SVP-Präsidium

Den Provokateur Oskar Freysinger drängt es an die Parteispitze

Der Walliser Nationalrat Oskar Freysinger will ins SVP-Vizepräsidium.

Der Walliser Nationalrat Oskar Freysinger will ins SVP-Vizepräsidium.

Der Walliser Oskar Freysinger wird wohl der nächste Vizepräsident der SVP Schweiz. Doch seine Kontakte zu ausländischen Rechtspopulisten stossen in der Partei auf Kritik.

Oskar Freysinger rebelliert gerne laut und heftig gegen die Parteispitze und hat das Publikum schon früh an verbale Entgleisungen gewöhnt. 2002 drängte es den Präsidenten der SVP Wallis, die er drei Jahre zuvor gegründet hatte, an das Mikrofon des nationalen Parteitags, wo er ein vor Vulgarität strotzendes Gedicht zur Bundesratskandidatur von Parteikollege Toni Bortoluzzi vortrug.

Die geschmacklosen Reime kosteten ihn das Präsidium der Kantonalpartei, doch der als «Pissoir-Poet, Politclown, fehlgeleiteter Trottel und dichtendes Sicherheitsrisiko» betitelte Freysinger mischt unverändert in der Politik mit. 2003 wählten ihn die Walliser in den Nationalrat. Zwei Mal haben sie den notorischen Provokateur seither erneut nach Bern geschickt. Dort vertritt er mit sicherem Instinkt die Kantonsinteressen, auch gegen die Position der Mutterpartei. Die SVP Schweiz lässt ihn gerne gewähren, solange er Wählerprozente und nationale Aufmerksamkeit garantiert.

Standing Ovations in Paris

Künftig wird Freysinger noch häufiger zu sehen und zu hören sein. Nachdem sich die Neo-Nationalrätin Céline Amaudruz aus Genf zurückgezogen hat, ist der 51-Jährige der einzige Anwärter auf das SVP-Vizepräsidium, das traditionell an die Romandie geht. Und es scheint, als habe die Partei auf einen wie ihn nur gewartet – zumindest aus Freysingers Sicht: «Ich bin einer der besten Debattierer der Westschweiz, wenn nicht der beste überhaupt», sagt er betont unbescheiden und lehnt sich entspannt in den grünen Ledersessel im Nationalrats-Vorzimmer zurück.

Kommunikation sei seine Stärke, sagt er, und erzählt euphorisch von den Standing Ovations, die ihm ein Saal von eintausend Teilnehmern in Paris nach seiner Rede bei den «Assises contre l’islamisation» bescherte.

Umstrittene Treffen

Freysingers Teilnahme an der Tagung des umstrittenen «bloc identitaire» verursachte allerdings sogar bei Parteikollegen Bauchgrimmen. Ebenso hart an die Schmerzgrenze ging der Walliser bei seinem Treffen mit dem holländischen AntiIslam-Hetzer Geert Wilders in Den Haag. Der jetzige Amtsinhaber Yvan Perrin warnt Freysinger jedenfalls jetzt schon: Er könne als Mitglied der Parteileitung nicht meinen, einen wie Geert Wilders treffen zu können. «Oskar Freysinger repräsentiert dann die SVP Schweiz, und die wünscht diese Nähe nicht», betont der Neuenburger.

Freysinger winkt lässig ab und sagt, er habe als Vizepräsident der Partei ohnehin weniger Zeit für Auslandreisen. Das habe er auch zu Christoph Blocher gesagt, als dieser ihn warnte, «pass auf!». Doch dann legt Freysinger sogleich Zündstoff nach. «Sie werden sehen: Wilders ist der künftige Premier Hollands. Da ist es nicht schlecht für die Schweiz, diesen Kontakt zu haben.»

Ursprünglich war es Freysinger, der Wilders zu einem Vortrag in die Schweiz einlud; im Wallis war der Rechtspopulist aber nicht willkommen.

Konzept liegt bereits bei Blocher

Zwar müssen ihn die Delegierten am 5. Mai erst noch wählen, doch Freysinger mag nicht so lange warten und hat Christoph Blocher bereits ein Konzept vorgelegt. Darin macht er konkrete Vorschläge zur Imagepolitur der seit Monaten angeschlagenen Partei. Freysinger stellt fest: «Die Inhalte der SVP sind gut, die Kommunikation ist schlecht.» Diese will der eloquente Gymnasiallehrer für deutsche Literatur jetzt verbessern.

Der perfekt zweisprachige Sohn einer Welschwalliser Mutter und eines Tiroler Vaters verspricht einen anderen Ton, und er will als Vertreter der Westschweiz die Plakatkampagnen auch regional anpassen. Witzig müsse es sein. «Am besten und wirksamsten waren immer unsere Walliser Plakate.»

Das Publikum darf gespannt sein: Zur Abstimmung über die Asyl-Initiative liess Freysinger Plakate drucken, die Osama Bin Laden auf einer Schweizer Identitätskarte zeigten.

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