Kommentar

Den letzten Kredit verspielt

Bundesanwalt Michael Lauber verliert seinen politischen Rückhalt. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Bundesanwalt Michael Lauber verliert seinen politischen Rückhalt. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Ehemalige Verbündete gehen auf Distanz zum längst untragbar gewordenen Bundesanwalt.  Es ist jetzt an ihnen, Lauber zum längst fälligen Rücktritt zu bewegen.

Die FDP, der er nahesteht, war zuletzt noch der entscheidende Rückhalt für Michael Lauber. Er konnte auf nicht ganz selbstlose Fürsprecher wie den Genfer Wirtschaftsanwalt Christian Lüscher zählen. Wenn aber mit Beat Walti jetzt der Fraktionschef dieser Partei den Bundesanwalt via «NZZ am Sonntag» auffordert, zurückzutreten und dem Land ein «unwürdiges und aufwendiges Amtsenthebungsverfahren zu ersparen», dann heisst das: Lauber hat den letzten Kredit verspielt.

Der Mann hatte viele Chancen, sein Amt in Würde abzugeben. Letztes Jahr, als das Bekanntwerden seiner unerklärten Geheimtreffen mit Fifa-Chef Gianni Infantino begann, die Schweizer Justiz weltweit in Misskredit zu bringen. Er hatte noch im März 2020 die Chance, sein Amt in Anstand abzugeben. Als der vernichtende Disziplinarbericht seiner Aufsichtsbehörde veröffentlicht wurde.

Aber Lauber zeigte keinerlei Einsicht. Stattdessen prozessiert er gegen seine Aufsicht. Nicht einmal mit eigenem Geld, sondern mit dem seiner Behörde. Der Bundesanwalt hat sein Amt nicht verstanden, er macht jetzt alles falsch, was man falsch machen kann. Er ist zur tragischen Figur geworden.

Noch kann Lauber selbst auf das Amt verzichten. Es ist an seinen Vertrauten, an seinen Stellvertretern, den Bundesanwalt zur Einsicht zu bringen: Es ist jetzt genug.

Je länger dieses Drama noch dauert, desto schlimmer wird das Ende.

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