Die Aufregung war gross unter den Schweizer Segelflugpiloten. Hunderte von ihnen befürchteten, ab Frühling nicht mehr ihrem Hobby nachgehen zu können. Nun haben sie ihr Grounding abwenden können – zumindest vorläufig.

Der Grund des Disputs lässt sich an einem Wort festmachen: Radiotelefonieprüfung (RTP). Im Rahmen der Umwandlung von nationalen in europäische Fluglizenzen verlangte der Bund, dass sämtliche Piloten bis am 8. April 2018 die RTP absolviert haben. Dank dieser können sie mit den Flugverkehrsleitstellen funken. Das zuständige Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) betont, dass die Piloten «im stark strukturierten Schweizer Luftraum über mehr Flugmöglichkeiten verfügen, wenn sie die Radiotelefonie sicher beherrschen». Zudem helfe sie «selbstredend auch bei der Sicherheit des Luftverkehrs». Gemäss Bazl hatten Ende Jahr rund 1700 Segelflugpiloten die RTP in der Tasche – gut 300 jedoch nicht.

«Keinen einzigen Funkkontakt»

Via Segelflugverband hatten sich Letztere zur Wehr gesetzt. Aus ihrer Optik ist für all jene Piloten, die sich ausschliesslich im unkontrollierten Luftraum bewegen, die Radiotelefonieprüfung gar nicht notwendig. Das gilt zum Beispiel für Béatrice Echter, Präsidentin der Schweizer Segelkunstflieger. In einem Leserbrief an diese Zeitung schreibt sie, dass sie seit 22 Jahren Segelflugpilotin sei und «in der ganzen Zeit kein einziges Mal mit einer Flugsicherungsstelle Funkkontakt» habe aufnehmen müssen. Entsprechend verstehe sie nicht, warum sie nun «mit aller Gewalt» eine Radiotelefonieprüfung abzulegen habe.

Die Segelflugbranche richtete zwei Forderungen an den Bund: Die Frist bis zur Umwandlung der Lizenzen soll, in Einklang mit anderen europäischen Staaten, bis zum 1. September 2020 verlängert werden. Und jene Piloten, die nur im unkontrollierten Raum fliegen, sollen die RTP gar nicht erst absolvieren müssen.

Kurz vor den Festtagen hat das Bazl nun allen Trägern einer Segelflug- und Ballonlizenz einen Brief geschickt — quasi ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk: «Die Schweiz hat sich entschieden, die neuerliche Fristverlängerung ebenfalls zu übernehmen», heisst es im Schreiben, das der «Nordwestschweiz» vorliegt. Die Verlängerung erfolge, sobald die EU-Kommission die entsprechende Resolution in Kraft gesetzt habe – was gemäss Einschätzung des Bazl vor Ende Februar der Fall sein dürfte. Kurz: Die Piloten haben ab dann noch zweieinhalb Jahre Zeit, um die RTP nachzuholen.

Kein zweites Geschenk in Sicht

Der Bund kommt den Segelflugpilotenpiloten auch im zweiten Punkt entgegen – allerdings nicht ganz im gewünschten Ausmass. In einem Brief zuhanden des Aeroclubs Schweiz schreibt der Bazl-Direktor, man werde «die Zeit nutzen, um den praktischen Teil des Theorieprüfungsfachs ‹Communication› adäquat an die Bedürfnisse der Segelflugpiloten anzupassen».

Bis anhin bestehen die Szenarien der praktischen Prüfung nämlich aus solchen, die auf Motorflugpiloten zugeschnitten sind. So werden etwa Nachtflüge, Motorenstörungen, Starts und Landungen auf Landesflughäfen und weitere Fälle getestet, mit denen Segelflugpiloten gar nie in Berührung kommen. Wie die Prüfung künftig genau aussehen wird, ist noch offen. Gemäss Bazl werden sich die Anpassungen aber «in einem Rahmen bewegen, der zulässt, dass die gegenseitige Anrechenbarkeit dieses allgemeinen Theorieprüfungsfachs für die verschiedenen Kategorien von Luftfahrzeugen (...) weiterhin gewährleistet werden kann».

Die Segelflugpiloten sprechen angesichts des behördlichen Entgegenkommens von einem «Teilsieg». Sie streben jedoch weiterhin den vollen Erfolg an, wie Matthias Jauslin, Aargauer FDP-Nationalrat und Zentralpräsident des Aeroclubs, sagt. Sprich: Die Radiotelefonieprüfung nur für jene, die den kontrollierten Luftraum auch nutzen. Dank der Fristverlängerung bleibt den Piloten für diesen letzten Kampf nun etwas mehr Zeit. Vonseiten des Bazl gibt es freilich derzeit keine Anzeichen, dass es auch noch ein zweites Weihnachtsgeschenk offerieren wird.