Mathias Küng

Vor wenigen Jahren war die tiefe Geothermie in der Schweiz ein grosses Thema. Denn das Potenzial dieser sauberen Energieform ist fast so gross wie das aller anderen neuen erneuerbaren Energien zusammen. Allerdings steht in der Schweiz bis heute kein einziges solches Kraftwerk. Zwei mit vielen Hoffnungen begleitete Projekte in Basel und jüngst in Zürich sind gescheitert. Derzeit hofft die Geothermie-Gemeinde auf ein Projekt in St. Gallen.

Doch auch im Aargau wäre so ein Kraftwerk denkbar. Denn die terrestrische Wärmestromdichte ist hier hoch. Dies sagte der Aarauer Geologe Mark Eberhard am Energie-Gipfel. Einen ganz besonders hohen Wärmefluss weist die Region Brugg auf. Das weiss man aufgrund einzelner tieferer Bohrungen
(z. B. Schinznach-Bad), der geologischen Strukturen und von Störungsverläufen. Weil solche Bohrungen ausserordentlich teuer sind und in der Schweiz noch unsystematisch vorgegangen wird, schlug Eberhard eine kantonsübergreifende Explorationsgesellschaft vor. Diese «könnte sich aus diversen Elektrizitätsunternehmen unter Beteiligung des Bundes, der Kantone, Gemeinden, weiterer Firmen und Hochschulen zusammensetzen».

Hoffnung auf Elektroautos gedämpft

Auf grosses Interesse stiessen auch Vorträge des Zürcher Professors für Sozialpsychologie Heinz Gutscher und von dessen Kollegen für Thermotronik, Lino Guzzella. Guzzella dämpfte die hohen Erwartungen in Elektroautos massiv. Zum einen, weil die Batterien sehr teuer sind und sich dies die Abermillionen Menschen in Schwellenländern, die bald auch automobil werden, nicht leisten können. Zum andern, weil Strom weltweit immer öfter aus Kohlekraftwerken stammt. Guzzella trocken: «Sie schaden der Umwelt, wenn Sie elektrisch fahren.» Er hofft, dass dereinst der Auto-Bordcomputer mit Abstandssensoren etc. Autounfälle verhindert. Dann könne man die Autos wieder viel leichter bauen und sie mit viel weniger Energieaufwand bewegen. Davon profitiert die Umwelt dann tatsächlich. Aber auch das ist Zukunftsmusik.

Beyeler: Stromlücke kein Mythos

Zukunftsmusik ist auch die Stromlücke. Aber sie wird kommen. Da ist sich der Aargauer Energiedirektor Peter C. Beyeler ganz sicher – auch wenn man die erneuerbaren Energien ausschöpft. Er erwartet, dass 2035 etwa 20 Prozent des nötigen Stroms fehlen werden. Die Stromlücke könne man nicht als Mythos abtun. Auch diejenigen, die alles auf die Frage AKW ja oder nein reduzieren, versteht Beyeler nicht. Für ihn geht es in der Energiezukunft nicht um ein «Entweder/Oder» sondern nur um ein «Sowohl als auch».