Sex-Vorwürfe gegen Sittenpolizisten, Mörgeli-Affäre, Pädophilen-Fall – wo ein Skandal ist, ist auch Valentin Landmann. Der schillernde Zürcher Rechtsanwalt mit der Vollglatze und einer Vorliebe für Totenköpfe hat seine sonst schon eindrückliche Medienpräsenz – fast 400 Einträge in der Mediendatenbank SMD innert eines Jahres – in den vergangenen Tagen nochmals erhöht. Kaum ein Kriminalbericht, in dem sein Name fehlt.

Diese Woche verteidigte er vor dem Bezirksgericht Münchwilen TG einen Vater, der seinen Sohn sexuell missbrauchte und an Pädophile verkaufte. Ein Fall, der landesweit für Schlagzeilen sorgte – wie so oft, wenn der Strafverteidiger Valentin Landmann heisst.

Verteidiger Valentin Landmann äussert sich zum Urteil im Kinderschänder-Prozess

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Der Brief aus dem Gefängnis

«Ich verteidige nicht die Tat, sondern den Menschen», pflegt der 63-Jährige zu antworten, wenn er nach dem Warum gefragt wird. Warum er die Verteidigung von besonders grausamen Verbrechern übernimmt.

So wie zuletzt in einem der schwersten Fälle von Kindsmisshandlung seit Jahren. Landmanns Interesse hatte ein Brief geweckt, den ihm der Täter aus dem Gefängnis schrieb: «Ich war das Monster, wollen Sie mir trotzdem helfen?» Beim ersten Treffen habe er sogleich den Zugang zu ihm gefunden, sagt Landmann. «Wenn ich nur ‹Igitt, wie schrecklich› sage, ist niemandem geholfen.»

Obwohl er die Tat «so schlimm findet wie alle anderen auch», entschied er sich, dem Angeklagten vor Gericht zur Seite zu stehen. Er konnte allerdings nicht verhindern, dass das Urteil mit 13 Jahren Freiheitsstrafe die Forderung der Staatsanwaltschaft sogar noch übertraf.

Weil sein Mandant «nicht in einer Massnahme versenkt» wurde, wertet er den Prozess dennoch als Teilerfolg. «Meine Aufgabe ist es nicht, ein Delikt zu beschönigen, sondern zum richtigen Entscheid beizutragen.»

Nach eigenen Angaben suchen die Klienten ihn aus – nicht umgekehrt. Das vermag beim wohl prominentesten Strafverteidiger des Landes wenig zu erstaunen. Sein hoher Bekanntheitsgrad ist das Resultat von jahrelanger Medienpräsenz und einem Hang zur Selbstinszenierung. «Er ist ein eleganter Selbstvermarkter», sagt der Zürcher Anwalt Bruno Steiner, der mit Landmann studiert hat.

Für Fotografen setzt er sich gerne in Szene, mit Totenköpfen und auffälliger Uhren-Krawatte. Und er scheut sich nicht – im Unterschied zu vielen Berufskollegen –, in den Medien ausführlich zu seinen aktuellen Fällen Stellung zu nehmen. So stellte er sich im Zusammenhang mit der Affäre um Christoph Mörgeli, den er juristisch berät, den Fragen von Roger Schawinski – und liess sich von dessen angriffigem Stil nicht aus der Ruhe bringen.

Verteidiger rüsten auf

«Wenn Prozesse in der Öffentlichkeit stattfinden, muss ein Anwalt mit dem grossen Medieninteresse umgehen können», sagt Strafrechtsprofessor Martin Killias. Es sei legitim, dass sich ein Strafverteidiger öffentlich zum Fall äussert. «Oftmals lässt sich so auch einen Klienten schützen. Die Vorverurteilung in den Medien wie beispielsweise im Fall Mörgeli fällt teilweise massiv aus.»

Killias stellt zudem ein Ungleichgewicht in der Kommunikation fest: «Polizei und Staatsanwaltschaft professionalisieren ihre Medienarbeit zunehmend und engagieren Pressesprecher. Das ist nicht unproblematisch.» Denn die Annahme, dass sich Richter von der öffentlichen Meinung und den Medienberichten überhaupt nicht beeinflussen liessen, sei unrealistisch. «Deshalb ist es nur logisch, dass auf der Seite der Verteidigung aufgerüstet wird.»

Der Zürcher Strafverteidiger Bruno Steiner pflichtet ihm bei: «Gerichte reagieren oft auf Druck der Öffentlichkeit, etwa um Kuscheljustiz-Vorwürfe zu vermeiden.» Allerdings könne zu viel Publizität auch ein Nachteil sein.

Valentin Landmann selber sagt, er wende sich nur dann an die Öffentlichkeit, wenn dies vom Klienten gewünscht werde. «Es gibt Fälle, in denen es wichtig ist, dass der Anwalt hin steht und sich nicht versteckt.» Die Medienarbeit mache er gerne, sagt er – vielleicht auch deshalb, weil er dabei gleich noch die Werbetrommel für sein neustes Buch rühren kann.