Kirche

Der Armee gehen die Seelsorger aus

Armeeseelsorgen können Gottesdienste anbieten.

Armeeseelsorgen können Gottesdienste anbieten.

Die Schweizer Armee ist auf der Suche nach Seelsorgern. Doch immer weniger Pfarrer können sich für den Dienst in der Armee begeistern - weil sie den Aufwand scheuen oder Vorurteile gegenüber dem Militär haben.

Wenn ein junger Rekrut plötzlich völlig blockiert am Gewehr steht oder ein Soldat fast verzweifelt, weil seine Mutter zu Hause die Diagnose Krebs erhalten hat, kommt der Armeeseelsorger zum Zug. Er überweist die Rekruten entweder an den psychologisch-pädagogischen Dienst oder betreut den Soldaten gleich selbst.

«Armeeseelsorger sind keine Therapeuten», sagt Pfarrer Matthias Inniger gegenüber der «Berner Zeitung». Aber in Notsituationen seien sie für viele Armeeangehörige die erste Adresse, an die sie sich wenden können. Denn Armeeseelsorger können jederzeit und ohne Berücksichtigung eines Dienstweges herbeigerufen werden. Zu Beginn jeder Rekrutenschule und jedes Kaderkurses stellt sich der zuständige Seelsorger vor, damit jeder Bescheid weiss. «Der Bedarf nach unserem Dienst ist da», sagt Seelsorger-Chef Urs Aebil.

Das Problem: Der Dienstzweig der Seelsorger ist vom Aussterben bedroht. Eigentlich bräuchte die Armee laut Aebi 300 Seelsorger, gegenwärtig sind aber nur deren 248 eingesetzt.

Kein Zwang

Doch kein Pfarrer und keine Pfarrerin könne zum Amt gezwungen werden. Momentan suchen die reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn auf ihrer Homepage junge Pfarrer für den Dienst in der Armee.

Doch das Interesse ist gering, obwohl die Voraussetzungen für den Job angepasst wurden. So ist seit letztem Jahr der Abschluss einer Rekrutenschule keine Bedingung mehr. Pflicht ist gemäss Aebi nur noch ein siebenwöchiger Einführungskurs mit der Swisscoy.

Was hält also die Pfarrer ab? Wie Seelsorger Inniger gegenüber der «Berner Zeitung» erklärt, würden viele Pfarrschaften den Zusatzaufwand scheuen. Denn Armeeseelsorger behalten ihr Pfarramt und rücken dann ein, wenn sie gerufen werden.

Zudem hätten viele Pfarrer Vorurteile gegenüber den Armee. Doch Aebi sieht in der Arbei bei der Armee vor allem Vorteile: «In der Armee treffen sie auf junge Leute, mit denen sie zu Hause kaum mehr in Kontakt kommen.»

Meistgesehen

Artboard 1