Verkehr

Der Ceneri-Tunnel beflügelt Verlagerungsoffensive von Bundesrätin Sommaruga

Simonetta Sommaruga gestern im neuen Tunnel. Bild: Elia Bianchi/Key

Simonetta Sommaruga gestern im neuen Tunnel. Bild: Elia Bianchi/Key

Die Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga will den Güterverkehr auf der Schiene mit neuen Massnahmen stärken. Unter anderem mit dem Ceneri Basistunnel.

Mit gelbem Helm und orangefarbener Weste schreitet Simonetta Sommaruga gestern beim Nordportal in den Ceneri Basistunnel. Ein Fachmann orientiert die Verkehrsministerin über den Stand der Arbeiten. Die Geleise sind verlegt, die Leitungen installiert, viele Detailarbeiten sind zwar noch zu erledigen, aber es ist alles im grünen Bereich.

In einem Jahr, am 4. September 2020, wird der Bund den Ceneri-Tunnel mit einer Feier eröffnen. Im Dezember sollen die beiden gut 15 Kilometer langen Röhren, die von Camorino im Norden nach Vezia im Süden führen, in Betrieb genommen werden und im Tessin eine neue Verbindung schaffen. Der 3,6 Milliarden Franken teure Tunnel markiert den letzten Meilenstein des Jahrhundertwerks Neat.

Die Vorfreude im Tessin ist gross. Dank der neuen Linie erhält der Kanton eine neue S-Bahn und die Reisezeit von Lugano nach Locarno halbiert sich auf 30 Minuten. Der Tessiner Volkswirtschaftsdirektor Christian Vitta (FDP) ist wie Simonetta Sommaruga überzeugt, dass der Tunnel das notorische Stauproblem lindert.

940'000 Lastwagen bretterten im letzten Jahr durch die Alpen.

Sommaruga nutzte die Gelegenheit, um eine neue Offensive für den Gütertransport auf der Schiene anzukündigen. «Wir verfügen über eine attraktive Flachbahn, welche die Verlagerung und den Alpenschutz stärkt», sagte die SP-Magistratin vor den Medien. Trotz der Neat-Tunnel am Lötschberg und am Gotthard bleibt das Verlagerungsziel in weiter Ferne. 940'000 Lastwagen bretterten im letzten Jahr durch die Alpen. Im Verlagerungsgesetz sind deren 650'000 als Ziel festgeschrieben.

Verkehrsministerin Sommaruga will deshalb die Schiene mit diversen Massnahmen stärken. Sie plant, die Trassenpreise für die Züge zu senken und besonders langen Güterzügen einen Sonderrabatt zu gewähren, wie sie gestern sagte. Von der Preisreduktion von 10 bis 15 Prozent profitieren würden Züge ab einer Länge von 500 bis 750 Metern. Das Verkehrsdepartement plant auch eine Erhöhung der Schwerverkehrsabgabe (LSVA) für Lastwagen, die nicht den neuesten Umweltstandards genügen. Schliesslich möchte Sommaruga auch künftig Subventionen für Transporteure, die auf den kombinierten Verkehr setzen. Bis jetzt sind solche Beiträge nur bis 2023 vorgesehen.

Volksfest in Bellinzona, Locarno und Lugano

Voraussichtlich im November wird der Bundesrat den nächsten Verlagerungsbericht präsentieren. Geht es nach dem Willen von Sommaruga, gibt dann der Gesamtbundesrat dann grünes Licht für ihre Verlagerungsvorschläge.

Die Ceneri-Eröffnung wird weniger glamourös als jene zur Einweihung des Gotthard-Basistunnels, der 1000 Gäste, darunter Bundekanzlerin Angela Merkel, beiwohnten. Immerhin 650 werden es sein, wenn der Bundesrat am 4. September 2020 den Ceneri-Tunnel in Camorino und Lugano eröffnet. Begleitet wird Verkehrsministerin Sommaruga dann vom Tessiner Bundesrat Ignazio Cassis. Zahlreiche europäische Verkehrsminister werden mitfeiern. Schliesslich bildet die Flachbahn durch die Alpen das Herzstück im Güterverkehrskorridor Rotterdam-Genua. Ein Volksfest in Tessiner Städten ist für den 12./13. Dezember 2020 geplant.

Meistgesehen

Artboard 1