Strassenverkehrszählung
Der Aargau ist Versuchskaninchen für neue Verkehrzählungsgeräte

Die Verkehrszählungen, bei denen einst alle 5Jahre bis zu 2000 Freiwillige im Einsatz standen, sind vorbei. Die Daten werden nur noch automatisch erhoben. Die neusten Geräte werden zurzeit im Aargau erprobt.

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Pilotanlage Strassenverkehrszählung

Pilotanlage Strassenverkehrszählung

Toni Widmer

Den roten Kopf vom steifen Wind, den Husten vom Stumpen und den geschwollenen Daumen vom Drücken des Handzählers - Tausende von Schweizer Rentnern haben Tage damit verbracht, von provisorischen Unterkünften am Strassenrand aus den Verkehr zu zählen. Ein Rentner zählte die Autos, der nächste die Lastwagen und der dritte die Motorräder.

Heute geht das automatisch. Die neueste Generation von elektronischer Zählgeräten erkennt in Sekundenbruchteilen, was für ein Fahrzeug die in die Strasse eingelassenen Induktionsschlaufen passiert hat. «Diese Geräte können nicht nur zwischen Auto, Lastwagen und Motorrad unterscheiden, sie definieren ebenso exakt Lieferwagen und Sattelschlepper», erklärt Jonathan Rudaz, Projektleiter Messstellennetze beim Bundesamt für Strassen (Astra). Die Generation von Geräten, die nicht nur die Verkehrsbelastung erhebt, sondern die gezählten Fahrzeuge auch klassifiziert, wird nur auf den wichtigen Strassenabschnitten eingesetzt.

Seit 80 Jahren wird gezählt

1928 wurde in der Schweiz erstmals der Verkehr gezählt. Seit werden die Daten europaweit nach dem Standard der Vereinten Nationen (UNO) erfasst. So lässt sich heute die Verkehrsbelastung und -entwicklung von rund dreissig Ländern exakt vergleichen.

1961 wurden vom Astra auf den wichtigsten Strassenverbindungen die ersten automatischen Verkehrszähler eingerichtet, welche fortan die Verkehrsbelastungen permanent erfassten. Das Netz dieser automatischen Zählstationen ist bis Ende 2009 auf rund 330 angewachsen.
Bei der letzten Schweizerischen Verkehrszählung (SSVZ) von 2005 waren erst 175 automatische Zählstellen in Betrieb. An 134 Standorten wurde damals das Zählpersonal von elektronischen Geräten bei der Erfassung unterstützt, am 144 weiteren Zählstellen erfolgte die Datenerhebung noch manuell.

Die seit 1951 alle fünf Jahre durchgeführte SSVZ gehört der Vergangenheit an. Sie wird abgelöst von der Schweizerischen automatischen Strassenverkehrszählung (SASVZ). Die Verkehrsdatendatenerfassung erfolgt inskünftig sowohl auf den Hauptverkehrsachsen wie auch auf den Nebenstrassen permanent.

Pilotanlagen im Aargau

Dabei gibt es eine Arbeitsteilung zwischen Bund und Kantonen. Der Bund stellt und betreibt die automatischen Zählgeräte, die Kantone sind für die bauseitige Installation sowie für Strom- und Datenleitungen verantwortlich.

Bisher stammten alle Zählgeräte von einem einzigen Anbieter. Nun hat ein neuer Anbieter die Ausschreibung für die Modernisierung und Erweiterung des automatischen Messstellennetzes gewonnen. Seine Geräte werden in den nächsten Wochen einem ausführlichen Praxistest unterzogen. Montiert wurden sie auf der A1 in Oftringen und auf der stark befahrenen Bünztalstrasse in Hendschiken.

Daten für Verkehrs-Monitoring

Bei der Inbetriebnahme am Montag wurde als erstes ein Referenzvideo erstellt: «Mit dieser visuellen Kontrolle überprüfen wir, ob ein Gerät exakt zwischen den einzelnen Fahrzeugkategorien unterscheiden kann», erläutert Jonathan Rudaz.

Laut Marcel Dätwyler, Projektleiter Elektrotechnik Verkehrsmanagement in der Abteilung Tiefbau, werden die künftig praktisch flächendeckend und vor allem permanent erhobenen Verkehrszahlen auch dem Aargau bald gute Dienste leisten. «Diese Daten bilden die Grundlage für das geplante Verkehrsmanagement Aargau, für das in Baden ein Pilotversuch läuft.» Ziel des Verkehrsmanagements ist es, die Verkehrsströme im Aargau zu optimieren und damit Staus zu minimieren.

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