Kampfjet-Debatte
Der Absturz des F/A-18-Doppelsitzer gibt neuen Kampfjets Auftrieb

Nach dem Unglück hat die Luftwaffe nur noch fünf Doppelsitzer. Namhafte Sicherheitspolitiker fordern nun, dass Verteidigungsminister Ueli Maurer die Beschaffung neuer Flugzeuge möglichst rasch aufgleist.

Bastian Heiniger
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Ein F/A-18-Flugzeug der Schweizer Luftwaffe über Sitten (Archiv)
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Zwei Schweizer F/A-18-Kampfjets sorgten für die Überschallknalle.
Zwei F/A-18-Kampfjets haben am Dienstag bei einem Einsatz über dem Kanton Aargau mit lautem Knall die Schallmauer durchbrochen. (Symbolbild)
Ein Militärjet der Schweizer Luftwaffe ist im französischen Grenzgebiet zur Schweiz abgestürzt (Symbolbild).
Zwei F/A-18 der Schweizer Luftwaffe über Kerzers (Archiv)
Ein F/A-18-Kampfjet steht vor dem Start in einem Hangar der Schweizer Luftwaffe

Ein F/A-18-Flugzeug der Schweizer Luftwaffe über Sitten (Archiv)

Keystone

Je kleiner die Kampfjetflotte, umso grösser werden die Probleme für die Schweizer Luftwaffe. Die Durchführung von Trainingseinheiten wird schwieriger – seit dem Absturz vom Mittwoch sind nur noch fünf von ursprünglich acht F/A-18-Doppelsitzern vorhanden. Die noch bestehenden Flugzeuge kommen öfter zum Einsatz. Ihre Abnützung beschleunigt sich. Auf Anfrage bestätigt die Luftwaffe: Der Verlust der Maschine führe zu einer stärkeren Belastung der Flotte.

Namhafte Sicherheitspolitiker fordern nun, dass Verteidigungsminister Ueli Maurer die Beschaffung neuer Flugzeuge möglichst rasch aufgleist. Der Präsident der ständerätlichen Sicherheitskommission, Alex Kuprecht (SVP/SZ), sagt: «Der Bundesrat soll nun die Evaluation vorantreiben.» Kuprecht rechnet damit, dass es bis 2029 dauert, bis neue Flieger einsatzfähig wären. «Bis dahin darf es keine weiteren Verluste mehr geben.»

In der Herbstsession beauftragte das Parlament die Exekutive, einen Masterplan für die Luftraumsicherung auszuarbeiten. Das Ziel: Der Bundesrat soll aufzeigen, wie er den Luftraum in den kommenden Jahren sichern will, wie er die Instandhaltung der F/A-18 gewährleistet und wann er die Evaluation der neuen Kampfflugzeuge startet.

FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger (AG) findet es aufgrund des Absturzes umso wichtiger, dass sich der Bundesrat nun an den Masterplan halte – auch wenn der Staat sparen müsse. «Die Evaluation darf nicht herausgeschoben werden.»

Schneller als beim Gripen

Ähnlich sieht das CVP-Nationalrätin (LU) Ida Glanzmann: «Der Ball liegt nun beim Bundesrat.» Dieser hätte die Chance, das Ganze zu beschleunigen. «Das VBS soll möglichst rasch aufzeigen, wie man die neuen Flieger finanzieren will.» Glanzmann befürchtet, dass sonst wie beim Gripen jemand das Referendum ergreift und die neuen Jets alsbald bachab geschickt werden.

Der wohl grösste Flieger-Enthusiast im Parlament ist Thomas Hurter. Von 1986 bis 1993 war der Schaffhauser SVP-Nationalrat Berufsmilitärpilot und Fluglehrer. Er sagt: «Die Beschaffung muss schneller gehen als beim Gripen.» Die F/A-18 könnten zwar bis nach 2030 im Einsatz bleiben. Doch dafür bräuchten die Jets Massnahmen zur Werterhaltung. Anfang Oktober kündigte Armeechef André Blattmann in einem Interview mit dieser Zeitung bereits solche Massnahmen an. Die Schweiz müsse mit Ländern wie Finnland oder Spanien zusammenspannen, um die F/A-18-Flotte auf den neusten Stand zu bringen, sagte er. Eine separate Entwicklung käme zu teuer. Blattmann traf deshalb bereits den amerikanischen Armeechef.

Dass die F/A-18-Jets auch in zehn Jahren noch einsatzfähig seien, sagt auch Aviatik-Experte Max Ungricht. Problematisch sei aber nun die Ausbildung junger Piloten. Diese beginnen ihre Schulung auf den PC-21-Fliegern und wechseln dann auf die F/A-18-Doppelsitzer. «Die verbleibenden fünf Jets werden jetzt noch mehr Stunden fliegen.» Und eine Kooperation mit dem Ausland sei nicht möglich. «Dafür sind die Konfigurationen der Flieger zu unterschiedlich.»