Als Bundesrat Johann Schneider-Ammann gemeinsam mit Ihnen eine Messe in Paris besuchte, zeigte er sich schwer beeindruckt von der fortgeschrittenen Digitalisierung der französischen Landwirtschaft. Hinkt die Schweiz hinterher?

Francis Egger: Nein, wir liegen gegenüber Frankreich oder Deutschland nicht im Rückstand. Auch für die meisten Schweizer Bauern sind ITLösungen heute längst unverzicht-bar: Schätzungsweise sind 98 Prozent unserer Landwirtschaftsbetriebe ans Internet angeschlossen. Bauern müssen unzählige Daten ans Bundesamt für Landwirtschaft liefern, damit dieses die Höhe der Direktzahlungen berechnen kann. Zudem müssen sie Informationen für die Tierverkehrsdatenbank zur Verfügung stellen – ohne Computer wäre das sehr mühsam.

Schweizer Bauern, die bei ihrer täglichen Arbeit die Unterstützung von Robotern in Anspruch nehmen, sind noch immer die Ausnahme.

Die Anschaffung von Robotern ist teuer und lohnt sich deshalb vor allem für grosse Betriebe, von denen es in der Schweiz nicht so viele gibt: Immerhin aber sind in der Schweiz inzwischen beispielsweise rund 500 Melkroboter in Betrieb. Das heisst: Es setzen bereits zwei Prozent aller Milchbetriebe auf solche Geräte.

Es dürften bald viel mehr werden, zumal der Trend ja auch in Richtung immer grösserer Betriebe geht.

Von der Digitalisierung können auch die kleinen Betriebe profitieren. Wir befinden uns zwar bereits mitten in einem Veränderungsprozess, stehen aber noch vor der ganz grossen Revolution. Durch die Mechanisierung ist der Beruf des Landwirts in den vergangenen Jahrzehnten körperlich leichter geworden, die Roboterisierung und die Digitalisierung werden ihn in den kommenden zehn, zwanzig Jahren noch einmal total umkrempeln.

Welche Veränderungen erwarten Sie?

Revolutionär wird die Möglichkeit, alle Daten zu verknüpfen, die unterschiedliche Roboter zur Verfügung stellen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Melkroboter liefern unzählige Daten, erheben unter anderem Milchmenge und -inhaltsstoffe, aber auch das Körpergewicht der Kuh- Dank dieser Daten erfährt der Bauer frühzeitig, wenn eines seiner Tiere krank ist und besondere Pflege benötigt. Fütterungsroboter wiederum steigern die Effizienz eines Betriebes, da der Bauer im Voraus die richtige Menge Futter und die richtige Mischung programmieren kann. In Zukunft werden sich diese beiden Roboter koppeln lassen: Jede Kuh wird dann automatisch genau das Futter erhalten, welches für sie aufgrund der vom Melkroboter erhobenen Daten ideal ist.

Einmal Heu bitte: Der Fütterungsroboter auf seinem Rundgang.

Einmal Heu bitte: Der Fütterungsroboter auf dem Hof von Rudolf Bigler in Mooseedorf.

Den Landwirt braucht es dann gar nicht mehr.

Selbstverständlich braucht es ihn noch. Seine Aufgabe aber verändert sich: Er entwickelt sich noch stärker als bisher vom Handarbeiter zum Manager. Er muss nicht mehr frühmorgens in den Stall, um seine Kühe zu melken – stattdessen muss er seine Maschinen warten, die Buchhaltung führen und das Datenmanagement überwachen. Er muss die richtigen strategischen Entscheidungen treffen.

Die unzähligen anfallenden Daten dürften für kommerzielle Firmen hochinteressant sein. Fürchten Sie einen Kampf um die Datenhoheit?

Tatsächlich: In diesem Bereich muss die Politik dringend Regeln setzen. Seit einiger Zeit fordern wir die Schaffung einer schweizerischen landwirtschaftlichen Datenbank. Wichtig ist: Die Daten müssen dem einzelnen Bauern gehören, und Firmen für deren Nutzung die Genehmigung der Bauern einholen.

Der 56-jährige Freiburger Francis Egger ist in der Geschäftsleitung des Schweizerischen Bauernverbandes seit sieben Jahren für die Bereiche Wirtschaft, Bildung und Internationales zuständig.


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