Frauenquote

Der Bundesrat will in der Verwaltung das «Potenzial der Vielfalt nutzen» – das Kader ist skeptisch

Bezüglich Frauenquote gehen die Meinungen auseinander, wie eine Untersuchung zeigt. (Symbolbild)

Bezüglich Frauenquote gehen die Meinungen auseinander, wie eine Untersuchung zeigt. (Symbolbild)

Fürs Erste ist das Ziel erreicht: Ende 2017 hat die Bundesverwaltung ihre selbst gesteckten Ansprüche für den Frauenanteil bei Spitzenposten erreicht. Doch der Bundesrat will mehr.

In den neun höchsten Lohnklassen mit Jahressalären bis zu 378'034 Franken sollen demnach 20 bis 25 Prozent der Kaderangehörigen weiblich sein. Mit 20,4 Prozent lag der Anteil 2017 erstmals knapp innerhalb dieser Bandbreite. Zahlen für das vergangene Jahr werden erst im Frühjahr vorliegen. Und unabhängig davon ist der Bund noch immer weit entfernt von einer gleichmässigen Vertretung der Geschlechter auf der Teppichetage.

Interessant ist vor diesem Hintergrund die Frage, wie die Frauenquote eigentlich bei den höchsten Staatsdienern ankommt. Die Antwort ist ziemlich erstaunlich: Zwischen den Geschlechtern gehen die Meinungen auseinander. Die Frauen im Topkader des Bundes sind gegenüber Quoten eindeutig positiver eingestellt als Männer. Das zeigt eine Untersuchung der Politikwissenschaftler Roman Zwicky und Daniel Kübler vom Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA).

Für eine Studie befragten sie die Topkader der Bundesverwaltung. Dazu zählen unter anderem auch Amtschefs und Generalsekretäre. Ihre Erkenntnisse zu Quoten veröffentlichten die ZDA-Forscher auf der Wissenschaftsplattform «DeFacto».

Unterschiedliche Ansichten

Die Forscher präsentierten den Topkadern verschiedene Aussagen, die sie auf einer Punkteskala von 1 («trifft überhaupt nicht zu») bis 4 («trifft voll und ganz zu») beurteilen konnten. Die Wichtigkeit der Geschlechterquoten beurteilten Frauen durchschnittlich mit 3,4 Punkten. Derweil wird dieses Ziel von Männern mit einem Durchschnittswert von 2,7 Punkten deutlich tiefer eingeschätzt. In der Auswertung ist das im Ausland stationierte Botschaftspersonal nicht berücksichtigt. Von den übrigen 221 Topkadern haben 70,6 Prozent an der Befragung teilgenommen; die Wissenschaftler sprechen von einer hohen Rücklaufquote.

Bemerkenswert ist: Nicht nur, was die Quoten für Geschlechter angeht, sind Spitzenfrauen und Spitzenmänner des Bundes unterschiedlicher Ansicht. Es zeige sich durchs Band, dass Frauen die Quoten der Bundesverwaltung positiver beurteilen, konstatieren die Wissenschaftler. In der Personalstrategie des Bundesrats sind neben Sollwerten für die Geschlechter auch solche für die Sprachenverteilung sowie für den Anteil der Beschäftigten mit einer Behinderung festgeschrieben. Beide werden von Frauen als wichtiger erachtet als von Männern.

Selbst von Quoten profitieren

Der Bundesrat will das «Potenzial der Vielfalt nutzen», wie es in seiner Personalstrategie heisst. Damit leiste man – gerade mit Blick auf die vier Landesteile – einen wichtigen Beitrag zum nationalen Zusammenhalt. Weibliche Führungspersonen sind denn auch stärker davon überzeugt, dass die Ziele bezüglich der Vertretung der einzelnen Sprachgemeinschaften die Chancengleichheit steigern: Frauen bewerten die entsprechende Aussage mit 3,1 Punkten, Männer bloss mit 2,5 Punkten; laut den ZDA-Forschern eine «signifikant tiefere Zustimmung.»

Warum befürworten Frauen die Quoten stärker als Männer? Kübler und Zwicky verweisen auf die internationale Forschung, die ähnliche Erkenntnisse zutage gefördert hat. Eine mögliche Erklärung für die Unterschiede lieferte der amerikanische Soziologe Lawrence Bobo bereits vor 20 Jahren. Sie ist so simpel wie einleuchtend: Wer in der Gesellschaft eine dominante Stellung hat, empfindet Quoten tendenziell als Bedrohung, während historisch Benachteiligte diese eher positiv beurteilen – nicht zuletzt, weil sie selbst davon profitieren könnten.

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Autor

Sven Altermatt

Sven Altermatt

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