Hoffnung für den Aargauerplatz
Der Aargauerplatz wird versuchweise ein Kreisel

Das Projekt stammt aus dem Jahr 2002. Jetzt soll der Verkehrsknoten Aargauerplatz in Aarau endlich einen Kreisel erhalten - vorerst provisorisch.

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Aargauerplatz

Aargauerplatz

Aargauer Zeitung

Hermann Rauber

Baden hat seine berüchtigte «Piazza insalata» (Schulhausplatz), die Kantonshauptstadt Aarau ihren gefürchteten Aargauerplatz. Das Verkehrsregime vor dem historischen Aargauer Regierungsgebäude ist seit Jahrzehnten Objekt planerischer Bemühungen. Es sind mittlerweile bald acht Jahre her, seit der Aarauer Einwohnerrat einen Verpflichtungskredit absegnete, und zwar 200000 Franken für einen Versuchsbetrieb «Alternativprojekt Bahnhofstrasse». Die neue Verkehrslösung sah auf dem Aargauerplatz, der städtischen Drehscheibe aus vier Himmelsrichtungen, einen provisorischen Kreisel mit 24 Meter Durchmesser vor, verbunden mit Dosierungspforten von Süden und von Westen her.

Seither ist viel Wasser die Aare hinuntergeflossen. Auf dem Aargauerplatz aber hat sich nichts verändert. Denn die rasche Umsetzung wurde durch Beschwerden blockiert, von denen eine noch immer vor Bundesgericht hängig ist. Immerhin hat «Lausanne» den rechtlichen Bedenken die aufschiebende Wirkung entzogen. Zur Erleichterung von Stadtammann Marcel Guignard, der betont, dass man «umgehend» mit der Realisierung beginnen könnte. Ganz so einfach ist die Chose allerdings nicht. Der Kanton Solothurn hat im Streit über die geplante Pförtneranlage für die Dosierung des Verkehrs in Stosszeiten in der Wöschnau noch immer nicht entschieden. Deshalb muss die Bauherrschaft das entsprechende Lichtsignal auf Stadtgebiet, unmittelbar bei der Abzweigung Roggenhausen, versetzen.

Federführend in Sachen Aargauerplatz ist das kantonale Departement Bau, Verkehr und Umwelt, handelt es sich doch um eine Kantonsstrasse. Peter Mühlebach, Chef Tiefbau beim Stadtbauamt Aarau, drängt bald acht Jahre nach dem Kreditbeschluss endlich auf eine Umsetzung und möchte den Versuchsbetrieb auf dem Aargauerplatz bereits «nach den Sommerferien» aufnehmen. Beim Kanton ist man beim Terminplan etwas weniger forsch. «Wir können mit den baulichen Massnahmen erst beginnen, wenn das Urteil des Bundesgerichts zur Beschwerde vorliegt», beharrt Georges Stauffer vom Baudepartement.

Trotzdem sind im Januar die Vorarbeiten in der Verwaltung angelaufen. Im Moment allerdings sind die vorhandenen Kapazitäten an Verkehrsingenieuren durch den Staffeleggzubringer und den Autobahnanschluss Oftringen-Wiggertal gebunden. Engpässe gibt es laut Stauffer aber auch bei den Lieferfristen der drei benötigten Lichtsignalanlagen, an der Oberen Vorstadt, am Rain und an der Schönenwerderstrasse. Beim Kanton geht man also eher von einem Baubeginn im Spätherbst 2010 aus. Weil die Witterung im Winter für den Tiefbau ungünstig ist, dürfte es gemäss Stauffer wohl Frühling 2011 werden, bis der Versuch mit dem Kreisel auf dem Aargauerplatz in Aarau starten kann.

Sollte die Testphase zeigen, dass die Verkehrsführung über einen Kreisel am Aargauerplatz zum Kollaps führt, wird man laut Peter Mühlebach wieder zum gewohnten Regime mit dem winkenden Securitas-Mann auf der Kanzel zurückkehren und nach anderen Lösungen suchen müssen. Zum 2002 vom Einwohnerrat beschlossenen Bauprojekt gehört neben dem Aargauerplatz in einer zweiten Phase auch die Neugestaltung der Bahnhofstrasse. Die «städtebauliche Repräsentationsachse» der Kantonshauptstadt wurde bereits vor acht Jahren als «unattraktiv» und für Velofahrer und Fussgänger als «gefährlich» bezeichnet. Vor allem die Querung der breiten Fahrbahn, die in jüngster Zeit wegen des Bahnhof-Neubaus wieder in die Schlagzeilen geraten ist, soll durch einen Mittelstreifen entschärft werden, der für eine «moderne Möblierung» sorgen soll. Auch hier ist vorgesehen, vor einer fixen Installierung vorerst einen Testlauf über einen Zeitraum von drei bis vier Monaten vorzunehmen.