Corona-Virus

Dem Tessin reichen die Corona-Massnahmen des Bundesrates nicht

Systematische Grenzkontrollen am Zoll Chiasso-Strada aufgrund des Coronavirus und der Situation in Italien.

Systematische Grenzkontrollen am Zoll Chiasso-Strada aufgrund des Coronavirus und der Situation in Italien.

Der Tessiner Sicherheitsdirektor Gobbi will epidemiologische Kontrollen im Kampf gegen das Coronavirus. Die Grenzgänger-Zahl sinkt.

Der Bundesrat hat am Freitag entschieden, dass ab Schengen-Grenzkontrollen an sämtlichen Binnengrenzen mit sofortiger Wirkung lageabhängig wieder eingeführt werden. Die Einreise aus Italien ist nur noch Schweizer Bürgerinnen und Bürgern, Personen mit einem Aufenthaltstitel in der Schweiz sowie Personen, die aus beruflichen Gründen in die Schweiz reisen müssen, erlaubt.

Auch der Transit- und der Warenverkehr sind weiter erlaubt. Schliesslich dürfen auch Personen in einer Situation absoluter Notwendigkeit aus Italien einreisen.

Das bedeutet, dass auch die Grenzgängerinnen und Grenzgänger mit Ausweis G weiterhin einreisen können. «Diese Massnahmen dienen in erster Linie dazu, die Schweizer Bevölkerung zu schützen sowie die Kapazitäten im Schweizer Gesundheitswesen aufrechtzuerhalten, sagte der Bundesrat. Und meinte damit das Tessin.

Kein Gehör für die Tessiner Wünsche in Bern

Dem Tessin, das durch seine geografische Lage gegen Italien besonders exponiert ist, reichen diese Massnahmen nicht. Sicherheitsdirektor Norman Gobbi (Lega) erklärte im Rahmen einer Medienkonferenz am Freitagabend, man habe nicht nur Zoll- und Polizeikontrollen bei der Einreise verlangt, sondern auch epidemiologische Kontrollen. Das Anliegen sei bisher in Bern auf taube Ohren gestossen. Die Eidgenössische Zollverwaltung wird ihrerseits heute in Chiasso über die neuen Vorschriften informieren.

Gobbi erklärte auch, dass die Zahl der Grenzübertritte am Morgen massiv eingebrochen ist, von 68000 auf zirka 28'000 Personen. Allerdings kommen diese eben alle aus Zonen, die von Italien zu Hotspots des Corona-Virus erklärt wurden. «Wir haben den Hotspot vor der Tür, dann muss man die Tür schliessen», so Gobbi.

Kantonsarzt Giorgio Merlani erklärte, dass die Zahl der Infizierten im Tessin von 218 am Freitagvormittag auf 258 Fälle am Nachmittag gestiegen ist. 52 Patienten befänden sich im Spital, 13 in der Intensivstation. Der öffentliche Spitalverband EOC hat das Spital «La Carità» zum Covid-19-Spital erklärt und entsprechend umgebaut. Alle Corona-Virus-Patienten werden dort behandelt.

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