Euro-Kurs zu binden. «Wenn ich der Nationalbank einen Rat geben würde, dann diesen: Sie sollte eine Aufwertung des Frankens verhindern, indem sie den Kurs an den Euro bindet. Ein fixer Wechselkurs wäre ein einfaches Mittel, um die Wettbewerbsfähigkeit der Exportwirtschaft und des Tourismus zu bewahren.» Den Franken zugunsten des Euros aufzugeben, wäre aber falsch. «Ich bin von der Konstruktion der Einheitswährung nicht vollends überzeugt - die Spannungen zwischen den nördlichen und den südlichen Euro-Ländern werden noch zunehmen.» Wo immer möglich, sollte die Schweiz «ihre Unabhängigkeit bewahren. Dazu gehört eine eigene Währung.» Der EU solle die Schweiz fern bleiben, so der Ökonom und Ex-SPD-Politiker. «Sie fährt besser, wenn sie ausserhalb der EU bleibt. Grosse Konstruktionen wie die EU sind ineffizienter als kleinere Länder.»