Sparvorschlag
Warnlichter sind ein Politikum: Braucht es die Sturmblinker an den Schweizer Seen noch?

Sogar der Bundesrat musste sich mit dem Schicksal der Warnlichter befassen. Über einen Sparvorschlag in stürmischen Gewässern – eine kleine Politposse.

Sven Altermatt
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Sollen bleiben: die Warnlichter an den hiesigen Seen (hier in Stansstad NW).

Sollen bleiben: die Warnlichter an den hiesigen Seen (hier in Stansstad NW).

Bild: Keystone

Braucht’s das noch? Es ist eine Frage, die im digitalen Zeitalter so oder so ähnlich oft zu hören ist. Erst recht, wenn die Verheissungen des Fortschritts versprechen, eine Sache einfacher oder effizienter zu machen.

Das dürfte sich wohl auch FDP-Nationalrat Damien Cottier gedacht haben. Der Neuenburger lancierte einen Sparvorschlag der spezielleren Sorte. «Die Warnlichter auf den Seen haben zwar etwas Schönes», schrieb er in einem Vorstoss an den Bundesrat, «doch braucht es sie noch?»

Im Volksmund oft einfach Sturmblinker genannt, warnen sie Bootsfahrerinnen, Stand-up-Paddler und Seglerinnen vom Ufer aus vor aufkommendem starken Wind oder vor Sturm. Leuchtet das Blinklicht 40-mal pro Minute auf, ist es eine Vorsichtsmeldung. Blinkt es 90-mal pro Minute, heisst es: Ab in den Hafen!

Nostalgie am See?

Früher seien die Anlagen unabdingbar gewesen, stellte Cottier fest. «Für viele haben diese Lichter wohl einen sentimentalen Wert.» Dennoch stelle sich die Frage, ob ihr heutiger Nutzen es noch rechtfertigt, die Warnpflicht aufrechtzuerhalten. Schliesslich stünden den Seebenutzern in den Wetter-Apps auf ihren Smartphones «genauere und schnellere Informationen zur Verfügung».

Ausserdem verwies Cottier auf die hohen Kosten, die durch den Unterhalt entstehen. Die Warnlichter werden nämlich von den Kantonen betrieben. Das zuständige Bundesamt in Alain Bersets Innendepartement, Meteo Schweiz, überwacht bloss die Lage und liefert die Daten.

Dass heute jede und jeder jederzeit detaillierte Wetterdaten auf dem Smartphone abrufen kann, weiss natürlich auch der Bundesrat. Solche Apps seien nützlich für die Ausflugsplanung, konstatiert die Landesregierung in ihrer jüngst veröffentlichten Stellungnahme zu Cottiers Vorstoss – und schiebt gleich eine Überlebenshilfe nach: «Vor allem, bevor man in ein Boot oder auf ein Surfbrett steigt.»

Die Feldforschung des Bundesrats

Braucht’s das noch? Ja, findet die Landesregierung. Sie hat die Frage akribisch abklären lassen. Sogar mit einer «kurzen Anhörung der betroffenen Kreise», wie sie unterstreicht. Das Resultat: «Sowohl die Wassersportlerinnen und Wassersportler als auch die Kapitäninnen und Kapitäne» verliessen sich auf die Warnleuchten und hielten sie für unverzichtbar. Immer wieder trügen diese dazu bei, gefährliche Situationen zu vermeiden. Gerade bei Gewittern, die mitunter schwer vorherzusehen sind.

Ebenso weist der Bundesrat darauf hin, «dass nicht alle Seebenutzerinnen und Seebenutzer ihr Mobiltelefon bei jedem Ausflug mitnehmen können». Und mit der Feststellung, dass sich die Bootsführer ja aufs Lenken konzentrieren müssten, beweist die Landesregierung abermals ihren Sinn fürs Praktische:

«Bei all den von Wind und Motor verursachten Hintergrundgeräuschen ist der Alarm eines Mobiltelefons oder eines anderen Gerätes kaum zu hören.»

Darüber hinaus hält sie fest, dass die Wartungskosten verhältnismässig tief seien.

Allein im Jahr 2020 gab Meteo Schweiz für die Seen insgesamt 2209 Warnungen wegen Starkwinds oder Sturms aus, wie das Amt auf Anfrage publik macht. Allerdings: Letztlich liegt die Hoheit bei den Kantonen. Sie können die Leuchten an den Ufern auch ohne «Bundeswarnung» einschalten – und umgekehrt trotz einer Warnung darauf verzichten.

Am Ende also ist es wie so oft in der Schweiz: Was es braucht, entscheiden die Kantone – auch in stürmischen Gewässern.

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