Aargau

Der Aargau hält am Latein fest

«Catullum Cantare»: Lateinschülerinnen in Römergewändern trugen am ersten Lateintag 2008 in Brugg im Rahmen eines Wettbewerbs selbst vertonte Verse von Catull vor. Im Herbst findet wiederum ein Lateintag statt. (zvg)

Der Aargau hält am Latein fest

«Catullum Cantare»: Lateinschülerinnen in Römergewändern trugen am ersten Lateintag 2008 in Brugg im Rahmen eines Wettbewerbs selbst vertonte Verse von Catull vor. Im Herbst findet wiederum ein Lateintag statt. (zvg)

Im Lehrplan 21 für die Volksschule ist Latein als Teil der gymnasialen Vorbildung nicht vorgesehen. Der Aargau setzt sich dafür ein, dass es weiterhin einen verbindlichen Lehrplan gibt.

Hans Fahrländer

Mit der Abwertung des humanistischen Bildungsideals im Gefolge der 68er-Bewegung geriet auch das Schulfach Latein als «Privileg einer Bildungselite» zunehmend unter Legitimationsdruck. In einer zweiten Welle setzte ihm auch das «globalisierte» Englisch zu – und die Tatsache, dass Latein als Zulassungsbedingung für wichtige Studien (Medizin, Jurisprudenz) weggefallen ist. Doch Latein ist nicht tot. Zumindest in der Schule Aargau nicht.

«Eigentlich» gibt es keinen Lehrplan

Zurzeit erarbeiten die Deutschschweizer Kantone gemeinsam den Lehrplan 21 (LP 21). «Latein als Teil der gymnasialen Vorbildung ist an sich nicht Gegenstand des Lehrplans 21», heisst es in einer Mitteilung der LP21-Geschäftsstelle. Und weiter: «Wenn mehrere Kantone einen Latein-Lehrplan wünschen und finanzieren, kann ein solcher erarbeitet werden.»

Nach Auskunft von Kathrin Schmocker, Co-Projektleiterin des LP 21, haben sich in der Vernehmlassung 9 Kantone für einen Lehrplan Latein ausgesprochen, 8 waren dagegen. «Ja, wir waren bei den zustimmenden Kantonen, wir wollen einen Lehrplan Latein», bestätigt Irène Richner, Kommunikationschefin des Bildungsdepartementes. Zugestimmt haben alle Nordwestschweizer Kantone und unter anderem Luzern und St. Gallen.

Doch damit ist noch nichts gewonnen: Die zustimmenden Kantone müssen nun ihre Bereitschaft erklären, auch für die Finanzierung aufzukommen. Diese Antworten stehen noch aus. Natürlich kann ein Kanton auch ohne einheitlichen Lehrplan Latein anbieten. Doch vorab auf der psychologischen, der Verpflichtungsebene wäre das Fehlen von Latein im neuen Lehrplan 21 ein Rückschlag.

Einheitliche Lösung wäre wichtig

«Wenn nicht alle Kantone einen einheitlichen Lehrplan auf der Oberstufe haben, schafft das stossende Ungleichheiten», sagt Marie Louise Reinert, Lateinlehrerin an der Bezirksschule Wettingen und Präsidentin des Trägervereins «Lateintag.ch» (der Verein führt übermorgen seine Generalversammlung in Brugg durch, www.lateintag.ch). Gemäss Reinert gäbe es Wettbewerbsnachteile für Kantone ohne Untergymnasium (das Untergymi ist Teil der gymnasialen Bildung und bietet automatisch Latein an). Zudem würden wieder neue Mobilitätshindernisse bei Kantonswechseln geschaffen. Schliesslich: «Latein ist nicht einfach eine zusätzliche Fremdsprache, wer Latein lernt, hat leichteren Zugang zur abendländischen Kultur und lernt auch moderne Sprachen leichter», sagt Marie Louise Reinert.

Zahlen ziemlich konstant

An den 46 aargauischen Bezirksschulen ist die Zahl der Lateinschülerinnen und -schüler annähernd konstant. Zwischen 2003 und 2010 pendelte sie gesamthaft zwischen 1148 und 1344. In der 2. Bez belegt im Schnitt ein Fünftel bis ein Viertel der Jugendlichen Latein. In einigen vorab kleineren Schulen werden mitunter bis 50% erreicht. In der 3. und 4. Klasse nehmen die Zahlen leicht ab.

An den Aargauer Gymnasien gibt es Latein als Akzentfach (1./2. Klasse), als Schwerpunktfach (3./4. Klasse) und als Freifach. Das Akzentfach belegen im laufenden Schuljahr total 8,7% der Studierenden, das Schwerpunktfach nur noch 2,2%. Das Freifach belegen 7,9%. Prozentualer Spitzenreiter in allen Kategorien ist die Kanti Zofingen, in absoluten Zahlen liegt die Kanti Wettingen an der Spitze. An dieser Schule mit seminaristischer und neusprachlicher Tradition ist die Zahl der «Lateiner» seit der Jahrtausendwende um rund ein Drittel gewachsen.

«Zumindest an meiner Schule stelle ich keinen Einbruch fest», sagt Beat Zehnder, Lateinlehrer an der Neuen Kantonsschule Aarau. «Seit 2002 bis heute belegen durchschnittlich zwischen 13 und 16% Latein. Sicher gibt es regionale Unterschiede. Sie hängen vermutlich mit der Bevölkerungsstruktur, aber auch mit der Unterrichtsqualität an den zuführenden Bezirksschulen zusammen.»

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