«Persönlich hätte ich bei der Departementsverteilung eine Lösung im Konsens vorgezogen», hält Sommaruga in der Stellungnahme fest. «Ich respektiere aber den Entscheid des Kollegiums und werde mich mit all meinen Kräften auch im Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement engagieren.»

Bundespräsidentin Doris Leuthard gab ihrerseits im Bundeshaus vor Journalistinnen und Journalisten eine kurze Erklärung ab. Nach vier Jahren im Volkswirtschaftsdepartement habe sie sich für einen Wechsel entschieden, sagte Leuthard.

Widmer-Schlumpf und Leuthard wollten wechseln

Auch Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf habe den Wunsch nach einem Wechsel geäussert. Der Bundesrat habe beides unterstützt. Zu einer Abstimmung kam es demnach erst im Zusammenhang mit der Frage, wer das Volkswirtschafts- und wer das Justiz- und Polizeidepartement übernimmt.

Leuthard verwies auf das Anciennitätsprinzip, wonach die Bundesratsmitglieder in der Reihenfolge ihrer Amtsdauer Wünsche äussern dürfen. Dies gelte für alle, hielt sie fest. Es könne vorkommen, dass neu gewählte Bundesratsmitglieder weniger beliebte Departemente übernehmen müssten.

«Intensive Diskussionen»

Die Departementsverteilung ging nicht reibungslos über die Bühne: Der Bundesrat musste darüber abstimmen, wie die Bundeskanzlei mitteilte. Bundesratssprecher André Simonazzi sagte auf Anfrage, dem Entscheid sei eine intensive Diskussion vorangegangen, er sei jedoch «auf kollegiale Weise» getroffen worden.

Die Departementsverteilung erfolgt nach dem Anciennitätsprinzip: Als erster darf das amtsälteste Bundesratsmitglied seine Wünsche äussern. Bundespräsidentin Doris Leuthard, die an zweiter Stelle an der Reihe war, entschied sich für einen Wechsel ins Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK).

Laut Leuthard begrüsste das Gremium sowohl ihren eigenen Wechsel ins UVEK als auch den Wechsel von Widmer-Schlumpf ins Finanzdepartement. Im Finanzdepartement stünden wichtige Geschäfte an, die es rasch anzupacken gelte, sagte Leuthard. Fragen beantwortete die Bundespräsidentin nicht.

Grosse Rochaden sind selten

Grosse Rochaden in der Landesregierung, bei denen mehrere Bundesräte das Departement wechseln, sind selten. Die letzte Vierer-Rochade gab es 1960 nach Einführung der Zauberformel.

Damals wurden vier neue Bundesräte - Hans-Peter Tschudi und Willy Spühler (beide SP), Ludwig Von Moos und Jean Bourgknecht (beide CVP) gewählt.

In den folgenden Jahrzehnten gab es nur noch kleinere Rochaden. So führte die Wahl von Moritz Leuenberger (SP) 1995 dazu, dass Bundespräsident Kaspar Villiger (FDP) vom Militär- ins Finanzdepartement wechselte (das der zurück getretene Otto Stich geleitet hatte).

Adolf Ogi wechselte ebenfalls 1995 vom Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartement ins Militärdepartement, womit Leuenberger das EVED (heute UVEK) von Ogi übernehmen konnte.

Mit dem Einzug von Micheline Calmy-Rey (SP) in den Bundesrat gab es Ende 2002 es eine Rochade: Volkswirtschaftsminister Pascal Couchepin wechselte ins freiwerdende Innendepartement (für die zurück getretene Ruth Dreifuss, SP).

Er selbst wurde an der Spitze des EVD durch Aussenminister Joseph Deiss (CVP) abgelöst. Die neue Bundesrätin Micheline Calmy-Rey wurde EDA-Vorsteherin. Die andern vier Regierungsmitglieder behielten ihre Ressorts.

(SDA/cls)