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Der Bedarf an Pflegebetten steigt bis 2025 massiv an

Pflegebedürftig: Etwa jeder fünfte Einwohner des Kantons Aargau über 80 braucht einen Heimplatz. (Raphael Hünerfauth)

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Pflegebedürftig: Etwa jeder fünfte Einwohner des Kantons Aargau über 80 braucht einen Heimplatz. (Raphael Hünerfauth)

In den nächsten 15 Jahren braucht der Aargau rund 2000 Pflegebetten mehr. Und das, obwohl immer weniger der über 80-Jährigen ins Heim gehen. Im Verhältnis zur Zahl hochbetagter Einwohner sind das allerdings weniger als heute. Der Kanton hat die Pflegeheimkonzeption erarbeitet. Dort steht drin, warum das so ist.

Urs Moser

Der Geburtenrückgang auf der einen und die steigende Lebenserwartung auf der anderen Seite lassen den Anteil betagter Menschen an der Gesamtbevölkerung stetig nach oben steigen. Die Entwicklung ist nicht neu und bekannt, aber die Zahlen sind immer wieder eindrücklich: Der Aargau zählt heute rund 22 000 Einwohner über 80 Jahre, im Jahr 2025 werden es bereits 40 000 sein. Die grosse Frage: Wie viele von ihnen werden dann einen Platz in einer Einrichtung der Langzeitpflege benötigen?

Pflegeheimkonzeption liegt vor

Der Kanton will den Gemeinden mit der Pflegeheimkonzeption ein Mittel zur Planung und Sicherstellung des richtigen Angebots in die Hände geben. Diese Aufgabe wird den Gemeinden mit dem Pflegegesetz vom 1. Januar 2008 übertragen. Die Pflegeheimkonzeption, die der Kanton erstellt, geht nun in die Vernehmlassung und soll vom Regierungsrat bis Ende Jahr definitiv verabschiedet werden. An einer Informationsveranstaltung in Aarau stellte Gesundheitsdirektorin Susanne Hochuli den Entwurf vor.

Während heute im Kanton rund 5900 Pflegeplätze vorhanden sind, sollen es im Jahr 2025 rund 8000 sein - innerhalb von 15 Jahren eigentlich eine gigantische Steigerung. Allerdings: Es werden gegenüber heute sagenhafte 84 Prozent mehr hochbetagte Menschen im Aargau leben, die aber «nur» 38 Prozent mehr Pflegebetten benötigen.

Der Zuwachs der älteren Bevölkerung bedeutet nicht zwangsläufig einen Zuwachs der Pflegebedürftigkeit, wie die Pflegeheimkonzeption dazu festhält. Die Betagten sind heute gesünder als früher. Die Zahl der Jahre, die ein Mensch im letzten Lebensabschnitt behinderungsfrei geniessen kann, steigt an. Dazu kommt eine vermehrte Nutzung von Spitex-Angeboten als Alternative zum Eintritt in ein Heim. Bereits in den letzten zehn Jahren ist die Bettendichte, die Zahl der Pflegeplätze in Prozent der über 80-jährigen Bevölkerung, deutlich von 34,1 auf 26,2 Prozent gesunken.

Die Pflegeheimkonzeption setzt aufgrund des zu erwartenden Verhältnisses den Richtwert für die Pflegebettenplanung fest: Der Kanton geht davon aus, dass der Wert pro Jahr um 1,6 Prozent abnimmt und 2025 bei 19,7 liegen wird. Der Richtwert ist für die Gemeinden verbindlich und versteht sich als Obergrenze für den Bedarfsnachweis in der regionalen und der lokalen Planung. Heute liegt die Auslastung der Pflegebetten bei 98 Prozent, also praktisch beim maximal Möglichen. In der Heim-Umfrage 2008 wurde eine dringliche Warteliste von 940 Plätzen gemeldet. Diese Wartelisten seien zwar mit Vorsicht zu interpretieren und könnten nicht mit einem ungedeckten Bettenbedarf in dieser Höhe gleichgesetzt werden, heisst es in der Pflegeheimkonzeption. Aber dennoch: Sie geben Hinweise auf eine angespannte Situation.

Mit seinem Richtwert bzw. der Abweichung von Richtwert und effektiver Belegung der Heimplätze steht der Aargau im Vergleich mit anderen Kantonen nicht schlecht da. St. Gallen zum Beispiel liegt mit 30 Prozent leicht über dem angestrebten Richtwert. Thurgau hat den Richtwert in mehreren Schritten auf 27,9 Prozent gesenkt und erreicht ihn effektiv. Solothurn hat 2005 den Richtwert auf 21 Prozent festgelegt, obwohl in diesem Jahr effektiv ein Wert von 23,5 Prozent erreicht wurde.

Grosse regionale Unterschiede

Innerhalb des Aargaus auffallend sind die regionalen Unterschiede in der Prognose der Bevölkerungsentwicklung. Vergleichsweise «jung» präsentieren sich die Bezirke Aarau und Zofingen, während in Bremgarten doch eine deutliche Überalterung festzustellen ist. Auf der Basis von 2007 (100 Indexpunkte) sieht der 80-plus-Index in den Bezirken für 2030 wie folgt aus: Aarau 175, Baden 240, Bremgarten 301, Brugg 223, Kulm 178, Laufenburg 234, Lenzburg 198, Muri 259, Rheinfelden 241, Zofingen 180, Zurzach 241.

Die heutige Verteilung der Pflegeheimplätze auf die Bezirke sieht wie folgt aus: Aarau 960, Baden 953, Bremgarten 718, Brugg 380, Kulm 450, Laufenburg 209, Lenzburg 358, Muri 418, Rheinfelden 359, Zofingen 730, Zurzach 261.

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