In Russland verlangten mehrere tausend Anhänger der Kommunisten den Rücktritt von Regierungschef Wladimir Putin. Sie warfen dem Ex-Kremlchef eine schlechte Wirtschaftspolitik vor und protestierten gegen die ihrer Ansicht nach zu hohen Lebenshaltungskosten. Eine oppositionelle Kundgebung in der zweitgrössten Stadt St. Petersburg wurde kurzfristig verboten.

In Frankreich fanden rund 280 Veranstaltungen mit zehntausenden Teilnehmern statt. Die dortigen Proteste richteten sich vor allem gegen die Politik von Präsident Nicolas Sarkozy und dessen geplante Rentenreform.

In Istanbul kamen 200'000 Menschen zusammen und verlangten sichere Beschäftigung und menschliche Arbeitsverhältnisse. Rund 20'000 Polizisten sicherten die Kundgebung im Zentrum der türkischen Metropole.

Es war das erste Mal seit über 30 Jahren, dass eine Mai-Kundgebung auf dem Taksim-Platz in Istanbul stattfand. Der Platz war für Gewerkschafts-Kundgebungen gesperrt worden, nachdem bei einer Mai-Demonstration 1977 Unbekannte mindestens 34 Gewerkschaftsmitglieder erschossen hatten.

Bei 1.-Mai-Kundgebungen in Deutschland geisselten Gewerkschafter die Auswüchse an den Finanzmärkten. Es gab rund 450 Veranstaltungen mit insgesamt fast 500'000 Teilnehmern.

Im Brennpunkt standen Berlin, Würzburg, Schweinfurt und Erfurt. Bis zum späten Nachmittag verliefen die Proteste friedlich. In Berlin stellte sich die Polizei auf nächtliche Krawalle im Stadtteil Kreuzberg ein.