Aetigkofen

Dem Tabak gehts an den Kragen

Prävention: Warnhinweise wie «Smoking kills» sind in allen möglichen Sprachen auf Zigarettenpäckchen zu finden. (Bild: Urs Lindt)

Tabak

Prävention: Warnhinweise wie «Smoking kills» sind in allen möglichen Sprachen auf Zigarettenpäckchen zu finden. (Bild: Urs Lindt)

Für drei Bauer aus der Region ist der Anbau von Tabak nicht mehr lukrativ. Ob das etwas mit den Anti-Raucher-Präventionskampagnen zu tun hat, bleibt unklar. Zum Welttag ohne Tabak am Sonntag werden die Raucher jedenfalls einmal mehr zum Aufhören animiert.

Astrid Bucher

Das Übel misst in der Regel 8,5 Zentimeter: Die Rede ist von der handelsüblichen Zigarette. Für die einen Genuss, für die andern ein ewiges Laster. Für alle sicherlich ungesund. Den Vorsatz - «morgen zünde ich die Letzte an» - kennt jeder Raucher, der die Sucht besiegen will. «In der Regel braucht ein starker Raucher drei bis vier Anläufe, um zum endgültigen Rauchstopp zu gelangen», weiss Claudia Zbinden von der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz (ATS) in Bern. «Es funktionierte nur, weil ich subito vom einen auf den anderen Moment aufgehört habe», spricht ein Ex-Raucher aus Erfahrung. «Nie mehr Tabak», schwört sich ein anderer Nichtraucher, denn: «Es gleicht dem Junkie-Effekt, rührst du je wieder eine Zigarette an, ist man sofort wieder in der Sucht drin.»

40 Prozent schaffen den Rauchstopp

Die ATS setzt sich seit einigen Jahren mit einem umfassenden Rauchstopp-Programm für die Raucher, die aufgeben wollen, ein. Der Tabakkonsum stellt heute weltweit die Hauptursache für vermeidbare Todesfälle dar. Kein Konsumprodukt ist gefährlicher als Tabak und keines verursacht mehr Todesfälle: Zirka 5 Millionen pro Jahr.

Die 30-jährige Sophia M.* aus Solothurn hat sich für den Rauchstopp-Wettbewerb (siehe rechts), der von der ATS pünktlich zum Welttag ohne Tabak lanciert wurde, angemeldet. Nach rund zwölf Jahren will sie sich vom Glimmstängel verabschieden. Ihre Rauchergewohnheiten variieren stark und sie hat auch schon mehrere Aufhörversuche hinter sich. «Meine Nikotin-Abhängigkeit stufe ich als mittel ein», sagt Sophia. Durchschnittlich ein halbes Päckchen verraucht sie pro Tag. «Wenn ich jeweils aufhörte, hatte ich nur wenige körperlichen Entzugssymptome.» Mehr Schwierigkeiten bereiteten ihr jeweils die Raucher-Rituale, wie auf den Bus zu warten oder die Zigarette nach dem Essen. «Ich geniesse die Rauchpausen eigentlich sehr», sagt Sophia.

«Wir rechnen mit bis zu 2500 Anmeldungen», sagt Zbinden vom ATS, die als Projektmanagerin für den Rauchstopp-Wettbewerb verantwortlich ist. «Damit sind wir zufrieden, weil Es eine kostengünstige Art ist, um Leute zum Rauchstopp zu animieren.» Die Erfolgsquote liege bei rund 40 Prozent, weiss Zbinden aus vorangehenden Jahren. «Die Teilnehmenden werden nach rund einem halben Jahr über den Verlauf des Rauchstopps von uns befragt», sagt Zbinden.

Tabakbauer - aber nicht mehr lange

Vom Welttag ohne Tabak hat Bernhard Wyss aus Aetigkofen noch nie etwas gehört. Auf einem Hektar seines landwirtschaftlichen Betriebes pflanzt der Gelegenheitsraucher seit rund 15 Jahren Tabak an. Die Ernte wird zu Zigaretten verarbeitet. «Ende Saison ist aber Schluss mit Tabak, wir müssen etwas Neues finden», sagt Bernhard Wyss. «Die Kontingente sind heuer um rund 20 Prozent gesunken, Aufwand und Ertrag stimmen nicht mehr überein. Der Arbeitsaufwand für den Tabakanbau ist enorm», sagt Wyss. Da nützt ihm auch die Zusammenarbeit mit den beiden Mühledorfer Bauern Rolf Arni und Stefan Rüfenacht nicht weiter. «Wir helfen einander mit Personal aus, sonst würde sich das Tabakgeschäft überhaupt nicht lohnen», so Wyss. Haben die verstärkten Anti-Raucher-Kampagnen und das Rauchverbot im Kanton Solothurn das Aus für die Bucheggeberger-Tabakbauer beeinflusst? «Wir haben diese Entwick-

lungen zwar gespürt», sagt Wyss. «Das ist aber nicht der Grund, warum wir aufhören mit dem Tabak.» Er vertrete in Sachen Tabak eine neutrale Haltung: «Ich finde der Welttag ohne Tabak ist ein guter Gedankenanstoss um auf die gesundheitsschädigenden Seiten aufmerksam zu machen. Gleichzeitig stehen auf der anderen Seite auch immer Arbeitsplätze in der Tabakindustrie auf dem Spiel.»

*Name der Redaktion bekannt

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