Der Aargau steht gut da, aber die Konkurrenz schläft nicht

Der Aargau steht finanziell immer noch überdurchschnittlich gut da, und das mit unterdurchschnittlich tiefen Steuern. Aber der Wettbewerb ist hart: Ausgaben und Steuerquote steigen schneller als anderswo.

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Urs Moser

Das Departement Finanzen und Ressourcen hat zum fünften Mal die Broschüre «Öffentliche Finanzen des Kantons Aargau» veröffentlicht. Das Zahlenmaterial ist für den Normalbürger eher schwer verdauliche Materie, die Politiker dürften sich aber darauf stürzen. Denn es stehen harte Debatten und Verteilkämpfe um öffentliche Gelder bevor. Obwohl sich die Finanzlage wieder verschlechtert, kann es der bürgerlichen Seite nicht schnell genug gehen mit weiteren Steuerentlastungen. Die Linke dagegen will angesichts der knapper werdenden Mittel sogar die Erleichterungen der letzten Steuerrevision wieder rückgängig machen. Da liefern insbesondere die Vergleiche mit anderen Kantonen Anhaltspunkte und hüben wie drüben Argumentationshilfen für die Diskussion.

Solide Finanzlage

Zum Beispiel punkto der vertretbaren Verschuldung. Sie hatte im Aargau wie in der ganzen Schweiz zwischen 1990 und 2007 beträchtlichm, aber nicht überdurchschnittlich zugenommen. Und mit einer Bruttoverschuldung von 3787 Franken pro Kopf (Stand 2007) gehört der Aargau zu den am wenigsten verschuldeten Kantonen der Schweiz. Im Vergleich zum Durchschnitt aller Kantone fällt die Pro-Kopf-Verschuldung im Aargau zweieinhalb Mal geringer aus.

Starkes Ausgabenwachstum

Das sieht zwar nach einem komfortablen Spielraum aus, der Eindruck relativiert sich aber. Zwar weisen die Ausgaben der öffentlichen Hand Pro Kopf der Bevölkerung im Aargau ein unterdurchschnittliches Niveau auf, doch sind sie in der untersuchten Periode von 1990 bis 2007 deutlich stärker gestiegen als anderswo. Und die Vergleiche deuten darauf hin, dass in verschiedenen Sparten Nachholbedarf besteht. Beim Aufwand für die öffentliche Sicherheit zum Beispiel - tendenziell sicher ein Wachstumsbereich - wies der Aargau 2007 immer noch das tiefste Niveau unter den Vergleichskantonen aus, obwohl das Ausgabenwachstum in der untersuchten Periode von 1990 bis 2007 leicht überdurchschnitlich war. Auch im Bereich der sozialen Wohlfahrt hat sich der Aufwand überdurchschnittlich entwickelt und der Aargau weist immer noch das tiefste Aufwandniveau aus. Das dürfte nicht unbedingt auf eine Stagnation der Ausgaben hindeuten. Ähnliches lässt sich für den Verkehr vermuten: Hier liegt der Pendler- und «Durchfahrtkanton» Aargau, wo mit massivem Investitionsbedarf zu rechnen ist, bei den Pro-Kopf-Ausgaben leicht unter dem Mittel der Vergleichskantone, und teuerungsbereinigt war in den letzten Jahren sogar eine Abnahme der Ausgaben festzustellen, während andere Kantone ein mehr oder weniger deutliches Wachstum, Baselland zum Beispiel um über 50 Prozent, zu verzeichnen hatten.

Harter Steuerwettbewerb

Wichtige Grössen im Standortwettbewerb unter den Kantonen sind die Staats- und die Steuerquote. Hier ist der Aargau ähnlich positioniert wie die Schweiz im internationalen Vergleich: an sich nach wie vor sehr gut, aber die nach oben zeigenden Kurven geben zu denken. Die Steuerquote liegt im Aargau mit 12,1 Prozent klar unter dem Durchschnitt aller Kantone von 14 Prozent. Aber während die Steuerquote im gesamtschweizerischen Durchschnitt zwischen 1990 und 2007 um 1,9 Prozent gestiegen ist, betrug das Wachstum im Aargau 7,5 Prozent. Ähnlich sieht es bei der Staatsquote aus: Mit 21,5 Prozent liegt sie deutlich unter dem Durchschnitt, das Wachstum von knapp 19 Prozent in den letzten Jahren war aber beträchtlich.